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Produktinformation
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Hinter dem Icherzähler Bardamu, einem Veteran des Ersten Weltkrieges, der sich als Fabrikarbeiter, Gigolo und Armenarzt durchschlägt, schimmert das Leben des Autors hindurch. Noch mehr jedoch steht er für das Schicksal ganzer Generationen, die sich zwischen den Kriegen grenzenloser Armut ausgesetzt sehen, denen die menschenverachtende Selbstsucht der Reichen nicht einmal das Brot zum Überleben gönnt. Dabei ist Bardamu alles andere als ein strahlender Held -- auch er kümmert sich in erster Linie um seinen Vorteil. Aber er ist sich dessen bewusst und platzt fast vor Verzweiflung darüber, doch nur selten hat er die Kraft und den Mut, diese Verzweiflung in die Welt hinauszuschreien.
Ganz anders der Autor Céline: Er verfügt nicht nur über die Kraft und den Mut, sondern auch über die sprachlichen Mittel. Zornig stößt er seine Leser in den Schmutz der Pariser Vorstädte, konfrontiert sie mit der völligen Ausweglosigkeit ihrer Bewohner, deren Leben einem Eingesperrtsein gleicht. Besonders wirksam wird diese gewaltige Tirade durch die stilistische Bandbreite des Romans -- Célines Sprache kann klassisch schön wie auch erschütternd vulgär sein.
Es ist völlig unmöglich, diesem Jahrhundertwerk in wenigen Worten gerecht zu werden. Nicht verschwiegen werden soll, dass Céline vor allem deswegen von vielen Lesern gemieden wurde und wird, weil er sich mit antisemitischen Hetzschriften ins gesellschaftliche Abseits geschrieben hat. Davon ist in Reise ans Ende der Nacht allerdings nichts zu spüren. Hinrich Schmidt-Henkels wortgewaltige Neuübersetzung ist eine einzige Herausforderung, dieses Buch endlich zu lesen und wiederzulesen. Hoffentlich ist ihr der Erfolg beschieden, den sie verdient hat! --Hannes Riffel
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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
14 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Reise ans Ende der Nacht,
Rezension bezieht sich auf: Reise ans Ende der Nacht (Taschenbuch)
Was soll man zu diesem Buch sagen? Zumal man ständig denkt, es sei bereits alles, was auch nur gesagt werden könnte, bereits mehrfach gesagt worden. Zweifelsohne gehört die „Reise" zu einem der einflussreichsten Romane des zwanzigsten Jahrhundersts, um so erstaunlicher ist es, dass hier das erstemal die vollständige Übersetzung vorliegt.Celines Meisterstück ist vor allem ein sehr moderner Roman, sowohl inhaltlich, als auch formal sprachlich (dieses ist natürlich zum Teil im zeitlichen Rahmen der Entstehung zu sehen). In Episoden führt Celine den Leser durch die Welt, durch die große wie die kleine. Jeder ist somit fast unmittelbar mit auf der „Reise", und diese beginnt unwahrscheinlich schnell (die Geschwindigkeit lässt zum Ende hin allerdings sehr nach). Man hastet über Kontinente, Meere und Gesellschaften und - was vielen Lesern besonders aufzufallen scheint - Celine verwirft fast alles. Ferdinand Bardamu nimmt als Freiwilliger am ersten Weltkrieg teil. Doch sobald er eine Idee vom Krieg hat will er weg. Jede Art von Heldentum ist ihm suspekt, er ist feige und macht keinen Hehl daraus. Das Modell Europa wird konsequent auseinander genommen indem der Wahnsinn hinter dem Pathos sichtbar gemacht wird. Auf relativ zufällige Weise gelangt die Hauptfigur nach Afrika, in die Kolonien - und Celine verfolgt das gleiche Schema. Auch hier