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Produktinformation
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Wer dem freien Welthandel das Wort redet, erntet oft den Vorwurf, dadurch würde nur der Wettlauf nach unten beschleunigt: Wann immer ein Produkt anderswo billiger hergestellt werden kann, wandern die Arbeitsplätze dorthin ab -- und die sozialen Standards sinken. Vor allem die berüchtigten Sweatshops, wo in der Hauptsache Frauen für niedrigste Löhne härteste Arbeit verrichten, sind vielen Globalisierungskritikern ein Dorn im Auge. Pietra Rivoli, Wirtschaftsprofessorin an der Georgetown University in Washington, D.C., beschloss, all diese Argumente zu überprüfen, indem sie den Produktionszyklus eines einzelnen T-Shirts verfolgte: Von der Baumwoll-Plantage bis in die Läden der Einzelhandelsketten (und sogar darüber hinaus: auch dem Altkleider-Export nach Afrika widmet sie ein interessantes Kapitel!). Die Reise führte die Autorin von Texas über Schanghai nach Daressalam und erbrachte einige verblüffende Ergebnisse.
Am wenigsten überrascht noch, dass die (im internationalen Vergleich teuren) Arbeitsplätze in der US-Textilproduktion mehr durch Automatisierung und technischen Fortschritt gefährdet sind als durch Konkurrenz aus anderen Ländern. Selbst wenn die amerikanischen [ergänze: deutschen, schweizerischen...] Firmen völlig von der Konkurrenz geschützt würden, stünden die Unternehmen immer noch untereinander im Wettbewerb, und jede Firma, die lieber Jobs erhält als mit der fortschreitenden Automatisierung Schritt zu halten, wäre durch die höhere Produktivität der Konkurrenz im eigenen Land bald vom Markt verdrängt.
Erstaunlicher ist schon, dass zwischen 1995 und 2002 allein die chinesische Textilbranche -- Hauptziel aller protektionistischen Abwehrbemühungen -- zehnmal soviele Jobs abbaute wie ihr amerikanischer Widerpart. Rivoli: Die Textiljobs verschwinden nicht nach China. Die Textiljobs verschwinden. Punkt.
Und geradezu gewagt erscheint zunächst die These, dass die vielen Sweatshops letztlich zur ökonomischen und sozialen Befreiung der Frau führten. Doch gegen die Tatsache, dass junge Chinesinnen -- wie soziologische Untersuchungen ergeben haben -- trotz allem lieber in der Fabrik als auf dem Land arbeiten, wo die Arbeit nicht nur genauso hart ist, sondern die Frauen auch noch mit patriarchalen Strukturen zu kämpfen haben (Stichwort: Zwangsverheiratung) lässt sich kaum argumentieren. Der Versuch, den Wettlauf nach unten zu verbieten, sei daher schlicht unsinnig, schreibt Rivoli: Denn was solle man einer Frau sagen, die vor allem deshalb in die Fabrik gehe, um dem von den Eltern festgelegten Lebensplan zu entfliehen? Lieber sollten die Globalisierungsgegner sich mit den sozialen und politischen Rahmenbedingungen beschäftigen (Bildung, freie Wahl des Arbeitsplatzes, sichere und gesunde Arbeitsplätze, etc.) und sich dafür einsetzen, dass der Standard des Unten so menschenfreundlich wie möglich definiert wird.
Globaler Kapitalismus und Arbeiterrechtsbewegung, so Rivolis Fazit, seien keine Feinde, sondern Kollaborateure, wenn auch unbeabsichtigt und ohne es zu wissen. Gemeinsam arbeiten sie daran, die conditio humana zu verbessern.
Ein spannendes, lehrreiches und streitbares Buch, das jeder gelesen haben sollte, der nicht nur die Phrasen der Globalisierungs-Befürworter und Gegner nachplappern, sondern sich ein eigenes Bild von den komplizierten weltwirtschaftlichen Zusammenhängen machen möchte. --Axel Henrici -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe .
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Teil 1 zeigt im Stil von Reportagen, wie strategische Wettbewerbsvorteile entstehen und dazu beitragen, auch in Hochlohnländern wie den USA erfolgreich Agrarprodukte anzubauen. Nebenbei lernt man, welchen „Nutzen" die Sklaverei für die Farmer der Südstaaten hatte und warum die Befreiung der Sklaven nach dem Bürgerkrieg den Betroffenen doch kaum was brachte. Weil man an liebgewonnenen Traditionen zu lange festhielt, verlagerte der Baumwollanbau sich nach Texas, obwohl dort nur minderwertigere Baumwolle angebaut werden kann als entlang eines schmalen Streifens der Atlantikküste.
Teil 2 wirft einen interessierten und vorurteilslosen Blick auf die nach westlichen Vorstellungen unmenschlichen Arbeitsbedingungen der chinesischen Arbeiterinnen in den dortigen Strickereien und Nähfabriken. Für vom Land wegziehende junge Chinesinnen ist die unmenschliche Fabrikarbeit ein Akt der Emanzipation. Die Autorin belegt mit Beispielen aus der Industrialisierung Europas und Amerikas, dass sich in China nur das wiederholt, was vor einigen Jahrhunderten den wirtschaftlichen Aufstieg des Westens einleitete. Demnach sollte die Entstehung höherwertiger und -qualifizierter Jobs in China auch eine mittelfristige Option sein - bleibt nur die Frage, wer dann unsere billigen Textilien herstellen soll.
Teil 3 geht auf den Lobbyismus der amerikanischen Textilindustrie ein. Hier hat das Buch für Ausländer einige Längen, zumal die Anzahl der erwähnten Lobbygruppen bald unüberschaubar komplex wird. Interessant ist die Erläuterung der unbeabsichtigten Effekte, die durch Quotenregelungen für Textilimporte und den Handel mit Lieferzertifikaten erzielt werden.
Teil 4 zeigt dann, was mit den abgetragenen T-Shirts der Wohlstandsgesellschaftsbürger passiert, wenn sie in der Altkleidersammlung landen. Es wird der Weg über Sortierstationen in den USA (ähnliche Einrichtungen gibt es auch in Europa zuhauf) bis auf die Gebraucht-T-Shirt-Märkte in Schwarzafrika beschrieben. Nicht nur die Tatsache, dass der Gebrauchtkleiderhandel das Erstarken eigener Industrien verhindert, sondern auch die Einkommensmöglichkeiten durch den Handel mit Altkleidern finden Erwähnung.
Das Buch würde sich gut für die Entwicklung von Workshops in denen man das Funktionieren der Weltwirtschaft erarbeiten kann, eignen. Der interessierte Leser erfährt nebenbei viel über Innovationsmanagement, Strategien, Geschichte und Politik. Und das alles anhand eines Alltagsproduktes, mit dem jeder schon mal in Berührung gekommen ist, weshalb man auch schnell Zugang zu den Gedanken der Autorin findet.
Pietra Rivoli gelingt es , eine objektive Betrachtung vorzulegen. Eine Empfehlung, ob man manche Entwicklungen zu Recht verdammen oder gutheißen soll, spricht sie nicht aus. Der Leser soll sich anhand der präsentierten Informationen selbst ein Urteil bilden.
Dem deutschen Übersetzer hätten profundere Kenntnisse in Textiltechnologien nicht geschadet. Manche Begriffe sind falsch übersetzt, aber das wird nur dem Fachmann auffallen und schmälert kaum das kurzweilige Lesevergnügen.
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