Ich habe diesen Film das erste mal vor sicher 15 Jahren im Fernsehen gesehen. Er ließ mich nie wieder los. Schon meinen Kindern sagte ich immer wieder: den müssen wir uns mal anschauen. Dabei bietet er keine große Action. Auch die Spannung hält sich für meine Begriffe in Grenzen. Und gewiss, vordergründig geht es um das British Empire und den unterdrückten Indern. Doch Mrs. Moore, eine sehr weltoffene, alte Dame sagt zu Beginn des Films, dass Indien eine Reise ins Innere seiner eigenen Persönlichkeit darstelle. Man wird in Indien konfrontiert mit sich selbst. So erlebt die junge Adela Quested eine schockierende Konfrontation bei den Überresten eines alten Tempels, wo freizügige, sexuelle Phantasien in Stein gemeißelt sind. Sie kann den Blick nicht abwenden, was durchaus nicht gewöhnlich ist. Sie dürfte noch nach viktorianischer Sitte erzogen sein. Dabei tauchen Affen auf, die die junge Lady vertreiben. So, als habe die Betrachtung dieser sexuellen Darstellungen etwas heiliges verletzt. Ähnlich geht es Mrs. Moore, die scheinbar mit Schuhen eine Moschee betritt. Der junge Aziz ist aufgebracht, ähnlich wie die Affen bei Mrs Quested, und muss feststellen, dass Mrs: Moore die Schuhe bereits ausgezogen hatte. So lösen sich die gegenseitigen Vorurteile auf und weichen offener Bewunderung und Güte füreinander. Für den Moment. Weiter spielt der Ganges eine große Rolle, vermutlich als Bild für den Kreislauf des Lebens. Mrs Moore sagt: "ein schrecklicher Fluss, ein herrlicher Fluss". Dort wird auch ihr Grab sein. Doch wie weit der Weg des christlich geprägten Engländers, des hinduistisch, buddhistisch und im Falle von Aziz moslemisch geprägten Menschen hin zu echter Verständigung ist, wird bis zum Schluss durchgehalten und erst dann aufgelöst. Man achte auf das Einsetzen des Regens (Wasser, Fluss), wenn im Inneren ein Stein der Verständigung ins Rollen gerät.
Dieser Film hat große Qualität. Ich rate, ihn mehrfach anzusehen. Und auf großem Bildschirm.