An Ihren Kindle oder ein anderes Gerät senden

 
 
 
Reise um die Erde in 80 Tagen
 
Größeres Bild
 

Reise um die Erde in 80 Tagen [Kindle Edition]

Jules Verne
4.2 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (192 Kundenrezensionen)

Kindle-Preis: EUR 0,00 Einschließlich kostenlose internationale drahtlose Lieferung über Amazon Whispernet

Free Kindle Reading App Jeder kann Kindle Bücher lesen  selbst ohne ein Kindle-Gerät  mit der KOSTENFREIEN Kindle App für Smartphones, Tablets und Computer.

Geben Sie Ihre E-Mail-Adresse oder Mobiltelefonnummer ein, um die kostenfreie App zu beziehen.

Whispersync for Voice

Wechseln Sie zwischen dem Lesen des Kindle eBooks und dem Hören des Audible-Hörbuchs hin und her. Nachdem Sie das Kindle-Buch gekauft haben, fügen Sie das Audible-Hörbuch für den reduzierten Preis von EUR 0,00 hinzu.

‹  Zurück zur Artikelübersicht

Produktbeschreibungen

Pressestimmen

»Diese Serie ist das ideale Geschenk: Auch Mama und Papa ertappen sich plötzlich beim Wiederentdecken...« (Oberösterreichische Nachrichten)

Kurzbeschreibung

Bei diesem Werk handelt es sich um eine urheberrechtsfreie Ausgabe. Der Kauf dieser Kindle-Edition beinhaltet die kostenlose, drahtlose Lieferung auf Ihren Kindle oder Ihre Kindle-Apps.

Klappentext

»Diese Serie ist das ideale Geschenk: Auch Mama und Papa ertappen sich plötzlich beim Wiederentdecken...«
Oberösterreichische Nachrichten

Über den Autor und weitere Mitwirkende

Jules Verne wurde am 8. Februar 1828 in Nantes, Frankreich, geboren. Er gilt als der Erfinder des Science-Fiction-Romans. Verne starb am 24. März 1905 in Amiens.

Über den Autor

Jules Verne wurde 1828 in Nantes geboren. „Von jetzt an werde ich nur noch im Traum reisen“, soll er im Alter von elf Jahren versprochen haben, als sein Vater ihn von einem Schiff holte, mit dem er heimlich nach Indien fahren wollte. 1848 begann er sein Jurastudium in Paris, obwohl er sich mehr fürs Theater interessierte. Er schrieb wenig erfolgreiche Theaterstücke und Erzählungen, war als Sekretär des Théâtre-Lyrique und der Komischen Oper tätig und spekulierte mit dem väterlichen Vermögen an der Börse. Sein erster Erfolgsroman Fünf Wochen im Ballon erschien 1863. Während frühe Romane wie Reise nach dem Mittelpunkt der Erde (1864) und Von der Erde zum Mond (1865) vom Glauben an den Fortschritt der Technik und ihren Nutzen handeln, wirkt das Verhältnis zur Technik in 20.000 Meilen unter den Meeren eher zwiespältig. Thema wurde hier der Missbrauch der Macht. Seine großen Romane waren von Anfang an Bestseller. Den Höhepunkt seines Erfolgs bildete Die abenteuerliche ! Reise um die Welt in 80 Tagen (1872). Der Begründer der modernen Science-Fiction-Literatur starb 1905 in Amiens.

Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

1. Phileas Fogg und Passepartout lernen sich kennen
Im Jahre 1872 wurde das Haus Nr. 7 in der Saville Row von Phileas Fogg bewohnt, einem der sonderbarsten und bekanntesten Mitglieder des Londoner Reformklubs. Er war ein Mensch, der es als seine besondere Aufgabe zu betrachten schien,
nichts zu unternehmen, was die Aufmerksamkeit seiner Mitmenschen wachrufen konnte; er war eine rätselhafte Persönlichkeit, von der niemand mehr wusste, als dass er ein sehr ritterlicher Mann sei und zu den schönsten Kavalieren der vornehmen Gesellschaft von England gehörte.
Wenn Phileas Fogg auch vom Scheitel bis zur Sohle Engländer war, so konnte er doch nicht als echter Londoner bezeichnet werden. Weder an der Börse noch bei der Bank oder in einem der Kontore war er je gesehen worden. Weder die Londoner Häfen noch die Londoner Docks hatten je ein Schiff beherbergt, das von einem Reeder Phileas Fogg ausgerüstet worden war. In keinem Verwaltungsrat war dieser Herr vertreten. Sein Name war nie in einem Rechtsanwaltskollegium gehört worden, weder im Londoner Temple noch in Lincolns Inn oder in Grays Inn. Niemals führte er einen Prozess, auch an der Königlichen Bank hatte er nie zu tun gehabt. Er war weder ein Industrieller noch ein Geschäfts-oder Kaufmann, viel weniger ein Landwirt. Er gehörte weder dem Königlichen Institut von Großbritannien noch dem Institut von London, weder dem Künstlerverband noch dem Russell-Verband, weder der Literarischen Vereinigung des Westens noch dem Juristischen Reichsverband oder jener weit reichenden Körperschaft an, die alle Künste und schönen Wissenschaften unter ihren Schutz genommen hatte und sich des Patronats Ihrer huldreichen Majestät der Königin erfreuen konnte. Er gehörte auch keiner einzigen der zahllosen Gesellschaften an, deren Gründung hauptsächlich zu dem Zweck erfolgt war, alle schädlichen Insekten in der Hauptstadt Großbritanniens zu vertilgen.
Phileas Fogg war lediglich Mitglied des Reformklubs.
Sollte sich jemand darüber wundern, dass eine so geheimnisvolle Persönlichkeit wie Herr Phileas Fogg in dieser ehrsamen Körperschaft Aufnahme gefunden hat, so ließe sich demjenigen ohne weiteres die aufklärende Antwort geben, dass Herr Phileas Fogg durch die Herren Baring eingeführt worden war, bei deren Bank er ein Konto hatte; denn ein Herr, von dem bei den Gebrüdern Baring jeder Scheck nach Vorlage ausgezahlt wurde, musste wohl oder übel etwas wert sein.
War Phileas Fogg ein reicher Mann? Ganz unbestreitbar! Aber auf welche Weise er zu seinem Reichtum gelangt war, konnten sogar die am besten unterrichteten Leute nicht sagen; und Herr Fogg war der Letzte, dem es genehm gewesen wäre, darüber Auskunft zu geben. So viel stand fest, dass er kein Verschwender, aber auch kein Geizhals war. Denn wenn es galt, eine edle, nützliche oder anständige Sache zu unterstützen, gehörte er zu denen, die sich nicht lange nötigen ließen, und trug stillschweigend sein reichliches Scherflein bei.
Alles in allem genommen, ließ sich kaum ein zweiter Gentleman finden, der so wenig von sich reden machte und über sich redete wie Phileas Fogg. Trotz alledem lag über seinem Leben kein Schleier, sondern sein ganzes Tun und Lassen war so abgezirkelt, dass die schlimmste Fantasie sich vergeblich damit befasste.
Hatte er Reisen gemacht? Höchst wahrscheinlich; denn niemand besaß eine bessere Kenntnis von der Erdkarte als er. Es gab keinen Winkel, und war er noch so abgelegen, den er nicht genau zu kennen schien. Hin und wieder einmal, aber nur mit wenigen Worten, sprach er über die verschiedenen Meinungen, die im Klub über verschollene oder verirrte Reisende zirkulierten. Er sprach sich über die vorhandenen Wahrscheinlichkeiten nüchtern aus und seine Worte hatten sich häufig als Inspirationen erwiesen; denn die folgenden Ereignisse hatten sie gerechtfertigt und bestätigt. Phileas Fogg war ein Mann, der die ganze Welt bereist haben musste – wenigstens im Geiste.
