Dieses Buch, gleich nach Kriegsende 1946 veröffentlicht, war eines der ersten Zeugnisse, das aus eigenem Erleben sehr wach die Erfahrungen berichtete und reflektierte, die viele im Unterdrückungssystem der Nazis in Gefängnissen und KZs machen mussten. Wegen des Übertritts eines ihrer Brüder 1944 zu den Alliierten, wurde die Autorin, wie auch andere Familienmitglieder, in sogenannte Sippenhaft genommen und erlebte - als "Sonderhäftling" kurzfristig immer neuen Zwangsorten (KZ Ravensbrück, Buchenwald, Dachau) zugewiesen - die letzte Zeit der auslaufenden Tragödie des NS-Regimes - mit all ihren Unsicherheiten und Unwägbarkeiten - als "Reise durch den letzten Akt". Aufmerksam registriert die Autorin die Deformation des Menschlichen, aber auch Reste anständigen Verhaltens beim Bewachungspersonal, schildert die Wirkung solchen Verhaltens auf die Leidengefährten und sucht den Motiven vor allem der Unterdrücker nachzuspüren. In der Grundhaltung eines festgehaltenen Glaubens sucht sie sich selber vor Hass und Verachtung zu bewahren und das geschändete Menschenbild in seiner Verpflichtung für die Zukunft neu aufzurichten. Spannend sind vor allem die letzten Wochen geschildert, in denen die SS-Bewacher planlos und auf Befehle von oben wartend mit den Gefangenenbussen südwärts fahren und sich schließlich absetzen. In Italien und dann noch in Paris erleben die Gefangenen, obwohl im Gewahrsam amerikanischer Befreier, noch ärgerliche Verwechslungen, bis endlich der Weg in die Heimat frei wird.
Ein Buch, das man mit Gewinn liest.
Klaus Lutterbüse, Hamburg