„Soetwas kann ja nur aus Russland kommen“, denkt man, während der ersten Kapitel. Der Ich-Erzähler von „Die Reise nach Petuschki“ (der mit dem Verfasser weitgehend identisch ist) beschreibt seinen Vollrausch mit einer Begeisterung und Intensität, dass man die Galle schon fast selber schmecken kann.
Obwohl er in all den Jahren noch nicht eine einziges Mal den Kreml gesehen hat (da er im Suff immer an ihm vorbeilief), ist sich Wenedikt Jerofejew doch ziemlich sicher, in Moskau zu wohnen. Bis zu seiner Entlassung als Kabelverleger, lief sein Leben relativ ungestört. Doch da ihn nun nichts mehr in dieser Stadt hält, besteigt er in den Zug nach Petuschki, wo Wenedikts Geliebte und ihr gemeinsames Kind wohnen, um dort noch einmal von vorne anzufangen.
Mit einen Koffer voll harter Spirituosen im Handgepäck freundet sich der Erzähler schnell mit seinen skurrilen Reisegefährten an, die alle eine interessante Geschichte zu erzählen haben.
Zwischendurch verrät Wenedikt noch ein paar Geheimrezepte für obskure russische Cocktails, bei denen der Genuss eindeutig dem Rausch untergeordnet ist, und steigert sich mit jedem Schluck Wodka weiter in seine Monologe über Gott und die Welt hinein.
Trotz der starkfarbigen Beschreibungen des Rauschzustands, trotz der uneingeschränkten Verherrlichung des Komatrinkens würde man diesem Buch nicht gerecht, wenn man es als spaßige Trinkerlektüre abtun würde. Das Buch hat eindeutig politische Spitzen: Mit feiner Ironie verspottet der bauernschlaue Erzähler die schwerfällige sowjetische Bürokratie und Korruption und bleibt dabei trotzdem eine tragische Figur, für die man eigentlich nur Mitleid empfinden kann.
Trotzdem noch ein gutgemeinte Warnung: Man darf von dieser Geschichte keine Logik und Zusammenhang erwarten. Mit wechselndem Erzähler, unübersichtlichen Monologen, und Episoden, die ans Fabelhafte grenzen, dürfte „Die Reise nach Petuschki“ manchen Leser verwirren. Man muss sein Gefühl für Logik und Realität ausschalten, um es in vollem Umfang geniessen zu können.
Glücklicherweise stehen in diesem Buch ja einige Rezepte für Getränke, mit denen dieser Zustand in Sekundenschnelle erreicht werden kann.