Hinter dem Pseudonym John le Carre steckt David John Cornwell, Sohn eines professionellen Hochstaplers, ehemaliger Diplomat, britischer Spion und vor allem einer der bekanntesten Schriftsteller von Spionageromanen. In der ersten deutschprachigen Monografie, welche gleichzeitig die derzeit umfangreichste Bibliografie zur Literatur von und über John le Carre enthält erfahren mehr über den Schriftsteller, der als Koryphäe in seinem Genre und auch als Autor ernsthafterer Literatur anerkannt und gewürdigt wird.
Neben dem interessierten Leser eignet sich die Monografie auch durchaus für die Zwecke eines Literaturwissenschaftlers. Wie in einer Monografie üblich werden der Autor Werk sehr umfangreich, aber ohne Abschweifungen vorgestellt. Als einer der wenigen Autoren verdiente sich John le Carre zum Beispiel auch das Lob Graham Greenes, der als feste Größe unter den Spionageromanautoren gilt. Ähnlich wie Greene zeichnet sich le Carre durch ein hohes Niveau und die Komplexität seiner Charaktere und Plots aus.
Das kommt zum Teil auch von seiner bewegten Lebensgeschichte, als Sohn eines Hochstaplers, der in großen Stil zu leben verstand, ohne auch nur einen Bruchteil des zur Schau gestellten Vermögens zu besitzen. Bereits seine Kindheit war von Lug und Trug geprägt, was ein fixer Bestandteil der Welt der Geheimdienste ist. Seine Begegnung mit dem kalten Krieg und der Umzug in die Schweiz, wo er schließlich sogar Germanistik studierte prädestinierten ihn geradezu für seine spätere Arbeit als Spion und Diplomat. Die Rückkehr nach England führte ihn schlussendlich zum MI5, dem britischen Inlandsgeheimdienst, in dessen Auftrag er begann kommunistische Zirkel an der Universität auszuspionieren. Mit Abschluss seines Studiums trat er in den Dienst des britischen Foreign Office (also dem britischen Außenministerium) und arbeitete als Botschaftsmitarbeiter und Spion des MI6 (des britischen Auslandsgeheimdienstes) in der britischen Botschaft in Bonn. Vom Bau der Berliner Mauer zu seinem vielfach ausgezeichneten und verfilmten Meisterwerk Der Spion der aus der Kälte kam" inspiriert gelangte er zu weltweiter Bekanntheit und konnte sich von da an ganz einem Leben als freier Autor widmen.
Zwar ist dieser Band relativ schmal, doch gehört er zu den verschwindend wenigen deutschsprachigen Werken über John le Carre und steht der englischsprachigen Konkurrenz mit Sicherheit in nichts nach. In Hinsicht auf die Quellenangaben und Bibliographie (mitunter werden auch Zeitungsartikel, Filme und sogar TV-Serien ergänzend angeführt) ist das Buch ohnehin bis zur Perfektion akkurat. Es ist verblüffend wie viele Informationen man in derart wenigen Seiten unterbringen kann, denn bei genauem Lesen kann man nicht nur viel über John le Carre sondern auch das Genre des Spionageromans und dessen Geschichte an sich lernen. Literaturwissenschaftlich trägt es sogar zum besseren Verständnis der Werke le Carres und anderer Spionageromane bei. Gewissermaßen erhält man in diesem Buch ein Konzentrat aller Quellen, man braucht nur noch eigenes Wissen und Recherchen gleich Wasser hinzugeben und erhält weit mehr als nur die Summer seiner Teile.
Fazit:
Unverzichtbar für jeden der sich ausführlicher über John le Carre und seine Romane informieren möchte.