Was nichtsdestoweniger für gewiss galt, war die Tatsache, dass Phileas Fogg seit Jahren nicht aus London hinausgekommen war. Wer die Ehre hatte, ihn näher zu kennen, der konnte bezeugen, dass ihn niemand irgendwo anders gesehen hatte als auf jenem geraden Wege, den er alle Tage ging, um sich von seiner Wohnung zum Klubhaus zu begeben. Sein einziger Zeitvertreib war Zeitunglesen und eine Partie Whist. Bei diesem schweigsamen Spiel, das für seine Natur so vorzüglich passte, gewann er häufig; aber was er gewann, das floss niemals in seine Tasche, sondern spielte in seinem Wohltätigkeitsbudget eine bedeutende Rolle. Übrigens muss hier noch bemerkt werden, dass Herr Fogg offenbar bloß spielte, um zu spielen, und nicht des Gewinnens halber. Für ihn war das Spiel ein Kampf, ein Ringen mit einer Schwierigkeit, aber ein Ringen ohne Bewegung, ohne Ortsveränderung, ohne Anstrengung, wie es seinem Charakter geradezu entsprach.
Von einer Frau oder von Kindern Phileas Foggs wusste niemand etwas, aber auch von Verwandten oder Freunden war nichts bekannt und so etwas kommt doch seltener vor. Phileas Fogg lebte mutterseelenallein in seinem Haus in der Saville Row – und keiner hatte dort Zutritt. Von seinem Hauswesen war nie die Rede. Ein einziger Lakai verrichtete den Dienst bei ihm. Im Klub nahm er sein Frühstück und sein Mittagessen ein, immer zur festgesetzten Zeit und immer in demselben Saal und an demselben Tisch. Er belästigte keines der zahlreichen Mitglieder, lud keinen Fremden ein und verfügte sich Tag für Tag genau auf die Minute nach seiner Villa, ohne auch nur einmal eins der komfortablen Zimmer für sich in Anspruch zu nehmen, die der Reformklub für seine Mitglieder eingerichtet hatte.
Zum Frühstück und Mittagessen versorgten die Küche, der Gemüsegarten, der Fischbehälter und die Molkerei des Klubs seinen Tisch mit ihren trefflichen Vorräten. Zu seiner Bedienung standen die Lakaien des Klubs zur Verfügung, die im schwarzen Frack und in Tuchschuhen mit Filzsohlen lautlos über das Parkett glitten; in einem besonderen Geschirr aus feinstem Porzellan und auf wunderbaren Decken aus Herrnhuter Leinwand wurde ihm serviert; aus den geschliffenen Kristallgläsern des Klubs trank er seinen Sherry oder Portwein, mit Zimt und anderen Gewürzen gemischt.
Wer unter solchen Bedingungen sein Leben führt, wird ohne Zweifel zum exzentrischen Sonderling; man muss dabei aber gelten lassen, dass auch exzentrische Art ihr Gutes hat.
Das Haus in der Saville Row zeichnete sich, ohne verschwenderisch ausgestattet zu sein, durch einen reichen Komfort in vorteilhaftester Weise aus. Da Herr Fogg in seinen Lebensgewohnheiten nicht die geringste Änderung litt, verlangte er auch von seinem einzigen Diener eine ganz außergewöhnliche Pünktlichkeit und Regelmäßigkeit. Gerade an dem Tag, an dem unsere Erzählung beginnt, am 2. Oktober, hatte Phileas Fogg seinem Diener James Foster den Abschied gegeben, weil sich dieser dadurch vergangen hatte, dass er das Rasierwasser für seinen Herrn statt auf sechsundachtzig Grad Fahrenheit nur auf vierundachtzig Grad erwärmt hatte; und nun wartete Phileas Fogg auf James Fosters Nachfolger, der sich zwischen elf und halb zwölf Uhr vorstellen sollte.
Phileas Fogg saß steif in seinem Lehnstuhl, die Beine dicht aneinander gepresst wie ein Soldat bei der Parade; die Hände ruhten auf den Knien; den Körper und den Kopf hielt er gerade ausgerichtet, und die Augen hingen an den Zeigern der äußerst komplizierten Standuhr, die die Stunden, die Minuten, die Sekunden, die Tage, die Vierteljahre und das Jahr anzeigte. Wenn es halb zwölf Uhr schlug, würde Herr Fogg, seiner täglichen Gewohnheit gemäß, den Fuß aus dem Haus setzen und sich in den Reformklub begeben.
In diesem Augenblick wurde an die Tür des kleinen Salons geklopft, in dem sich Phileas Fogg aufhielt.
James Foster, der verabschiedete Diener, zeigte sich auf der Schwelle. »Der neue Lakai«, meldete er.
Ein Mann in den Dreißigern wurde sichtbar und verbeugte sich...

