Vorweg: Ich gehöre offenbar zu den Glücklichen, die das Spiel samt .exe-Datei ergattert haben - lästiges Umtauschen, Ausprobieren oder Kopieren war daher nicht nötig, die Installation ging reibungslos vonstatten, und auch sonst machte das Spiel technisch weitgehend keine Probleme: Es gab einen Absturz zu verzeichnen, und an zwei Stellen kam ich allerdings nur mit einem fremden Savegame weiter - und das, obwohl ich in beiden Fällen alles richtig gemacht hatte. Bugs verhinderten aber einen Spielfortschritt, sodass ich mir fremde Saves aus dem Internet laden musste, um überhaupt weiter zu kommen - für mich an sich ein absolutes No-Go, aber in diesem Fall ging's leider nicht anders. Dafür gibt's auch Punkteabzug, denn solche Fehler dürfen in einer Neuauflage nicht mehr passieren.
Insgesamt habe ich das Spiel als sehr durchwachsen empfunden, Stärken und Schwächen hielten sich in etwa die Waage. Gut gefallen hat mir die Grafik, auch wenn sie zeitweise schon etwas angestaubt gewirkt hat und nicht immer messerscharf gestochen rüberkam, sondern zeitweise schon etwas unscharf wirkte. Aber die phantasievollen Orte, durch die Ariane sich bewegen durfte, waren einfach unglaublich schön anzusehen - auch wenn viele Screens nur dazu dienten, mal eben durchzulaufen.
Apropos laufen: Die Laufwege sind unfassbar lang und obendrein ist die Wegfindung mitunter dermaßen kompliziert und hakelig gestaltet, dass man sich einen Wolf klickt. Zu allem Überfluss wird das "Gehen"-Icon in Form von marschierenden Füßen nicht immer angezeigt, sodass man leicht mal eine begehbare Stelle in einem Raum übersieht - man muss also auch mal auf gut Glück durch die Gegend klicken, damit man auch ja alles einsammeln und untersuchen kann. Dabei sollte man sich immer alles genau anschauen - manche Hotspots sind nämlich gar nicht so leicht zu finden, und manche werden auch erst aktiv, wenn man bestimmte Aktionen gesetzt hat. Manche bleiben bis zum Schluss aktiv, obwohl sie nichts mehr hergeben.
Positiv: Per Doppelklick kann man Ariane rennen lassen und so die langen Wege zumindest ein bisschen verkürzen. Besser wäre es aber gewesen, per Doppelklick auf den Ausgang sofort zum nächsten Screen zu gelangen, wie das mittlerweile Standard ist. Und auch die Kameraführung beim Laufen hätte man etwas anders gestalten können - es ist nämlich höchst irritierend, wenn man nach links laufen muss, um nach rechts zu gelangen, während die Kamera nach oben oder unten rotiert bzw. in eine gänzlich andere Richtung schwenkt.
Die Rätsel sind weitgehend in Ordnung; genervt haben eigentlich nur jene Aufgaben, in denen man von A nach B und über C wieder retour nach D musste, sprich, die mit unnötig viel Laufarbeit verbunden waren. In der Regel sind die Aufgaben logisch und nachvollziehbar, man muss allerdings sehr viel eigenes Hirnschmalz einsetzen. Denn die gute Ariane gibt praktisch keine Hinweise, was als nächstes zu tun ist oder was mit einem bestimmten Gegenstand angestellt werden kann. Sie sagt auch kein Wort, wenn man einen Apparat noch nicht benutzen kann - sie tut einfach nichts und man muss selbst drauf kommen, dass hier wohl noch ein Teil fehlt. Mit der Zeit gewöhnt man sich aber daran.
Was mich sehr irritiert hat: Es wurden offenbar einige Rätsel im Vergleich zur ursprünglichen Fassung gestrichen. Relativ zu Beginn steht man vor einem Tor, über dem ein kryptischer Spruch prangt. Als erfahrener Adventure-Spieler weiß man: Hier folgt jetzt ein fieses Rätsel, anders kriegt man das Tor nicht auf. Nicht so in diesem Spiel: ein kurzer Klick aufs Tor und schon ist der Weg frei. Mich hat das sehr irritiert, deswegen habe ich auch in einer Komplettlösung nachgesehen - und siehe da, an dieser Stelle wurde tatsächlich ein Rätsel gestrichen. Auch im weiteren Spielverlauf wurde ein Rätsel einfach eliminiert. Die Gründe hierfür sind mir nicht nachvollziehbar; ich glaube kaum, dass der Schwierigkeitsgrad dieser Rätsel dem der übrigen Aufgaben so überlegen war, dass man sie tilgen musste.
Die Geschichte selbst war durchaus unterhaltsam und spannend, auch wenn am Schluss doch einige Fragen offen blieben. So wird man im Lauf des Spiels auf eine (falsche?) Fährte gelockt, deren Bedeutung sich am Ende nicht mehr erschließt. Und man erfährt am Ende auch nicht, was aus den "Bösen" geworden ist, wie es mit der unterirdischen Welt weitergeht etc. Das Ende ist, wie so oft in diesem Genre, absolut unbefriedigend ausgefallen. Dafür sind die Charaktere größtenteils sehr gut gelungen, wenn auch phasenweise etwas stereotyp oder undurchsichtig. Ariane bekommt es mit einer Vielzahl unterschiedlicher Personen zu tun, darf mit Riesen sprechen, Dinos streicheln und riesige Pilze besteigen - für Abwechslung ist also immer gesorgt. Dabei bringen sowohl Gespräche als auch Rätsel die Geschichte weiter; die meisten Gesprächspartner stehen mehrmals zur Verfügung und haben, wenn man eine Aufgabe gelöst hat, neue Informationen parat. Die Stimmen fand ich dabei sehr angenehm, und auch die Musik bzw. die Hintergrundgeräusche haben gut gepasst.
Die Geschichte der nicht ganz so perfekten Utopie, unter deren schöner Oberfläche sich ein düsteres Geheimnis verbirgt, ist ja nun wahrlich nichts Neues mehr, wurde aber bis auf das unbefriedigende Ende sehr gut umgesetzt. Die Handlung gehört somit definitiv zu den Stärken des Spiels.
Ebenfalls gut gelungen: die Steuerung. Zwar ist die Wegfindung, wie bereits erwähnt, oft sehr umständlich ausgefallen, aber insgesamt ist die Point-and-Click-Steuerung sehr komfortabel und intuitiv ausgefallen - CD rein und losspielen ist das Motto. Das Inventar befindet sich am unteren Bildschirmrand und wird per Rechtsklick aufgerufen, einige Gegenstände im Inventar können auch miteinander kombiniert werden. Manche behält man bis zum Schluss, andere werden mit der Zeit aussortiert.
Die auf der Verpackung angegebene Spielzeit von 30 Stunden kommt tatsächlich in etwa hin, vorausgesetzt, man spielt ohne Lösungshilfe. Dadurch, dass zwei umständlichere Rätsel eliminiert wurden, reduziert sich die Spielzeit natürlich ein wenig, aber insgesamt ist das mal wieder ein richtig schön langes Adventure, das allerdings auch so seine Längen und vor allem Schwächen hatte. Für Zwischendurch durchaus empfehlenswert, aber als absolutes Muss in jeder Adventure-Sammlung würde ich es nicht ansehen.