Ein Bericht und ein Buch ohne Wenn und Aber, das ist doch mal was ...
Ich habe diesen Bericht einmal wieder gemeinsam mit meinen Mann verfasst, da er sich besonders mit dem Buch auseinandergesetzt hat.
Es ist die Biografie von Reinhard Karl, einem besonders charismatischen Freikletterer und Begeher der ersten Alpenroute im VII. Grad. Und - man höre und staune - der erste Deutsche auf dem Everest !!!
Seit 20 Jahren nun ist Reinhard Karl schon tot und aus diesem Grund ist das Buch, welches ich hier vorliegen habe erschienen. Geschrieben wurde es von Tom Dauer, der 1969 geboren wurde und Politik- und Literaturwissenschaft studierte. Er absolvierte die Deutsche Journalistenschule. Weiterhin schreibt er für die Zeitschrift GEO oder auch für National Geographie, den Stern und Berge sowie die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Seine Themen sind besonders der Natur- und Kulturraum und der Alpinismus und Expeditionen.
ACHTUNG !!! Das Buch gehört zur Reihe "Bergabenteuer" und hier sind weiterhin erschienen:
Anderl heckmair Eigernordwand, Grandes Jorasses und andere Abenteuer
Oswald Oelz Mit Eispickel und Stethoskop
Walter Bonatti Berge meines Lebens
Karl Maria Herrligkoffer Besessen, sieghaft, umstritten
Inhalt und Gliederung:
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Das Buch ist in 41 Kapitel untergliedert.
Es beginnt mit Eva Altmeier, die 20 Jahre nach dem Tod ihres Mannes die Geschichte, den Beginn ihrer Ehe und über ihren Mann erzählt. Wie sie seinen Tod verkraftet hat, sie war ja erst 28 Jahre ...
Danach folgt die Einführung vom Autor.
Jedes Kapitel beginnt mit einer grau unterlegten Seite, auf der die Überschrift des Kapitels abgedruckt ist, auf der gegenüberliegenden Seite ist jeweils ein passendes s/w-Foto zu finden.
Bildmaterial:
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Zahlreiche sehr persönliche und wunderschöne Bergaufnahme, sowohl schwarz/weiß, als auch in herrlicher glänzender Farbqualität sind im Buch enthalten.
Die Bilder sind jeweils gleich textlich erklärt.
kurze Leseprobe an dieser Stelle:
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Aus dem Kapitel: ERST NACH DEM GIPFEL BIST DU WIEDER FREI
Wir sitzen an einem kleinen Fluss im Rupaltal, 3600 Meter hoch - Basislager. 4500 Meter über uns der Gipfel des Naga Parbat. Naga Parbat h eißt "Nackter Berg". Wir nennen ihn "gigantischen Steinhaufen, der einsam in den Weltarum ragt".
Luis krümmt sich vor Schmerzen; Magen und Darm, was denn sonst. "Oh, mein Gott, ist mir schlecht", stöhnt Luis Frage, Spanier, perfektes Deutsch, mein Partner, mein Freund, 22 Jahre alt. "Versuch einen Furz zu lassen, aber vorsichtig", rate ich ihm. Ich glaube, zwei solche Schwächlinge wie wir sind noch nie in dieses Tal gewankt, um sich an dem gewalten Berg zu versuchen...
meine Meinung zum Buch:
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Ich finde, dass der Aufbau und die Gliederung perfekt gewählt sind. Man erfährt zuerst etwas von seiner Frau, dann beginnt das Buch mit einer Einführung in das Leben Karls in der Man-Schreibweise, in der der Autor erzählt, was man glaubt, über Karl zu wissen. wie ihn also die Öffentlich sah und sieht. Nun hat aber unser Autor detailliert recherchiert und hat vieles private aus seinen Gedanken und Aufzeichnungen herausgefunden, was man auch als Bergbegeisterter so noch nicht wußte. Tief in das Innerste dieses so interessanten Menschen auch neben dem Bergsteigen kommt hier im Buch zum Ausdruck und wird detailliert und bildhaft beschrieben.
Ein wahrer Krimi, den man hier lesen kann.
Man bekommt einen ganz anderen Blick auf diesen Menschen und auch die Bergwelt, wie sie Reinhard Karl sein kurzes Leben lang sah.
Das Leben mit seiner Frau in Heidelberg wird beschrieben, aber auch die schmerzhaften und frohen Stunden des Bergsteigens kommen natürlich im Buch zum Tragen. Immer wieder hat man privates Bildmaterial neben den Texten, die diese noch besser verständlich machen.
Man lernt, warum Reinhard Karl so wurde wie er war, wie die Erziehung auch dazu beitrug und wie die Zeit, in der er lebte, ihn prägte - wie die Bergwelt zu seinem zweiten ICH wurde.
Er schrieb Bücher, er kletterte nicht "Nur". Er stieg nicht einfach auf einen Berg, ohne nachzudenken, sondern er hinterfragte, warum vieles so ist, wie es ist und auch im Buch kommt dieser Charakterzug sehr gut zur Geltung. Viele seiner Gedanken und Aussprüche werden zum Besten gegeben und lassen den Leser aufhorchen und regen zum Nachdenken an.
Er hat den Ruf, das habe ich erst während des Lesens des Buches erfahren, die alpine Literatur revolutioniert zu haben - gerade weil sein Blick ein subjektiver war und so ist auch unser Buch hier geschrieben. Ehrlich und wahr.
Im Buch sind Originaltexte von Reinhard Karl eingearbeitet, die er publizierte und die lange nicht der Öffentlichkeit zugänglich waren. Auch seine Gefährten kommen zu Wort. So u.a. Bern Kullmann, Wolfgang Nairz, Oswald Oelz, John Bachar usw. usw.
Karls Werdegang wird von Grund auf bis zu seinem frühen Tod nachvollzogen und so entsteht ein komplexes und komplettes Bild dieses Menschen und seiner Berge und Literatur/Fotografie.
Das Bildmaterial ist einmalig schön und lässt Bergsteiger- und Naturherzen höher schlagen.
Ich muss sagen, dass die Texte sehr verständlich geschrieben sind und man auch als Einsteiger in das Thema sofort versteht, was der Autor sagen will. Das Buch ist absolut interessant und aufschlussreich.
Reinhard Karl muss 1982 sterben, er wird von einer Eislawine erschlagen. seine Karriere ist so schnell beendet, wie sie begonnen hat. Er, als so toller Bergliteratur und -fotograf wird von den Insidern sehr vermisst und kann wohl nicht ersetzt werden.
Das Lebensgefühl des Reinhard Karl ist in diesem Buch noch einmal zusammengefasst und eingefangen, und das finde ich, ist einfach toll gemacht. So kritisch wie Karl mit sich selbst war, so kritisch schreibt auch der Autor dieses Buch, welches dem Leser aber auch Freiraum gibt, sich seine eigenen Gedanken zum Thema zu machen.