findet sich nichts was erhaben wäre, nicht die Kolonialherren, die nur abscheulich sind, nicht die Ureinwohner, die ihr Schicksal verdient zu haben scheinen. Das nächste Modell: „Kolonialreich" ist zertrümmert. Es folgt die neue Welt, Amerika. Land der Träume und unbegrenzten Möglichkeiten - doch nicht mit Celine. Innerhalb kürzester Zeit ist auch dieser Traum zum Alptraum gewendet. Soweit die große Welt, als Ferdinand Bardamu wieder nach Frankreich geht, lässt er die großen Ideen von alter und neuer Welt als Trümmerhaufen zurück. Auf allen drei Stationen ist die Hauptfigur Leon Robinson begegnet, zurück in Europa beginnen sich die Wege der beiden (Ferdinand und Robinson) mehr zu verbinden, der Erzähler versucht von Robinson wegzukommen, was natürlich nicht dauerhaft gelingt. Dieser Robinson ist keine angenehme Figur, ganz im Gegenteil, er ist ein Gauner und wird im Laufe des Romans zum skrupellosen Mörder. Und doch zum Ende hin ist er immerhin soweit gekommen, für eine Überzeugung gerade zu stehen. Was wiederum eine Veränderung in Ferdinand Bardamu zur Folge hat. Ich habe lange überlegt mit was ich es bei der „Reise" eigentlich zu tun habe. Es ist ein Abenteuerroman, auch eine (quasi) globale Gesellschaftskritik, schließlich am Ende wohl sogar so etwas wie ein Bildungsroman. Ob dieser vielen Ansprüche hat das Buch natürlich seine Schwächen - zum Beispiel wirkt es am Ende teilweise aufgesetzt und gezwungen moralisierend, nachdem soviel Energie darauf verwandt wurde die Moral zu diskreditieren. Oder man liest es als Entdeckung eines unzuverlässigen Erzählers. Ferdinand Bardamu erzählt uns die Welt wie er sie sieht, und offenbar ist er nicht, oder kaum fähig etwas Schönes und Gutes wahrzunehmen, sehen wir mal von Frauenbeinen und -körpern ab. So gesehen wären wir Zeuge einer Verwirrung, eines geradezu asozialen auf der Suche nach etwas, das er wohl selber nicht kennt. Die „Reise" ist so unwahrscheinlich reich an Ideen, Gedanken und Details. Sie ist komisch, traurig, spannend und vieles mehr - deshalb ist sie ein so wichtiger Roman. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
13 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Gewaltig,
Rezension bezieht sich auf: Reise ans Ende der Nacht (Taschenbuch)
Keiner weiß genau, wohin die Reise geht. Der Weg ans Ende der Nacht ist düster, verstörend, brutal und vor allem gnadenlos. Auf den Leser kann keine Rücksicht genommen werden, denn warum sollte er mit mehr Respekt behandelt werden als die Romanwelt, durch die ein unsympathischer, ratloser Held zieht. Der Beschreibung dieses Weges ans Ende der Nacht zu folgen, ist anstrengend, nicht wirklich ein Spaß. Und trotzdem bleibt sehr viel mehr als nach den vielen, vielen Seiten anderer Bücher, die man gelesen und wieder vergessen hat. Ein gewaltiges Buch, das lange nachwirkt.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Bardamu erklärt uns die Welt,
Von
Rezension bezieht sich auf: Reise ans Ende der Nacht (Taschenbuch)