Auszug aus In 80 Tagen um die Welt von Jules Verne, Dieter Wiesmüller. Copyright © 2007. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

1. Phileas Fogg und Passepartout lernen sich kennen
Im Jahre 1872 wurde das Haus Nr. 7 in der Saville Row von Phileas Fogg bewohnt, einem der sonderbarsten und bekanntesten Mitglieder des Londoner Reformklubs. Er war ein Mensch, der es als seine besondere Aufgabe zu betrachten schien,
nichts zu unternehmen, was die Aufmerksamkeit seiner Mitmenschen wachrufen konnte; er war eine rätselhafte Persönlichkeit, von der niemand mehr wusste, als dass er ein sehr ritterlicher Mann sei und zu den schönsten Kavalieren der vornehmen Gesellschaft von England gehörte.
Wenn Phileas Fogg auch vom Scheitel bis zur Sohle Engländer war, so konnte er doch nicht als echter Londoner bezeichnet werden. Weder an der Börse noch bei der Bank oder in einem der Kontore war er je gesehen worden. Weder die Londoner Häfen noch die Londoner Docks hatten je ein Schiff beherbergt, das von einem Reeder Phileas Fogg ausgerüstet worden war. In keinem Verwaltungsrat war dieser Herr vertreten. Sein Name war nie in einem Rechtsanwaltskollegium gehört worden, weder im Londoner Temple noch in Lincolns Inn oder in Grays Inn. Niemals führte er einen Prozess, auch an der Königlichen Bank hatte er nie zu tun gehabt. Er war weder ein Industrieller noch ein Geschäfts-oder Kaufmann, viel weniger ein Landwirt. Er gehörte weder dem Königlichen Institut von Großbritannien noch dem Institut von London, weder dem Künstlerverband noch dem Russell-Verband, weder der Literarischen Vereinigung des Westens noch dem Juristischen Reichsverband oder jener weit reichenden Körperschaft an, die alle Künste und schönen Wissenschaften unter ihren Schutz genommen hatte und sich des Patronats Ihrer huldreichen Majestät der Königin erfreuen konnte. Er gehörte auch keiner einzigen der zahllosen Gesellschaften an, deren Gründung hauptsächlich zu dem Zweck erfolgt war, alle schädlichen Insekten in der Hauptstadt Großbritanniens zu vertilgen.
Phileas Fogg war lediglich Mitglied des Reformklubs.
Sollte sich jemand darüber wundern, dass eine so geheimnisvolle Persönlichkeit wie Herr Phileas Fogg in dieser ehrsamen Körperschaft Aufnahme gefunden hat, so ließe sich demjenigen ohne weiteres die aufklärende Antwort geben, dass Herr Phileas Fogg durch die Herren Baring eingeführt worden war, bei deren Bank er ein Konto hatte; denn ein Herr, von dem bei den Gebrüdern Baring jeder Scheck nach Vorlage ausgezahlt wurde, musste wohl oder übel etwas wert sein.
War Phileas Fogg ein reicher Mann? Ganz unbestreitbar! Aber auf welche Weise er zu seinem Reichtum gelangt war, konnten sogar die am besten unterrichteten Leute nicht sagen; und Herr Fogg war der Letzte, dem es genehm gewesen wäre, darüber Auskunft zu geben. So viel stand fest, dass er kein Verschwender, aber auch kein Geizhals war. Denn wenn es galt, eine edle, nützliche oder anständige Sache zu unterstützen, gehörte er zu denen, die sich nicht lange nötigen ließen, und trug stillschweigend sein reichliches Scherflein bei.
Alles in allem genommen, ließ sich kaum ein zweiter Gentleman finden, der so wenig von sich reden machte und über sich redete wie Phileas Fogg. Trotz alledem lag über seinem Leben kein Schleier, sondern sein ganzes Tun und Lassen war so abgezirkelt, dass die schlimmste Fantasie sich vergeblich damit befasste.
