wenzels zweite.
ich gestehe - ich habe eine weile gebraucht, um mich mit dieser platte anzufreunden. in der gesamtwirkung "krachiger" als die liebeslieder des vorgängeralbums, irgendwie rauher, zynischer, witziger. allerdings eröffnen sich mit der zeit sehr spannende lieder.
wenzels texte bestechen erneut; er singt vom leben, von stationen. und immer wieder klingen tagespolitische fragen an (das album erschien 1990). teils beinahe zotig ("berlin- lied), teils wunderbar- lyrisch ("fern im land liegt das land"). emotional, kritisch, aufrüttelnd, mit einem stich ins melancholisch- sarkastische, mal derb, mal zart und filigran gesetzt.
ähnlich kontrastreich die musikalische umsetzung. meine mangelnder "sachverstand" verbietet mir, mich zu den unterschiedlichen stilmitteln zu äußern. soviel - die kompositionen wirken frisch, schwungvoll. und ungewöhnlich, mitunter sperrig. die instrumentierung unterstüzt diesen eindruck. nichtsdetotrotz entwickeln die lieder beim hören einen stetig steigenden reiz.
und in der verbindung von wort und musik sind die "reisebilder" dann doch wieder "ganz wenzel". wunderbar!
(mein "tipp": die texte primär als gedichte lesen und dann in die musik einsteigen.)
achja - goethe darf auch mitmachen. wenzels vertont "mignons lied" - warm und gefühlvoll.
meine favoriten: "fern im land liegt das land", "wartung eines landes", "selbstbildnis vor einem teller buchstabensuppe", "lilienstein-lied", "das weimar-lied", "halb und halb"