Die Geschichte, die in diesem weltberühmten Roman erzählt wird, ist schnell wiedergegeben: Bardamu zieht in den Krieg, hat bald die Schnauze voll davon, kehrt nach Paris zurück und unternimmt alles, um nicht wieder dorthin geschickt zu werden, wo er gerade herkommt. Als offensichtlich ein Entweder-Oder ansteht, fährt er nach Afrika, holt sich dort die Krankheit, die ihn für immer begleiten wird und flüchtet in die Vereinigten Staaten. In das Land, das gerade dabei ist, den Fortschritt zu etablieren, auf den wir heute glauben, stolz sein zu müssen. Dass Bardamu nicht lange den modernen Sklaven spielen wird, ist klar, und deshalb reist er wieder zum Ausgangspunkt, nach Paris zurück. Er landet als Arzt oder besser gesagt Aufseher in einer Irrenanstalt. Langsam wird dem Leser klar, dass Bardamu, statt ans Licht zu kommen, immer tiefer in die Nacht reist. Ob er mit Robinsons Tod wieder den heraufdämmernden Morgen erblickt, bleibt offen.So ungefähr, und schon sehr kurz gefasst, das Geschehen. Man kann andere Blickwinkel ansetzen, das ist meiner Ansicht nach nicht so wichtig. Zum Stil (der Übersetzung): In der französischen Sprache sei das Buch sehr radikal und teilweise in einer Gossensprache geschrieben. Das mache überhaupt erst die Einmaligkeit im Ton und in der pessimistischen Weltsicht aus. Ich kann das nicht beurteilen, dazu sind meine Französischkenntnisse, die eigentlich mehr gegen null tendieren, zu gering. Ich kenne das Buch nur in der hier rezensierten Fassung, in der Übersetzung von Hinrich Schmidt-Henkel und ich glaube schon, dass der Übersetzer Celines gewünschten Ton getroffen hat, soweit das überhaupt möglich ist. Zu Celines Herangehensweise: Celine schert sich zunächst einmal um keinerlei Konventionen. Er schreibt, so hat man den Eindruck, einfach drauf los. Vor allem im ersten Teil hält er sich keinen Deut an die von Amerika zu uns herübergeschwappte Regel: Show, don't tell. Er zeigt nicht, sondern erklärt, tut Ansichten und Meinungen kund und vergisst dabei oft, die Handlung voranzutreiben. Erst später, vor allem im letzten Drittel - man hat den Eindruck, je länger er an dem Werk schreibt, umso mehr Routine bekommt er in seinem Ausdruck, in seiner Darstellungskraft -. Das alles ist kein Nachteil. Im Gegenteil, es betont nur die Unmittelbarkeit und den Eindruck, dass hier ein Getriebener sich zu Wort meldet. Bei diesem bedeutenden Werk sollte man alle theoretischen Ansätze der Schreibkunst vergessen. Auch was die Erzählperspektive betrifft, die eigentlich einen reinen Ich-Erzähler vorsieht, fegt Celine, wenn es ihm passt, alle Regeln hinweg. So wechselt er bei der Beschreibung des Lebens der Familie Henrouille bedenkenlos zum auktorialen Erzähler, der auf einmal Einblick in Details hat, die nur der liebe Gott oder die Familie selbst haben kann. Eines ist also klar: Bei diesem trotzdem so bedeutenden Werk haben alle theoretischen Ansätze der Schreibkunst keine Gültigkeit. Eins noch: Irgendwo habe ich gelesen, dass man über Leute, die zu einem Buch von Céline greifen, wenn sie es nicht aus wissenschaftlichen Gründen machen, die Nase rümpft. Ich habe zu diesem Buch aus reiner Neugier und aus reinem Vergnügen am Lesen gegriffen. Ein Lesevergnügen im üblichen Sinne war es zwar nicht, aber rümpfen Sie trotzdem ruhig die Nase. Es ist mir egal. Allein schon die Aussage auf Seite 318, "Der Tod ist einem auf den Fersen, es heißt sich beeilen ..." wird mir lange im Gedächtnis bleiben und war dieses "Lesevergnügen" wert. Wenn die Übersetzung manchmal auch kleine Mängel aufweist - So steht z.B. auf Seite 365 "... und einen anderen Arzt, einen erfahreneren, seriöseren, hinzuziehen" - obwohl es "hinzuzuziehen" heißen müsste, und die Buchstabenfolge "zuzuzi" doch etwas gewöhnungsbedürftig klingt, gibt es die vollen fünf Sterne. Céline hat sie verdient. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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