Aus der Amazon.de-Redaktion
Hätten Sie gedacht, dass die US-Zollbehörden mehr Geld durch die Einfuhr von Unterwäsche aus Kambodscha einnehmen als durch australischen Wein oder japanischen Stahl? Und dass der Betrag, den die amerikanische Regierung Jahr für Jahr ausgibt, um die einheimische Textilindustrie vor Importen zu schützen, größer ist als das Bruttoinlandsprodukt einiger der ärmsten baumwollproduzierenden Länder? Jeder erhaltene Textil-Job kostete den amerikanischen Steuerzahler im Jahr 2002 stolze 175.000 Dollar. Dagegen nehmen sich die Summen, mit denen deutsche Stahl- und Kohle-Arbeitsplätze subventioniert werden, geradezu wie ein Witz aus.
Wer dem freien Welthandel das Wort redet, erntet oft den Vorwurf, dadurch würde nur der Wettlauf nach unten beschleunigt: Wann immer ein Produkt anderswo billiger hergestellt werden kann, wandern die Arbeitsplätze dorthin ab -- und die sozialen Standards sinken. Vor allem die berüchtigten Sweatshops, wo in der Hauptsache Frauen für niedrigste Löhne härteste Arbeit verrichten, sind vielen Globalisierungskritikern ein Dorn im Auge. Pietra Rivoli, Wirtschaftsprofessorin an der Georgetown University in Washington, D.C., beschloss, all diese Argumente zu überprüfen, indem sie den Produktionszyklus eines einzelnen T-Shirts verfolgte: Von der Baumwoll-Plantage bis in die Läden der Einzelhandelsketten (und sogar darüber hinaus: auch dem Altkleider-Export nach Afrika widmet sie ein interessantes Kapitel!). Die Reise führte die Autorin von Texas über Schanghai nach Daressalam und erbrachte einige verblüffende Ergebnisse.
Am wenigsten überrascht noch, dass die (im internationalen Vergleich teuren) Arbeitsplätze in der US-Textilproduktion mehr durch Automatisierung und technischen Fortschritt gefährdet sind als durch Konkurrenz aus anderen Ländern. Selbst wenn die amerikanischen [ergänze: deutschen, schweizerischen...] Firmen völlig von der Konkurrenz geschützt würden, stünden die Unternehmen immer noch untereinander im Wettbewerb, und jede Firma, die lieber Jobs erhält als mit der fortschreitenden Automatisierung Schritt zu halten, wäre durch die höhere Produktivität der Konkurrenz im eigenen Land bald vom Markt verdrängt.
Erstaunlicher ist schon, dass zwischen 1995 und 2002 allein die chinesische Textilbranche -- Hauptziel aller protektionistischen Abwehrbemühungen -- zehnmal soviele Jobs abbaute wie ihr amerikanischer Widerpart. Rivoli: Die Textiljobs verschwinden nicht nach China. Die Textiljobs verschwinden. Punkt.
Und geradezu gewagt erscheint zunächst die These, dass die vielen Sweatshops letztlich zur ökonomischen und sozialen Befreiung der Frau führten. Doch gegen die Tatsache, dass junge Chinesinnen -- wie soziologische Untersuchungen ergeben haben -- trotz allem lieber in der Fabrik als auf dem Land arbeiten, wo die Arbeit nicht nur genauso hart ist, sondern die Frauen auch noch mit patriarchalen Strukturen zu kämpfen haben (Stichwort: Zwangsverheiratung) lässt sich kaum argumentieren. Der Versuch, den Wettlauf nach unten zu verbieten, sei daher schlicht unsinnig, schreibt Rivoli: Denn was solle man einer Frau sagen, die vor allem deshalb in die Fabrik gehe, um dem von den Eltern festgelegten Lebensplan zu entfliehen? Lieber sollten die Globalisierungsgegner sich mit den sozialen und politischen Rahmenbedingungen beschäftigen (Bildung, freie Wahl des Arbeitsplatzes, sichere und gesunde Arbeitsplätze, etc.) und sich dafür einsetzen, dass der Standard des Unten so menschenfreundlich wie möglich definiert wird.
Globaler Kapitalismus und Arbeiterrechtsbewegung, so Rivolis Fazit, seien keine Feinde, sondern Kollaborateure, wenn auch unbeabsichtigt und ohne es zu wissen. Gemeinsam arbeiten sie daran, die conditio humana zu verbessern.
