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Mit solchen und ähnlichen Schnurren über das Fernweh und die oftmalige Ernüchterung angesichts des Ziels vermeintlicher Träume, beweist Wladimir Kaminer erneut seinen lakonischen Scharfblick für den ganz alltäglichen Wahnsinn. Bekannt geworden durch den Erzählungsband Russendisko, durchstreift der witzige Exilrusse neuerdings für das ZDF-Morgenmagazin als stoischer Kommentator bundesdeutscher Befindlichkeiten seine Berliner Wahlheimat. Hier (im Ausländerwohnheim Marzahn) endete 1990 für's Erste auch Kaminers Traum von der großen Freiheit.
Die titelspendende Reise nach Trulala unternahm ein befreundetes Künstlerpärchen auf seiner Spurensuche nach Joseph Beuys, der, im Krieg auf der Krim abgeschossen und von dortigen Tataren gesund gepflegt, fortan in Fett und Filz machte. Des Autors Warnung vor der Krim als tatarenfreiem Touri-Neppland stieß bei den Beuys-Jüngern auf taube Ohren. Noch heute erinnert sich Kaminer an ihren aufgeregten Anruf aus dem ominösen Krimtatarendorf Trulala. Tataren, so weit das Auge blickt? In Filz gewandet? Beuys' Sohn gar entdeckt? Spätestens hier dämmerte es Kaminer, dass die Krimbewohner ihrem Ruf erneut gerecht geworden waren.
Ob wehmütige Post-Perestroiker im Reisefieber, Glücksritter auf Talfahrt, geheimnisvolle "Papstkinder", Wessi-Touristen, die in der Nähe von Stawropol Schweineställe mit Rundbogenfenstern bestaunen (siehe Onkel Boris) -- sie alle haben in Wladimir Kaminer ihren liebevollen Chronisten und Reisebegleiter gefunden. --Ravi Unger -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
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Wladimir Kaminer, der russische Schwejk und Lebenskünstler, hat wieder zugeschlagen. Egal ob Berliner Touristen nun tatsächlich auf die angesengten Stiefel des angeblich im Krieg über der Krimhalbinsel abgeschossenen Joseph Beuys stoßen oder nicht, der Leser fiebert mit Kaminers Helden in tragigkomischen Reisesituationen mit und muß schmunzeln. Wer schlechte Laune hat, sollte Kaminer lesen, er wird sich bald besser fühlen. Da man von dieser Art der leichten Muse nicht genug bekommen kann, ist die kurzweilige Lektüre des 177 seitigen Büchleins nachdrücklichst zu empfehlen.
Im Gegensatz zur "Russendisko" hinterlassen die diversen Episoden bei mir auch nicht mehr den Eindruck der Unvollständigkeit und Enttäuschung.
Für jemanden, der Russland ein bisschen näher kennt, erscheinen diese Erzählungen sogar glaubhaft. Beim Lesen dieses Buchs entsteht das gleiche Gefühl, wie bei einem (nicht nur urlaubsbedingten) Aufenthalt in Russland: unaufhörlich wird man mit den seltsamsten und skurrilsten Situationen und Begebenheiten konfrontiert, die man nicht glauben würde, wenn man sich nicht gerade selbst mittendrin befände.
Auch in diesem Buch wird man (wie in der "Russendisko") nicht mit dem schon klischeehaften Tiefgang der russischen Seele konfrontiert. Aber definitiv mit einem Stück russischen Witzes und Humors, auch wenn diese nicht unbedingt so beabsichtigt waren, sondern manchmal eher in einer (für unsere Verhältnisse) etwas kindlicheren Sichtweise ihren Ursprung finden.
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