Hatte er Reisen gemacht? Höchst wahrscheinlich; denn niemand besaß eine bessere Kenntnis von der Erdkarte als er. Es gab keinen Winkel, und war er noch so abgelegen, den er nicht genau zu kennen schien. Hin und wieder einmal, aber nur mit wenigen Worten, sprach er über die verschiedenen Meinungen, die im Klub über verschollene oder verirrte Reisende zirkulierten. Er sprach sich über die vorhandenen Wahrscheinlichkeiten nüchtern aus und seine Worte hatten sich häufig als Inspirationen erwiesen; denn die folgenden Ereignisse hatten sie gerechtfertigt und bestätigt. Phileas Fogg war ein Mann, der die ganze Welt bereist haben musste - wenigstens im Geiste.
Was nichtsdestoweniger für gewiss galt, war die Tatsache, dass Phileas Fogg seit Jahren nicht aus London hinausgekommen war. Wer die Ehre hatte, ihn näher zu kennen, der konnte bezeugen, dass ihn niemand irgendwo anders gesehen hatte als auf jenem geraden Wege, den er alle Tage ging, um sich von seiner Wohnung zum Klubhaus zu begeben. Sein einziger Zeitvertreib war Zeitunglesen und eine Partie Whist. Bei diesem schweigsamen Spiel, das für seine Natur so vorzüglich passte, gewann er häufig; aber was er gewann, das floss niemals in seine Tasche, sondern spielte in seinem Wohltätigkeitsbudget eine bedeutende Rolle. Übrigens muss hier noch bemerkt werden, dass Herr Fogg offenbar bloß spielte, um zu spielen, und nicht des Gewinnens halber. Für ihn war das Spiel ein Kampf, ein Ringen mit einer Schwierigkeit, aber ein Ringen ohne Bewegung, ohne Ortsveränderung, ohne Anstrengung, wie es seinem Charakter geradezu entsprach.
Von einer Frau oder von Kindern Phileas Foggs wusste niemand etwas, aber auch von Verwandten oder Freunden war nichts bekannt und so etwas kommt doch seltener vor. Phileas Fogg lebte mutterseelenallein in seinem Haus in der Saville Row - und keiner hatte dort Zutritt. Von seinem Hauswesen war nie die Rede. Ein einziger Lakai verrichtete den Dienst bei ihm. Im Klub nahm er sein Frühstück und sein Mittagessen ein, immer zur festgesetzten Zeit und immer in demselben Saal und an demselben Tisch. Er belästigte keines der zahlreichen Mitglieder, lud keinen Fremden ein und verfügte sich Tag für Tag genau auf die Minute nach seiner Villa, ohne auch nur einmal eins der komfortablen Zimmer für sich in Anspruch zu nehmen, die der Reformklub für seine Mitglieder eingerichtet hatte.
Zum Frühstück und Mittagessen versorgten die Küche, der Gemüsegarten, der Fischbehälter und die Molkerei des Klubs seinen Tisch mit ihren trefflichen Vorräten. Zu seiner Bedienung standen die Lakaien des Klubs zur Verfügung, die im schwarzen Frack und in Tuchschuhen mit Filzsohlen lautlos über das Parkett glitten; in einem besonderen Geschirr aus feinstem Porzellan und auf wunderbaren Decken aus Herrnhuter Leinwand wurde ihm serviert; aus den geschliffenen Kristallgläsern des Klubs trank er seinen Sherry oder Portwein, mit Zimt und anderen Gewürzen gemischt.
Wer unter solchen Bedingungen sein Leben führt, wird ohne Zweifel zum exzentrischen Sonderling; man muss dabei aber gelten lassen, dass auch exzentrische Art ihr Gutes hat.
