Denn die sind mindestens genauso unterhaltsam wie das Buch. Offensichtlich scheinen hier einige beleidigt zu sein, weil Altmann den heiligen aller Esoterikpilgerer verspottet hat. Ich glaube, jetzt muss ich mir den Jakobsweg doch mal zu Gemuete fuehren. Naja, und genauso schlimm: Altmann hat seine Beobachtungen aufgeschrieben. Mal nuechtern lakonisch, mal ueberschaeumend, aber nein, nie respektlos. Offensichtlich hat man es als Autor schwer, der weder fuer das Schicksal jedes Andenbauerns allein die Politiker und die Globalisierung verantwortlich macht, noch im Gegenteil von oben herab ueber die dummen und faulen Eingeborenen laestert. Ich habe dieses Buch eher zufaellig gekauft (und zum Glueck die Beschreibung des Autoren nicht vorher gelesen, wer will schon von einem Dressman lesen?) und war sehr angenehm ueberrascht. Habe viele der Orte selbst besucht, mir haeufig die gleichen Fragen gestellt und mich ueber die gleichen Dinge gewundert oder empoert. Klar besucht Altmann auch Orte, die fast jeder Tourist besucht, und klar, wer sie besucht hat, wird dann nicht viel neues Faktenwissen lernen. Aber ist das so schlimm? Das ist glaube ich der Reiz dieses Buches: Die vielen alltaeglichen Szenen, dann aber immer wieder das grueblerische und manchmal provokante. Zum Beispiel die Quacksalber, die immer wieder auf die Busse springen und den Passagieren jeden Mist andrehen, eingepackt in Versprechungen von Heilkraeften, Libido und Aloe Vera. Anfangs ist man empoert, will eingreifen und aufklaeren, doch man haelt sich zurueck. Und lernt, dass man diesen Leuten glauben will, dass diese Geschichten sich jeden Tag hundertfach abspielen und jeder Ecuadorianer solchen Schwindlern wahrscheinlich 37x auf den Leim gegangen ist. Und Altman empfindet Sympathie mit den gerissenen. Provokant, aber so falsch? Oder die Ausfuehrungen ueber die Beschallung und Belaestigung durch billige Gewaltfilme. Die Beschreibung der Lethargie. Wie gesagt: Altmann wird nie respektlos (wie z.B. ein Roger Willemsen in seiner Deutschlandreise), aber er bildet sich auch nicht ein, er muesse nun in den Poncho schluepfen (wie der uebrigens sympathisch geschilderte Tourist). Was das Buch so angenehm von anderen Reisetagebuechern unterscheidet, ist diese Mischung aus Beobachtung und Gespraech, Gedanken und Anekdoten. Fuer den, der die Laender kennt, eine schoene Lektuere um Erinnerungen aufzufrischen, fuer jemanden der erst reisen will, eine schoene Einfuehrung.