Dieses Buch Castandedas ist der perfekte Einstieg, um sich näher mit diesem außergewöhnlichen Autor zu befassen. Wohlgemerkt, es geht hier nicht um bewusstseinserweiternde Drogen und es geht hier auch nicht um irgendeine Wohlfühlesoterik.
In all den Büchern des Autors geht es vor allem darum, hinter unsere von Kindesbeinen an erlernte Anschauung der Welt zu blicken und schließlich, durch lange Übung in der Kunst der "Makellosigkeit", die Welt als das zu erkennen, was sie wirklich ist: Ein Bündel aus leuchtenden Fasern, den "Emmanationen des Adlers".
Verwirrend? - Vielleicht, aber darauf läuft es hinaus: unsere Anschauung der Welt radikal zu verändern.
Die "Reise nach Ixtlan" erzählt von der ersten Begegnung Castanedas und dem anscheinend etwas sonderbaren Indianer Don Juan. Einer schicksalhaften Begegnung, aus der eine jahrelange Unterweisung Castanedas entsteht.
Eine Unterweisung in was, mag man sich fragen:
In die Kunst der Zauberei? Ja und nein. Wer von diesem Buch irgendein Hexen- oder Magiergelaber erwartet, sollte es nicht zur Hand nehmen. Es würde nur enttäuschen.
Vielmehr verlangt Don Juan von seinem Schüler Dinge und Verhaltensweisen, die so gar nichts magisches an sich haben:
Er soll seine persönliche Geschichte auslöschen.
Er soll Verantwortung für seine Handlungen übernehmen.
Er soll seine persönliche Wichtigkeit verlieren.
All diese Unterweisungen haben nur ein Ziel: Für einen Augenblick die Welt anzuhalten und zu sehen, was wir sind: keine Menschen, sondern leuchtende Wesen.
Obgleich es in allen Büchern Castanedas vor Wissen und praktischen Hinweisen zu dessen Umsetzung nur so wimmelt, ist dieses doch das einzige, das zum einen die Begegnung mit Don Juan von Anfang an schildert und zum anderen jeder Unterweisung ein eigenes Kapitel widmet. Es eignet sich hervorragend, um in das Universum Don Juans ganz unverbindlich reinzuschnuppern. Aber Vorsicht. Dieses Universum bindet und ist nicht ungefährlich, aber solche Bücher kommen ja bekanntlich immer zur rechten Zeit......
Ist es alles so passiert, wie Castaneda es niederschreibt? Ich neige zu der Annahme, daß es tatsächlich so war, aber warum ich das tue, bleibt ein Geheimnis.
Eines hat Castaneda mit Sicherheit nicht beabsichtigt: Dass überall Castaneda-Kulte aus dem Boden schossen, die sich jüngergleich auf die Suche nach der Offenbarung machten.
Don Juan würde sagen: Es gibt keine Offenbarung, es gibt keine Möglichkeit, nachzufolgen, es gibt nur Makellosigkeit.
Und obwohl Castaneda einen in ungeahnte Tiefen führt, gewinnt man sie doch lieb, den Lehrer Don Juan und den stets zu Späßen aufgelegten Genaro.