Das Haus in der Saville Row zeichnete sich, ohne verschwenderisch ausgestattet zu sein, durch einen reichen Komfort in vorteilhaftester Weise aus. Da Herr Fogg in seinen Lebensgewohnheiten nicht die geringste Änderung litt, verlangte er auch von seinem einzigen Diener eine ganz außergewöhnliche Pünktlichkeit und Regelmäßigkeit. Gerade an dem Tag, an dem unsere Erzählung beginnt, am 2. Oktober, hatte Phileas Fogg seinem Diener James Foster den Abschied gegeben, weil sich dieser dadurch vergangen hatte, dass er das Rasierwasser für seinen Herrn statt auf sechsundachtzig Grad Fahrenheit nur auf vierundachtzig Grad erwärmt hatte; und nun wartete Phileas Fogg auf James Fosters Nachfolger, der sich zwischen elf und halb zwölf Uhr vorstellen sollte.
Phileas Fogg saß steif in seinem Lehnstuhl, die Beine dicht aneinander gepresst wie ein Soldat bei der Parade; die Hände ruhten auf den Knien; den Körper und den Kopf hielt er gerade ausgerichtet, und die Augen hingen an den Zeigern der äußerst komplizierten Standuhr, die die Stunden, die Minuten, die Sekunden, die Tage, die Vierteljahre und das Jahr anzeigte. Wenn es halb zwölf Uhr schlug, würde Herr Fogg, seiner täglichen Gewohnheit gemäß, den Fuß aus dem Haus setzen und sich in den Reformklub begeben.
In diesem Augenblick wurde an die Tür des kleinen Salons geklopft, in dem sich Phileas Fogg aufhielt.
James Foster, der verabschiedete Diener, zeigte sich auf der Schwelle. »Der neue Lakai«, meldete er.
Ein Mann in den Dreißigern wurde sichtbar und verbeugte sich tief.
»Sie sind Franzose und heißen John?«, fragte ihn Phileas Fogg.
»Jean, wenn gnädiger Herr nichts dagegen haben«, antwortete der soeben Eingetretene, »Jean Passepartout, ein Name, der an mir hängen geblieben ist und den meine natürliche Befähigung, mich aus jeder Verlegenheit zu ziehen, gerechtfertigt haben mochte. Ich glaube, ein ordentlicher Lakai zu sein, gnädiger Herr; ein mir innewohnender Drang zur Freiheit und Selbstständigkeit hatte mich aber mancherlei Handwerk in die Arme getrieben. Ich bin fahrender Sänger gewesen, Stallknecht im Zirkus, habe voltigiert und auf dem Seil getanzt. Dann bin ich, um meine Talente besser zu verwerten, Turnlehrer geworden und zu guter Letzt Pariser Feuerwehrmann. In meinem Zeugnis stehen sogar sehr große Brände verzeichnet. Aber ich habe Frankreich seit fünf Jahren schon den Rücken gekehrt, und da ich mich nach Häuslichkeit und Familienleben sehnte, bin ich in England Zimmerbursche geworden. Da ich nun gerade ohne Stellung bin und in Erfahrung gebracht habe, dass Herr Phileas Fogg der pünktlichste und sesshafteste Mann des Britischen Reiches sei, habe ich mir erlaubt, mich dem gnädigen Herrn vorzustellen, von der Hoffnung geleitet, hier ein Leben in Ruhe und Frieden führen und meine Vergangenheit vergessen zu können bis auf meinen Namen Passepartout ...«
»Passepartout ist mir genehm«, erwiderte Phileas Fogg; »Sie sind mir empfohlen worden. Ich habe gute Auskunft über Sie bekommen. Kennen Sie die Bedingungen, die ich stelle?«
»Jawohl, gnädiger Herr!«
»Gut. Welche Zeit haben wir jetzt?«
»Halb zwölf«, versetzte Passepartout, indem er aus seinem Brustlatz eine silberne Uhr von mächtigem Umfang herauszog.
»Ihre Uhr geht nach«, sagte Herr Fogg.
»Gnädiger Herr wollen verzeihen, aber das ist unmöglich!«
»Ihre Uhr geht vier Minuten nach! Indessen lassen wir das jetzt; es genügt, die Abweichung festzustellen. Demnach stehen Sie von diesem Augenblick an, seit heute, Mittwoch, den 2. Oktober des Jahres 1872, in meinen Diensten.«
Phileas Fogg erhob sich, als er den Satz beendet hatte, griff mit der linken Hand nach seinem Hut, setzte ihn mit einer eckigen Gebärde auf den Kopf und verschwand ohne jedes weitere Wort. Passepartout blieb allein zurück.

