In einer Folge von zirka 180 Bildern nimmt der Fotograf Mario Weigt seine Leserinnen und Leser mit auf eine Reise durch Vietnam: von Hai Phong und der Ha Long-Bucht im Norden, über die Hauptstadt Ha Noi, Hue, und Da Nang in Mittelvietnam sowie Ho Chi Minh Stadt bis ganz in den Süden ins Mekong Delta. Er stellt uns dabei Landschaften, Städte, Paläste, Tiere, Menschen und ihre Lebensräume vor. Wir lernen dabei ein Vietnam in wunderschönen und opulenten Farben kennen. Jedes Foto so schön, dass es Lust weckt, das Land selbst zu besuchen. Alle Aufnahmen zeugen von der Schönheit des Landes und einer großen Freundlichkeit und Leichtigkeit der Vietnamesen.
Anstrengung und Schweiß scheint es nicht zu geben in diesem Land - selbst nicht auf den Fotos, auf denen Menschen bei der Arbeit zu sehen sind - zum Beispiel beim Fischfang, Reisanbau, Kaffeesortieren, auf dem Markt oder beim Herstellen des für Vietnam so typischen Reisstrohhutes und der Reispapierblätter für die Frühlingsrollen. Auch lacht in Vietnam offensichtlich stets die Sonne. Regen oder gar Taifune scheint es nicht zu geben. Alle diese Fotos zeigen zweifelsohne reale Szenen aus Vietnam aber sicherlich eben nur einen kleinen Ausschnitt. Es sind Sonntagsbilder!
Auch der Text tut nichts, diesen Eindruck zu relativieren. Hans H. Krüger, ein renommierter Reisebuchautor übertrifft sich in den kurzen leicht lesbaren Texten mit euphorischen Adjektiven, um aus Vietnam ein Traumland zu machen: ,Meditative Verinnerlichung und bittersüße Nostalgie', ,magische Momente zwischen Nacht und Tag', ,die Leichtigkeit der Tropen, ,verwunschene Dörfer', ,stille Paradiese', malerischen Kolonialvillen unter Sandelholzbäumen und (aha!) hässliche Hotels im Plattenbaustil'. .
Dies alles ist sehr liebevoll und professionell geschrieben und fotografiert. Nur die 'Reise drch Vietnam' zeigt lediglich einen kleinen Ausschnitt aus der Realität Vietnams. Mir sind das Buch und sein Inhalt einfach zu glatt poliert - da ist nichts zu spüren von dem Widerspruch in dem sich dieses Land derzeit befindet und das jedem Reisenden begegnet. Schade, ein paar Einblicke in diese Widersprüche hätte das Buch bestimmt noch interessanter gemacht.