Wenn ich mich recht entsinne, muß ich etwa 6 Jahre alt gewesen sein, als ich diesen Film zum ersten Mal gesehen habe. Die große Schwester einer Freundin war damals ein fanatischer David-Bowie-Fan (den wir Kleinen damals schon allein aus Protest gegen diese Schwester aus Prinzip doof fanden) und so mußten wir uns damals diesen Film mit ihr zusammen auf Video anschauen. Nach dem Film fanden wir David Bowie dann gar nicht mehr sooo doof, sondern ziemlich cool und mit wachsendem Alter ändert sich der Musikgeschmack eines Menschen ja auch...
"Die Reise ins Labyrinth" ist einer der besten und witzigsten Fantasy-Filme, die ich kenne. Die Special Effects sind für die damalige Zeit einfach fantastisch und überzeugen auch heute noch, wo man wahrscheinlich eher die CGI-Effektmaschine anwirft und alle Figuren wohl als computeranimierte Figuren à la Gollum aus dem "Herrn der Ringe" darstellen würde, anstatt auf Jim Hensons grandiose Puppenkiste zurückzugreifen.
Überhaupt, die Puppen. Jeder Fan der "Muppets" (und wer ist das nicht?) wird diese schrägen Vögel lieben, mein persönlicher Liebling ist der kleine Wurm ganz am Anfang des Labyrinths ("Komm mit rein, ich stell' dich meiner Alten vor!"). Es ist fast schon unbegreiflich, mit wie viel Phantasie und Liebe zum Detail hier vorgegangen wurde, selbst einfache Hände werden in diesem Film zu lebensechten Charakteren. Ebenso einfallsreich wie die verschiedenen Puppen ist auch die Ausstattung des ganzen Films. Der Palast des Trollkönigs (David Bowie) erinnert an Gemälde von Escher, die "Sümpfe des ewigen Gestanks" ("War das meiner oder war das deiner, Ambrosius?") sind eine unheimlich witzige Idee, überhaupt das ganze Labyrinth ist ein Sammelsurium phantastischer Einfälle, das es so sicherlich noch nie gegeben hat. Einzig über David Bowies Leggings kann man geteilter Meinung sein, aber -hey!- der Film ist aus den 1980er Jahren und sahen wir da nicht alle panne aus?
Neben aller Fantasy ist "Die Reise ins Labyrinth" aber auch eine coming-of-age-story, wie es auf Englisch so schön heißt, also eine Geschichte übers Erwachsenwerden. Denn obwohl Sarah (Jennifer Connely) sich in ihren Tagträumen und Spielen als Feenkönigin inszeniert, so lernt sie doch durch die Handlung des Films, daß sich ihre Kindheit langsam dem Ende nähert, was sich auch in ihrem Wesen zeigt. Einerseits entdeckt sie durch Trollkönig Jareth ihre weibliche Seite (s. die Traumsequenz auf dem Maskenball), andererseits lernt sie aber auch, daß sie allmählich Verantwortung nicht nur für ihr Leben, sondern auch für ihre Mitmenschen (in diesem Fall ihren kleinen Bruder) übernehmen muß. Dies alles kommt aber nicht moralinsauer daher, sondern witzig und schräg und auch für den erwachsenen Zuschauer wird klar, daß er sich nicht für immer von den Träumen seiner Kindheit verabschieden muß, sondern daß sie auch weiterhin für ihn da sind, sobald er sie braucht. (Ups, das klingt jetzt ein wenig arg kitschig, aber wer den Film gesehen hat, wird verstehen, was ich meine.) Jim Henson gelingt es mit diesem Film, Werte zu vermitteln, ohne wertend zu sein. Nicht jeder, der böse aussieht wie etwa Ludo (Chewbaccas kleiner Bruder?) ist auch wirklich böse und nicht jeder, der lustig aussieht wie die roten Trolle, die am liebsten mit ihren Köpfen kegeln, ist auch lustig, sondern mitunter sogar böse.
Die beiden menschlichen Hauptdarsteller Jennifer Connelly und David Bowie sind einfach grandios besetzt. Oscar-Gewinnerin Connelly (für ihre Rolle in "A beautiful mind" ausgezeichnet) läßt hier schon deutlich erkennen, welches große Talent in ihr schlummert und David Bowie ist es am Gesicht anzusehen, daß er sowohl an der Rolle des Jareth wie auch während der Dreharbeiten wohl Spaß wie der berühmte Bolle hatte.
Mitunter jedoch - und das ist auch wirklich der einzige Minuspunkt an diesem Film- wirkt er ein wenig wie ein einziges David-Bowie-Musikvideo, da dieser immerhin 5 Songs zum Soundtrack beigesteuert hat. Allerdings entschädigen auch in diesen Szenen wieder die tollen Puppencharaktere, die man schon bald nicht mehr als Puppen, sondern als vollwertige Darsteller wahrnimmt.
"Die Reise ins Labyrinth" ist das, was gerne als "Spaß für die ganze Familie" angekündigt wird und während man bei so mancher dieser Familien-Spaß-Filme der letzten Jahre eher mittelmäßiges bis schlechtes voller Klamauk und Zoten erleben durfte, so ist dieser Film einer der wenigen, die dieses Prädikat zu recht tragen. Für kleinere Kinder unter 6 Jahren könnte "Die Reise ins Labyrinth" allerdings mitunter zu gruselig sein.
Das Bonusmaterial der DVD ist ganz interessant, sicherlich auch für Muppet-Fans. Es ist bemerkenswert, mit wie viel Kleinarbeit und Detailverliebtheit ein solcher Film zustande kommt.
Umso mehr wird einem dadurch die große Lücke bewußt, die durch den tragischen und viel zu frühen Tod Jim Hensons entstanden ist...