Ein spannendes, lehrreiches und streitbares Buch, das jeder gelesen haben sollte, der nicht nur die Phrasen der Globalisierungs-Befürworter und Gegner nachplappern, sondern sich ein eigenes Bild von den komplizierten weltwirtschaftlichen Zusammenhängen machen möchte. --Axel Henrici
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Pressestimmen
»Fazit dieses äußerst empfehlenswerten Buches ist, daß moralische Argumente für den freien Handel schwerer wiegen als die ökonomischen...« WELT AM SONNTAG » ... schreibt lebendig und präzis, moralisch wach und ökonomisch nüchtern - man kann ohne Übertreibung sagen: ein moderner Adam Smith.« BERLINER ZEITUNG »Ihr 'Reisebericht eines T-Shirts' verliert trotz der Konzentration auf die Mikro-Faser nie den Faden im Makro-Gewebe der Weltwirtschaft. Diese Verknüpfung von Reportage und Analyse ist angenehm lesbar, versprüht gute Laune und bringt nebenbei auch noch eine Geschichte der Textilindustrie als Industrialisierungsmotor unter.« LITERATUREN »Menschennahe Reportage, gekreuzt mit ökomomischen Hintergrundwissen: aufschlussreich.« SPECTRUM »Die US-amerikanische Wirtschaftsprofessorin Pietra Rivoli hat erstmals von Anfang bis Ende den Weg eines globalen Produkts verfolgt: von Texas über China nach Europa und Afrika. Ihr Fazit: Globalisierung ist gut für alle Beteiligten.« taz »Es ist sehr unterhaltsam, erzählt Geschichten und enthält lebhafte Reportagen. Ausflüge in die Wirtschaftsgeschichte liefern darüber hinaus wertvolles Hintergrundwissen über die Baumwoll- und Textilindustrie.« LEONARDO Wissenschaft und mehr »Braucht die Welt wirklich noch ein weiteres Buch über die Globalisierung? Sie braucht sicher keine weiteren trockenen Zahlenwerke von Volkswirtschafts-Experten. Wer jedoch etwas über den Mensch im Geflecht des Welthandels erfahren möchte, dem sei der Reisebericht eines T-Shirts empfohlen.« TEXTILWIRTSCHAFT »Bücher wie Pietra Rivolis Reisebericht beleben die Diskussion um Globalisierung und internationale Arbeitsteilung. Die Leser wissen dies zu schätzen. Kaum auf dem deutschen Markt, sprang das Buch sofort auf Platz sechs der Handelsblatt-Bestsellerliste.« HANDELSBLATT »Anekdotenreich und sehr persönlich erzählt Pietra Rivoli von den Menschen, die das Weltprodukt herstellen und handeln... Der Reisebericht eines T-Shirts macht vor, wie viel weniger Schwarzweißmalerei möglich ist, wenn man dem Weltmarkt in seiner kleinsten Einheit auf den Zahn fühlt.« NDR Info »Wer sich Einblick in weltwirtschaftliche Verflechtungen verschaffen will und dabei auf den Schwerpunkt Deutschland verzichten kann, wird in diesem Buch wertvolle Erläuterungen zu den Mechanismen der Globalisierung finden.« RHEINISCHER MERKUR »Entstanden ist nicht nur ein differenziertes Bild von dem, was heute Globalisierung bedeutet, sondern auch ein aufschlußreicher geschichtlicher Abriß der Textilindustrie.« LA QUOTIDIANA (CH)
Kurzbeschreibung
Welchen Weg legt ein T-Shirt zurück, bis es zum Verkauf im Laden liegt, und wohin kommt es, nachdem es im Altkleidercontainer gelandet ist? Pietra Rivoli reiste mit ihrem T-Shirt von Texas nach Schanghai und Tansania. Ihr spannender Reisebericht entwirrt die komplexen Strukturen des Welthandels und schildert, wie sich amerikanische Baumwollfarmer gegen Importmassen aus China wehren und wie T-Shirts aus Schanghai trotzdem in den amerikanischen Hafen gelangen.
Der Verlag über das Buch
Wirtschaft zum Anfassen
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Klappentext
»Entstanden ist nicht nur ein differenziertes Bild von dem, was heute Globalisierung bedeutet, sondern auch ein aufschlußreicher geschichtlicher Abriß der Textilindustrie.« (LA QUOTIDIANA (CH))
Über den Autor
Pietra Rivoli ist Professorin für Wirtschaft an der Georgetown University in Washington D.C. Sie beschäftigt sich mit dem Finanzwesen, mit internationaler Wirtschaft und den sozialen Aspekten der Ökonomie.