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Reisen im Licht der Sterne [Audiobook] [Audio CD]

Alex Capus , Christoph Ransmayr
4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (21 Kundenrezensionen)

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Produktbeschreibungen

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Kein Roman und auch kein Krimi, und doch eines der spannendsten Bücher der Saison: Der Schweizer Autor Alex Capus reist auf den Spuren des berühmten Robert Louis Stevensons in die Südsee und betätigt sich als Detektiv. Ausgangspunkt ist eine Wendung in Stevensons Leben, der seine zahlreichen Biografen in Capus Augen zu wenig Beachtung geschenkt haben: Warum ließ sich der schwer lungenkranke Dichter für den Rest seines Lebens auf Samoa nieder. Obwohl er und seine Familie die Insel nicht sonderlich mochten und das extreme Klima Gift für seine Gesundheit war? Im Dezember 1889 kommen sie auf ihren ausgedehnten Reisen durch den Pazifik auf Samoa an. Eigentlich will sich Stevenson nur ein paar Tage umsehen und dann zurück in seine schottische Heimat. Doch dann kauft er mit seinen letzten Ersparnissen ein großes Stück Dschungel, um sich dort niederzulassen.

Warum nur, fragt sich Capus und macht sich auf eine packende und wunderbar zu lesende Spurensuche. Tatsache ist jedenfalls, dass die Stevensons anfangs unter ärmlichen Bedingungen -- Abendessen: eine Avocado für alle -- auf ihrem Anwesen hausten, sich aber bald eine prunkvolle Villa hinstellen ließen und auch die nächsten Jahre auf großem Fuß lebten. Könnte es nicht sein, dass Stevenson nicht nur ein weltberühmtes Buch über eine Schatzinsel schrieb, sondern auch selbst einem Piratenschatz auf die Spur gekommen war? Und zwar dem legendären Kirchenschatz von Lima, der 1821 auf der Kokos Insel vor Costa Rica versteckt worden sein soll. Aber, so findet Capus heraus, es gibt unweit von Stevensons neuem Domizil auch eine kleine Insel, die auf alten holländischen Seekarten "Cocos Eylandt" genannt wurde.

Dass er ausgezeichnet mit biografischen Stoffen umzugehen weiß, hat Alex Capus bereits mit früheren Büchern wie Fast ein bißchen Frühling oder 13 wahre Geschichten bewiesen. Reisen im Licht der Sterne ist eine faszinierende literarische Spurensuche, der man viele Leser wünscht. Den letzten Beweis für seine These liefert er zwar nicht, aber dafür eine Reihe verblüffender Indizien. Und in diesem Fall ist es eindeutig so: Den Schatz muss man nicht unbedingt finden, allein die Suche danach macht schon großen Spaß. --Christian Stahl -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Pressestimmen

"Capus zeichnet mit wenigen Strichen ein bewegendes Porträt des großen Exzentrikers [Stevenson] und belebt auch das zu Unrecht darbende Genre der Abenteuerliteratur ganz neu." (Abendzeitung München)

"Eine faszinierende Spurensuche." (Playboy)

"Capus erzählt (…) mit einer lockeren Beiläufigkeit und einer gekonnten Lakonie, die beständig Lust auf mehr macht während des Lesens." (Aargauer Zeitung) -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Klappentext

"Schatzsucher wie Stevenson scheinen mit dem 19. Jahrhundert für immer untergegangen. Alex Capus gelingt es, ihren Glanz und ihr Elend noch einmal großartig zur Darstellung zu bringen."
Süddeutsche Zeitung

"Capus ,Spurensuche' besticht durch die die feine Ironie, mit der er die Lebensgeschichte des Robert Louis Stevenson neu erzählt."
Brigitte Buch-extra

Über den Autor und weitere Mitwirkende

Alex Capus, geboren 1961 in Frankreich, studierte Geschichte, Philosophie und Ethnologie in Basel und arbeitete während und nach seinem Studium als Journalist und Redakteur bei verschiedenen Tageszeitungen und bei der Schweizer Depeschenagentur. 1994 veröffentlichte Alex Capus seinen ersten Erzählband ("Diese verfluchte Schwerkraft"), dem seitdem neun weitere Bücher mit Kurzgeschichten, historischen Reportagen und Romanen folgten. Capus verbindet sorgfältig recherchierte Fakten mit fiktiven Erzählebenen, in denen er die persönlichen Schicksale seiner Protagonisten einfühlsam beschreibt. Seine Bücher wurden in viele Sprachen übersetzt; für seine schriftstellerische Arbeit erhielt er zahlreiche Preise. Daneben hat Capus auch als kongenialer Übersetzer von Romanen des US-amerikanischen Autors John Fante gewirkt. Alex Capus lebt als freier Schriftsteller mit seiner Familie in Olten/Schweiz.

