Sicherlich handelt es sich hier um eine wunderbar authentische Quelle über eine grandiose Reise, und interessant ist natürlich - wie auch ein anderer Rezensent schreibt - dass z.B. Europa in Battutas (muslimischer) Welt offenbar keinerlei Rolle spielt, was unsere eurozentristische Perspektive etwas zurechtrücken kann. Erstaunlich ist natürlich auch, wie weit das derzeitige Handelsnetz gespannt war.
Die vorgeschaltete Einführung zu dieser Lektüre finde ich gut und hilfreich, kann man als jemand, der "nicht im Thema ist", dadurch manche Aspekte besser einordnen.
Als Kartenmaterial hätte ich mir gewünscht, dass nicht nur Kontinente und grosse Orte, sondern auch oft genannte REGIONEN, die nicht jedem mit Selbstverständlichkeit geläufig sein mögen (wie z.B. Chorasan und Transoxanien) eingezeichnet wären, so dass man auch diese finden und einordnen kann.
Battutas neutraler Schreibstil (man merkt: er ist Jurist.. ;-)) hat zwar den Vorteil mutmasslich weitgehender Neutralität, macht die Lektüre allerdings auch etwas fade für meinen Geschmack.
Hinzu kommt seine Perspektive auf Leute und Sachverhalte, die - so ist mein Eindruck - nach Verwertbarkeit bzw. strategischer Bedeutung beurteilt werden. Es geht nie in die Tiefe.
Was mich jedoch wirklich stört ist, wie im Text durch Orte gehastet wird, deren Erscheinungsbild kurz beschrieben wird, oft nur einen Absatz pro Ort, und ebenso seine Kontakte: es werden zahllose Namen genannt (was sicherlich eine Frage der Höflichkeit ist), aber da fast alle diese Personen nur 1x genannt werden und nicht von Belang sind, sind diese Informationen für meinen Geschmack für den Leser im Grunde "unnötiger Füllstoff". Eine typische Probe hierzu ist folgende:
''Fünf Tage lang hielt ich mich bei Ala ul-Mulk in Lahari auf. Zum Abschied versah er mich reichlich mit Lebensmitteln. Ich begab mich nach Bakar, einer ansehnlichen Stadt, die von einem Kanal des Indus durchschnitten wird. In der Mitte dieses Kanals befindet sich ein schönes Hospiz, in dem Reisende untergebracht und verpflegt werden. Dieses Hospiz wurde von Kalu Khan in der Zeit seiner Statthalterschaft über die Provinz Sind erbaut. Neben dem Rechtsgelehrten und Gebetsvorsteher Sadr ed-Din und dem Richter der Stadt, Abu Hanifa, lernte ich den ehrwürdigen, frommen und keuschen Sems ed-Din Mohammed aus Schiraz kennen, der hochbetagt ist. (...) Von Bakar aus kam ich nach Ujah, einer großen Stadt am Indus, die schöne Märkte und prachtvolle Bauten besitzt. Ihr Gourverneur war ein trefflicher und edler Fürst, Jelal ed-Din al-Kiji, ein tapferer und großmütiger Mann. Später starb er in dieser Stadt nach einem Sturz vom Pferd.''
Alles in allem handelt es sich aber natürlich um ein wertvolles Zeit-Dokument, das einem verschiedenste gesellschaftliche Aspekte "vorführt", und das unbedingt seinen Wert hat! Historisch Interessierte und vor allem in-Primär-Quellen-lesen-Geübte sind mit solcher Lektüre vermutlich gut bedient, als "Normal-Leser".. sollte man vielleicht mal querlesen und schauen, ob es einem liegt.