2. Ein idealer Herr
Passepartout hatte in den wenigen Minuten, die er eben mit Phileas Fogg gesprochen, seinen zukünftigen Herrn und Gebieter sehr sorgfältig mustern können. Es war ein Mann, der vierzig Jahre alt sein mochte, groß, mit blondem Haar und Backenbart; Stirn und Schläfen zeigten noch keine Spur einer Runzel; sein Gesicht war eher blass als gerötet. Er gehörte zu jenen Leuten von mathematischer Genauigkeit, die mit jedem Schritt und jeder Bewegung rechnen, immer bereit und bei der Hand, ohne je eilig zu erscheinen. Niemals vergeudete er einen Blick zur Decke. Nie erlaubte er sich eine überflüssige Gebärde. Nie hatte man ihn erregt oder verwirrt gesehen. Er war ein Mensch, dem man absolut keine Eile ansah, der aber immer zur richtigen Zeit zur Stelle war. Nichtsdestoweniger wird man begreifen, dass er für sich allein lebte und sozusagen außerhalb aller gesellschaftlichen Beziehungen stand. Er wusste, dass man im Leben mit Reibungen rechnen muss, und da jede Reibung hemmend wirkt, rieb er sich an niemand.
Was nun Jean Passepartout betrifft, so war er ein Pariser von echtem Schrot und Korn, der seit fünf Jahren in England lebte, aber noch immer vergeblich nach einem Herrn gesucht hatte, dem er mit wirklicher Anhänglichkeit dienen konnte.
Passepartout war keiner von jenen Dienern, die die Schultern hoch und die Nase noch höher tragen, die allen Menschen keck und kalt in die Augen sehen und im Grunde kaum etwas anderes als unverschämte Patrone sind. Nein, Passepartout war ein braver Bursche; er hatte ein angenehmes, leutseliges Wesen. Sein freundliches Gesicht mit den blauen Augen und dem frischen Teint neigte ein wenig zur Fülle, sodass es ihm kaum schwer werden konnte, den Blick auf die eigenen Wangen zu heften. Er war ziemlich groß, hatte braunes Haar, einen sehr kräftigen Körperbau und besaß eine herkulische Kraft, die er durch Turnübungen erworben hatte.
Darüber ein Urteil zu fällen, ob der ungezwungene Charakter diese Junggesellen mit dem des Herrn Phileas Fogg in Einklang zu bringen sei, dürfte dem Klügsten nicht möglich sein. Ob sich Passepartout als jener absolut pünktliche Lakai erweisen würde, den sein Herr verlangte, ließ sich nur in der Praxis feststellen. Nach einer, wie der Leser schon weiß, ziemlich abwechslungsreich verlebten Jugend sehnte er sich nach Ruhe. Da er den englischen Ordnungssinn und die sprichwörtliche Kaltblütigkeit der englischen Herren viel rühmen gehört hatte, war er darauf gekommen, in England sein Glück zu suchen. Aber bis auf den heutigen Tag war es ihm abhold gewesen. Er hatte nirgendwo Wurzel fassen können. In zehn Häusern hatte er gedient und in allen war man launenhaft, inkonsequent, auf der Jagd nach Abenteuern gewesen und herumgereist - alles Dinge, die Passepartout nicht behagen konnten. Sein letzter Herr war der junge Lord Longsferry, Mitglied des Parlaments, gewesen, der allzu oft von Polizisten heimgeschleppt wurde, nachdem er in den Austernstuben von Haymarket die Nacht durchgezecht hatte. Passepartout hielt vor allen Dingen auf Respekt vor seinem Herrn; deshalb nahm er sich ein paar Bemerkungen heraus, die aber sehr übel aufgenommen wurden und zum Abbruch der Beziehungen führten. Unter der Hand erfuhr er, dass Phileas Fogg einen Diener suche. Er zog Erkundigungen über diesen Herrn ein. Eine Herrschaft, deren Dasein sich mit solcher Regelmäßigkeit abwickelte, die keine Nacht außer dem Haus zubrachte, die nicht auf Reisen ging, die niemals auf Abwege geriet und sich während des ganzen Jahres keinen einzigen Tag aus London entfernte, musste Passepartout wohl oder übel recht sein. Er meldete sich dort und wurde unter den dem Leser bekannten Bedingungen angestellt.
Passepartout befand sich also, als es halb zwölf geschlagen hatte, allein in dem Haus in der Saville Row und betrachtete die Räumlichkeiten nun näher. Er durchwanderte sie vom Keller bis zum Boden. Dieses saubere Haus, in dem eine puritanische Strenge herrschte und alles für einen korrekten Dienst vortrefflich eingerichtet war, gefiel ihm außerordentlich. Passepartout fand ohne Mühe im zweiten Stock das für ihn bestimmte Zimmer. Es sagte ihm zu. Elektrische Klingeln setzten ihn mit den Gemächern des ersten Stocks und den Zimmern des Zwischenstocks in Verbindung. Auf dem Kamin stand eine Uhr, die mit der Standuhr im Schlafgemach Herrn Foggs übereinstimmte und auf die Sekunde genau die Zeit verkündete.
»So gefällt's mir!«, sagte Passepartout.
Über der Uhr in seinem Zimmer bemerkte er auch einen Zettel, auf dem der tägliche Dienst verzeichnet war, und zwar von acht Uhr morgens an, wenn Herr Phileas Fogg aufstand, bis Mitternacht, wenn sich der pünktliche Herr schlafen legte. Alles, bis auf die geringfügigste Einzelheit, war dort vermerkt: vom Tee und vom Röstbrot um acht Uhr 23 Minuten bis zum Rasierwasser um neun Uhr 37 Minuten beziehungsweise bis zur Haarfrisur 20 Minuten vor zehn Uhr und so weiter. Alles war vorgesehen und alles genau angegeben. Passepartout machte sich eine Freude daraus, dieses Programm zu studieren und sich die verschiedenen Paragrafen in sein Gedächtnis einzuprägen.
Was die Garderobe des gnädigen Herrn betrifft, so war sie ganz vortrefflich ausstaffiert und mit wirklich wunderbarem Geschmack zusammengestellt. Jedes Beinkleid, jede Weste, jeder Frack trug eine Eingangs- und Ausgangsnummer in einem Buch, das genau darüber Aufschluss gab, an welchem Tag - je nach der Jahreszeit - die einzelnen Anzüge reihum getragen werden mussten. Für die Fußbekleidung bestand das gleiche Reglement.
Ein Mobiliar von äußerster Vornehmheit wies dieses Haus in der Saville Row auf. Es bekundete auf den ersten Blick das Temperament seines Besitzers. Einen Bücherschrank und Bücher gab es nicht, da beides für Herrn Fogg ohne Nutzen gewesen wäre, weil der Reformklub zwei Bibliotheken hatte, von denen die eine schön geistige Literatur und die andere Bücher über Rechts und Staatswissenschaften enthielt. Im ganzen Haus gab es keine einzige Hieb-, Stich-oder Feuerwaffe. Alles bekundete hier die friedfertigsten Gesinnungen und ruhigsten Gewohnheiten.
Passepartout rieb sich die Hände, nachdem er die Wohnung eingehend gemustert hatte; und vergnügt sagte er abermals:
»So gefällt's mir! Das ist ganz mein Fall! Herr Fogg und ich, wir werden uns vorzüglich verstehen. Ein adretter, pünktlicher Herr, der in die Welt passt! Ein richtiges Uhrwerk! Nun denn, ich bin nicht böse darüber, meinen Dienst bei einem Uhrwerk zu tun!«