Seit November 2007 ist Dieter Moor als Moderator des ARD Kulturmagazins "ttt" zu sehen. Der gebürtige Schweizer und Wahlberliner, Schauspieler und Moderator machte sich auch als Hörbuchsprecher, u.a. von Alex Capus’ „Reisen im Licht der Sterne“, einen Namen.

Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Vorwort
Mein Vater ist Normanne, genauso wie sein Vater und sein Großvater und dessen Vater auch; allesamt große, starke und schwerblütige Männer, deren Schweigsamkeit nicht auf besonderen Tiefsinn hinweist, sondern nur auf Schweigsamkeit. Den Sommer verbrachte unsere Familie stets auf einem kleinen Gehöft in der Basse Normandie, das in grauer Vorzeit eine angeheiratete Tante geerbt hatte. Es muss am frühen Morgen des 5. Juni 1964 gewesen sein, am zwanzigsten Jahrestag von D-Day, als mein Vater mich auf den Rücksitz seines feuerwehrroten Renault Dauphine verfrachtete, dann seinen Vater auf den Beifahrersitz komplimentierte und uns über kurvige Landstraßen nordwärts zur Küste fuhr; wohin genau, weiß ich nicht. Ich habe vage Erinnerungen an Uniformen und Blasmusik und feierliche Reden. Ich weiß noch, dass ich an jenem Tag zum ersten Mal das Meer sah und dass ich es nicht sonderlich beeindruckend fand; und unvergesslich ist mir, mit welcher Begeisterung Großvater, Vater und ich Seite an Seite über den Strand schlurften, mit den Füßen im Sand scharrten und nach Zeugnissen der alliierten Invasion suchten. Wir fanden Granatringe, Schrapnellsplitter, Gürtelschnallen, Patronen. Projektile, Uniformknöpfe, Schraubenmuttern, Ösen. Brüchiges Leder, Grünspan, rostiges Eisen. Wir steckten alles in unsere Hosentaschen, und ich vermute, dass unsere Wangen glühten – meine vor kindlicher Begeisterung, die meines Vaters vor Verlegenheit über die kindische Schatzgräberei und Großvaters Wangen vor Scham über unsere pietätlose Gier.
Abends nach dem Essen saßen wir nebeneinander in der Küche am offenen Kamin und starrten ins Feuer, hatten die Hände in die Hosentaschen vergraben und fingerten an unseren Granatringen und Schrapnellsplittern umher, die wir, ich weiß nicht, weshalb, vor unseren Frauen, Müttern, Großmüttern verborgen hielten. Die große, gusseiserne Platte, die hinter dem Feuer an der Wand stand, strahlte wohlige Wärme ab – und vielleicht war es an jenem Abend, als Großvater die Rede darauf brachte, dass sich hinter solch gusseisernen Platten zuweilen die kostbarsten Gold- und Silberschätze verbergen. Dass es kein besseres Versteck als dieses geben konnte, leuchtete mir ein; denn welcher Räuber würde es wagen, seine Arme durchs Feuer zu strecken und die heiße Eisenplatte anzufassen?

Seit jenem Abend sind vierzig Jahre und achtunddreißig Tage vergangen. Großvater ist vor bald zwanzig Jahren gestorben, und mein Vater ist ein ganzes Stück älter geworden; ich selbst bin in der Zwischenzeit wohl mehr oder weniger der geworden, welcher mein Vater und mein Großvater einmal waren. Von jenem normannischen Kaminfeuer aber trennt mich in dem Augenblick, da ich dies schreibe, nicht nur die verflossene Zeit, sondern buchstäblich der Planet Erde. Ich sitze am anderen Ende der Welt vor dem «Outrigger Hotel» hoch über Apia, Samoa, schaue nordwärts hinaus auf die unendliche Weite des Südpazifik und ergebe mich dem Gedanken, dass von hier bis zum Nordpol, über gut ein Viertel des Erdumfangs, nicht mehr viel kommt. Jede Menge Wasser, ein bisschen Hawaii und die Beringstraße und dann das Packeis.
Meine Frau Nadja liegt in der Hängematte und liest, meine drei Söhne spielen Fußball. Ich selbst bin hier, um zu beweisen, dass es Robert Louis Stevensons «Schatzinsel» tatsächlich gibt, und zwar ganz woanders, als Heerscharen von Schatzsuchern sie über Generationen gesucht haben – und dass Louis einzig und allein deshalb die letzten fünf Jahre seines Lebens auf Samoa verbrachte.
Und während die Sonne im Meer versinkt, füllt sich mein Herz mit den Empfindungen jenes Abends am Kaminfeuer vor vierzig Jahren: mit der kindlichen Begeisterung des Schatzgräbers, mit der väterlichen Verlegenheit über das eigene kindische Treiben und mit der großväterlichen Scham darüber, dass ich in fremder Leute Angelegenheiten wühle, die seit hundert Jahren tot sind und sich nicht mehr wehren können.
Apia, Samoa, 12. Juli 2004

