Annette Holzapfel gelingt das Kunststück, auf weniger als 300 Seiten die Kultur und aktuelle Lebenswirklichkeit des Landes kompakt und eindringlich zu beschreiben und dabei eine Perspektive einzunehmen, die es dem Perureisenden ermöglicht, sich aus deutscher Sicht den Werten, Regeln und Umgangsformen der peruanischen Gesellschaft anzunähern und sich auf die fremde Denk- und Lebensweise vorzubereiten. Dass die Autorin 16 Jahre Peru-Erfahrung in das Buch einfließen ließ, merkt man dem Text durchaus an. Aufgrund des umfassenden Spektrums der Inhalte fallen einige Abschnitte des Buches jedoch etwas knapp aus.
Gerade das Thema Kommunikationsformen und das ans Ende des Buches gestellte Kapitel zum Verhältnis der Peruaner zu Ausländern und zu geschäftlichen Umgangsformen geben interessante Einsichten, und ich hätte sie mir wegen ihrer Bedeutung für einen deutschen Perureisenden noch etwas ausführlicher gewünscht. Als nützlich erweist sich das Glossar peruanischer Begriffe, denn die kommen so in den meisten spanischen Wörterbüchern nicht vor. Und sehr praktisch für alle, die sich auch literarisch und cineastisch mit der peruanischen Kultur befassen wollen, sind die Sachbuch-, Belletristik- und Filmtipps im Anhang.
Der Inhalt:
Auf eine knapp gehaltene Übersicht über Perus Geschichte folgt eine Einführung in den kulturellen Rahmen des Landes, in dem über die vielen Ethnien Perus, über die Bedeutung der Religion und Magie und über einige auffallende peruanische Eigenschaften aufklärt wird. Die Beschreibung der peruanischen Gesellschaft enthält einen Abriss der politischen Gliederung, der sozialen Schichten, des Bildungssystems und der Medien. Der Wirtschaft Perus ist ein eigenes Kapitel gewidmet. In "Geschlechter und Familie" wird auf die soziale Rolle und das Selbstverständnis von Mann und Frau in der peruanischen Gesellschaft eingegangen. In einem eigenen Kapitel sind typische und wichtige Alltagsthemen wie Kulinarisches, Feste, Behörden aber auch Korruption und Kriminalität zusammengefasst. Das abschließende Teil des Buchs, in dem die Autorin auf das Verhältnis der Peruaner zu Ausländern und das allgemein vorherrschende Deutschlandbild eingeht, erschien mir besonders interessant. Dabei werden auch einige geschäftliche Umgangsformen und Praktiken sowie die Erwartungshaltung und das Verhalten von Peruanern gegenüber deutschen Geschäftspartnern, Kollegen und Vorgesetzten thematisiert.
Fazit:
Ein lesenswertes Buch zur vertiefenden Vorbereitung auf die peruanische Kultur vor einer Urlaubsreise oder einem längeren Aufenthalt im Land, und auch das Nachschlagen und Wieder-Lesen zu einem bestimmten Thema während und nach der Reise macht wegen der anschaulichen Beschreibungen Spaß.