3. Ein Banknotendiebstahl löst eine Wette aus
Phileas Fogg hatte sein Haus in der Saville Row um halb zwölf Uhr verlassen. Nachdem er den rechten Fuß fünfhundertfünfundsechzig Mal vor den linken und den linken fünfhundertsechsundsechzig Mal vor den rechten Fuß gesetzt hatte, langte er im Reformklub an, einem Bauwerk von ungewöhnlich geräumigen Verhältnissen.
Dort verfügte er sich sogleich nach dem Speisesaal, dessen neun Fenster auf einen schönen Garten hinaussahen, in dem das Laub der Bäume schon die goldene Färbung des Herbstes zeigte. Sein Frühstück bestand aus einer Vorspeise, gesottenem Fisch in Readingsoße, worauf es Roastbeef mit Steinpilzen, dann Backwerk mit Stachelbeer-und Rhabarberfüllung und zuletzt Chesterkäse gab; dazu Tee von ausgezeichneter Qualität, der für die Küche des Reformklubs besonders geerntet und direkt aus dem Ursprungslande hierher verfrachtet wurde.
Um zwölf Uhr 47 Minuten stand Phileas Fogg auf und lenkte seine Schritte nach dem großen Salon, einem verschwenderisch eingerichteten Raum. Dort reichte ihm ein Diener eine noch ungelesene »Times«. Mit der Lektüre dieses Journals befasste sich Phileas Fogg bis um 3 Uhr 45 Minuten und mit der des »Standard« bis zum Dinner. Diese Mahlzeit vollzog sich unter den nämlichen Bedingungen wie das Frühstück; nur trat an die Stelle der Readingsoße die Royal British Sauce.
Zehn Minuten vor sechs Uhr erschien der Herr wieder im Salon und vertiefte sich in die Lektüre des »Morning Chronicle«.
Eine halbe Stunde später betraten verschiedene Mitglieder des Reformklubs den Salon. Es waren die Kollegen Herrn Foggs, die gleich ihm zu den passioniertesten Freunden des Whistspieles zählten: der Ingenieur Andrew Stuart, die Bankiers John Sullivan und Samuel Fallentin, der Bierbrauer Thomas Flanagan und der zum Vorstand der »Bank von England« gehörende Walther Ralph - durchweg reiche und angesehene Personen.

‹  Zurück zur Artikelübersicht