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4.0 von 5 Sternen
Ein Thema hinter dem Vordergründigen, 4. Juli 2007
Rezension bezieht sich auf: Reise nach Havanna: Roman in drei Reisen (Taschenbuch)
Wenn man den Klappentext liest, dann erwartet man nicht wirklich, was man bekommt - eine Auseinandersetzung mit dem schwulen Leben im sozialistisch-kommunistischem System. Das ist zunächst ein wenig irritierend - besonders bei der ersten Geschichte, deren Sinn sich so erst gegen Ende erschließt -, aber mit der Zeit findet man hinein.
Die Geschichten "Mona" und "Reise nach Havanna" gefallen mir persönlich sehr gut, da sie gleichfalls überraschende Elemten enthalten, die ihnen einen interessanten Dreh geben, ohne dabei aber unglaubwürdig zu werden - was bei "Mona" vielleicht ein wenig schwierig nachzuvollziehen sein könnte ;-) .
Keine Systemkritik im eigentlich Sinne, auch wenn die dargestellten Umstände an sich und ihre Auswirkungen auf die Menschen sicher kritisch zu bewerten sind. Nicht wirklich Reiseliteratur, es sei denn, die Reise geht nach innen.
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6 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Reise nach Havanna, 9. November 2005
Rezension bezieht sich auf: Reise nach Havanna: Roman in drei Reisen (Taschenbuch)
Gerade für Leser aus den neuen Bundesländern ist die dieser Roman mit seiner äußerst kritischen Sicht auf die Verhältnisse auf Kuba gut nachzuvollziehen. Führt er uns doch noch einmal vor Augen, wie unmenschlich totalitäre Systeme auf der ganzen Welt sind. Trotzdem ist dies nicht nur ein politischer Roman, sondern besticht vor allem durch seine sensible und spannende Erzählweise.
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5.0 von 5 Sternen
Reisen als kichernde Elegie, 18. Juni 2011
Rezension bezieht sich auf: Reise nach Havanna: Roman in drei Reisen (Taschenbuch)
Ich mag die Sprache Reinaldo Arenas und bin traurig, dass dieser großartige Poet und Erzähler nicht mehr unter uns weilt. Er wäre einer der Schriftsteller, deren Neuerscheinungen ich immer und immer wieder entgegenfiebern würde.
Bei Arenas mag ich vor allem die Erzählungen, und ähnlich wie bei
Rosa, besteht auch Reise nach Havanna aus drei Erzählungen. Gab es bei ROSA noch einen direkten Zusammenhang zwischen der ersten und der zweiten Geschichte, stehen in diesem Buch die drei Erzählungen für sich und thematisieren im Grunde genommen auf jeweils eigenständige Weise die Annäherung an Havanna und allem, was mit der Stadt und dem Leben in dieser Stadt zu tun hat.
Sprachlich sind alle drei Erzählungen großartig, mir persönlich gefallen allerdings die erste und die dritte Geschichte am besten.
Pech gehabt, Eva- erzählt von der modischen Besessenheit, der Gier nach völliger Aufmerksamkeit, die erst erlischt, wenn der letzte Ignorant aufgerüttelt wurde ... eine witzige Geschichte, die gegen Ende grimmig wird und dann, zum Abschluss, mit einem neckischen Hüftschwung ausklingt.
Mona ist eine wahnsinnige Travestie, fast eine Gruselgeschichte, aber in Plüsch und Tuntenbarock. In der Geschichte spielt der Autor mit der Annahme, dass die Person auf dem Bild von LdV Mona Lisa ein Selbstbildnis ist.
In: Reise nach Havanna schließlich kehrt ein Mann nach Jahren im Exil nach Havanna zurück, um seine Frau und seinen inzwischen erwachsenen Sohn wiederzusehen, nachdem er wegen Unzucht mit einem Jugendlichen (Agent Provokateur) sozusagen von Kuba in die USA geschleudert wurde. In dieser Geschichte gefällt mir vor allem der Spagat zwischen dem, was Arenas in seinen dunkelsten Fantasien Kuba in den 80ern andichtete und dem, wie es dann wirklich wurde. Auch sein unverstellter Blick auf die Erotik der Kubaner ist erfrischend, wahrhaftig aber kein bisschen schwülstig und überzogen.
Das Buch liest sich schön, es schmiegt sich sozusagen an, Arenas wäre der Typ Mann, den man sich an der Seite wünscht als Reisebegleiter, als unaufdringlicher, und erfahrener Erzähler, einer, der Dich zum Lächeln bringt, zum Kopfnicken, zum Zuhören.
Viel besser kann man Erzählungen nicht schreiben. Das Buch entlässt den Leser mit einem freundlichen, verstehenden Lächeln. Man muss sich nur drauf einlassen.
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