1 Friedlich vor Anker

Bis auf hundertneunzig Meilen hatte sich die "Equator" am 2. Dezember 1889 ihrem Ziel genähert, dann kam sie nicht mehr voran. Das kleine, kaum siebzig Tonnen schwere Handelsschiff schlingerte an Ort und Stelle in der aufgepeitschten See, Sturmböen stürzten aus allen Richtungen auf die flatternden Segel, und es fiel schwerer Regen bei vierzig Grad Hitze und hundert Prozent Luftfeuchtigkeit. Das war kein Klima für einen lungenkranken Schotten wie Robert Louis Stevenson; hätte er seinen Ärzten gehorcht, wäre er zur Kur in die kalte und trockene Alpenluft der Lungenklinik Davos gefahren, wo er schon zwei Winter verbracht hatte und fast gesund geworden war. Stattdessen saß er im Schneidersitz auf den feuchten Planken unter Deck, rauchte eine Zigarette nach der anderen und schrieb einen Brief an seinen Jugendfreund Sidney Colvin, Kunstprofessor in Cambridge. Er war barfuß und nackt bis auf eine schwarzweiß gestreifte Hose und ein ärmelloses Unterhemd, und um die Hüfte hatte er eine rote Schärpe gebunden. Neben ihm lag in unruhigem Schlaf seine seekranke Frau Fanny und neben ihr in jugendlichem Frieden der einundzwanzigjährige Lloyd Osbourne, Fannys Sohn aus erster Ehe. Das Schiff roch beißend nach fermentierter Kokosnuss, und es wimmelte von Läusen und daumengroßen Kakerlaken.

«Das Ende unserer langen Reise rückt näher. Regen, Windstille, eine Bö, ein Knall – und die Vormarsstange ist weg; Regen, Windstille, eine Bö, und fort ist das Stagsegel; noch mehr Regen, noch mehr Windstille und weitere Böen; eine ungeheuer schwere See die ganze Zeit, und die "Equator" schlingert wie eine Schwalbe im Sturm; unter Deck ist ein einziger großer Raum, der bedeckt ist von nassen Menschenleibern, und der Regen ergießt sich in wahren Sturmfluten aufs leckende Deck. Fanny hält sich sehr tapfer inmitten von fünfzehn Männern. (…) Wenn wir nur für zwei Pence brauchbaren Wind hätten, wären wir schon morgen zum Abendessen in Apia. Aber wir schlingern vor uns hin ohne das leiseste Lüftchen, und dann brennt auch wieder die Sonne über unseren Köpfen, und das Thermometer zeigt 88 Grad …»
Seit anderthalb Jahren bereiste Stevenson die Südsee, hatte die Marquesas, Tahiti, Hawaii und zuletzt die Gilbert-Inseln besucht, um Reisereportagen für amerikanische Zeitschriften zu schreiben. Er tat dies zur allseitigen Unzufriedenheit: Die Leser der Zeitschriften waren enttäuscht, dass der Autor der «Schatzinsel» ihnen derart langfädige und schulmeisterliche Abhandlungen zumutete; die Verleger waren enttäuscht über den ausbleibenden Verkaufserfolg; und für Louis selbst war die Arbeit eine qualvolle Pflicht, deren Ende er herbeisehnte. Er wollte nach Hause, erst nach London, dann nach Edinburgh. Mit keinem Gedanken dachte er zu der Zeit daran, sich auf Samoa niederzulassen. Und nichts deutete darauf hin, dass er nur sechs Wochen später, im Alter von neununddreißig Jahren, sein gesamtes verfügbares Vermögen in den Kauf eines Stücks undurchdringlichen Dschungels investieren und dort den Rest seines Lebens verbringen würde. Ganz im Gegenteil.
«Ich habe nicht im Sinn, sehr lange auf Samoa zu bleiben. Meine Studien werde ich wohl, soweit sich das voraussagen lässt, auf die jüngste kriegerische Geschichte beschränken. (…) Es ist möglich, wenn auch unwahrscheinlich, dass ich noch rasch einen Besuch auf Fidschi oder Tonga mache, oder sogar beides; aber in mir wächst die Ungeduld, dich wiederzusehen, und ich will spätestens im Juni in England sein. Wir werden, so Gott will, über Sydney, Ceylon, Suez und wahrscheinlich Marseille heimkehren. Einen Tag oder zwei werde ich wohl in Paris Station machen, aber das ist alles noch weit weg; obwohl – es rückt allmählich näher! So nahe, dass ich meine Droschke schon über Endell Street rattern höre. Ich sehe, wie die Tür aufgeht, und fühle, wie ich hinunter springe und die monumentale Treppe hochlaufe und – hosianna! – wieder zu Hause bin.»
Die Flaute hielt weitere drei Tage an. Erst am... -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
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