Wer einen Einstieg in die Thematik der Balkankriege in den 90er Jahren sucht, sollte auf dieses Buch zurückgreifen. Kurt Köpruner ist es gelungen, Geschichte auf unterhaltsame Weise nachzuzeichnen ohne die erforderliche Objektivität vermissen zu lassen.
Er beginnt mit einem Kurzabriss jugoslawischer Geschichte und erläutert anschließend den Gang des blutigen Zerfalls des ehemaligen Titostaates. Informationen zur Chronologie, kulturell-historische Hintergründe der Konflikte, einzelne Vorfälle im Kriegsgeschehen sowie Kuriositäten und persönliche Schicksale werden hier zu einer atemberaubenden Mixtur verwoben.
Dabei profitiert das Buch von einem Lebensumstand Köpruners: Der Autor unterhielt geschäftliche Beziehungen nach Jugoslawien, als die dortigen sozialen Spannungen im Sog des europaweiten Zusammenbruchs sozialistischer Systeme an Schärfe zunahmen. Bei zahlreichen beruflichen und privaten Reisen in den Folgejahren wurde er sozusagen Zeitzeuge der Kriegsgeschehnisse.
Die Schilderung der vielen persönlichen Eindrücke und die Dokumentation der unvoreingenommenen Gespräche mit Einheimischen während der Kriegsjahre machen das Buch zu einer Besonderheit unter den Publikationen über die Balkankriege; insbesondere vor dem Hintergrund, dass Köpruner jederzeit als Privatperson auftritt, nicht als Jornalist, Diplomat oder Politiker. So gesehen ist dieses Buch wohl einzigartig...
Der Autor verhehlt nicht, dass er die "westliche" Betrachtung der Konflikte, in der die Serben als alleinige Kriegstreiber und Schuldige gebrandmarkt und von politischer Seite entsprechend behandelt wurden, für unzutreffend hält. Diese Sichtweise belegt er - wie auch eine Reihe anderer Jugoslawienkenner - mit Fakten, die für sich sprechen und all denjenigen zu denken geben sollten, die unter dem Eindruck der teils unreflektierten medialen Berichterstattung der westeuropäischen und amerikanischen Interventionspoltik ihren Segen gaben.
Das Buch sticht heraus unter vielen Veröffentlichungen zu dieser Thematik. Es porträtiert den Verlauf der schrecklichen Jugoslawienkriege und ist aufgrund der persönlichen Note stets erfrischend zu lesen.