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„Reineke Fuchs" ist ein altes deutsches Epos. Die satirische Fabel stammt aus dem Mittelalter. Die Fabel entwickelte sich weiter, Welt- und Menschenkenntnis wurden ausgeprägter und sie wurde immer mehr zum satirischen Spiegel weltlichen und geistlichen Spiels um Macht. Diese Fabel nahm Goethe 1793 auf, um ein zeitkritisches Werk über höfisches Intrigenspiel, revolutionäre Ungebärdigkeit, politische Unduldsamkeit, Dummheit und Heuchelei zu verfassen.
Die Fabel spielt in einer mittelalterlichen Welt mit all ihren Bräuchen und Gesellschaftsstrukturen. Die Hauptfigur ist Reineke der Fuchs. Die Erzählung handelt von seinen Abenteuern und Streichen, mit denen er allen im Tierreich Schaden zufügt. Seine wichtigsten Widersacher sind Isegrim der Wolf, Braun der Bär und der Kater Hinze. Sie sind trotz ihrer Einfalt alle einflussreiche Berater am Hofe und sie wollen Reineke an den Kragen, da sie eifersüchtig auf seine Weisheit und List sind. Die Handlung ist eine Folge von Klagen am Hofe gegen Reineke und Erzählungen seiner Streiche. Den Kern des Buches bilden die zwei grossen Gerichtsverhandlungen, in denen sich Reineke behaupten muss. Das Buch endet fulminant im grossen Duell zwischen Isegrim und Reineke.
Trotz Goethes Absicht mit diesem Werk seine Abneigung gegenüber der politischen Welt auszudrücken, ist die Grundstimmung des Buches nicht Bitterkeit und Rechthaberei. Die Unzufriedenheit Goethes löst sich in seiner Wortgewandtheit und in der Form auf und eine ironische Distanz entsteht, die die Erzählung humorvoll werden lässt. Goethe hat keine nennenswerten stofflichen Veränderungen an der ursprünglichen Fabel vorgenommen, er verändert sie nur in der Form. Er benutzt für seine Erzählung eine antike Form. Er schreibt in Hexametern und kultiviert den Wortschatz. Er schafft es die Handlung in eine ruhig fliessende Einheit zu verwandeln, in die auch die wichtigen Monologe Reinekes hineinpassen. Somit erreicht er die angestrebte epische Einheit. Die ganze Handlung teilt Goethe in zwölf etwa gleich lange Gesänge ein. Fast jeder der zwölf Abschnitte beginnt mit einem wichtigen Handlungselement.
Goethe verpackt seine Gesellschaftskritik sehr geschickt in der Handlung. Einerseits versteckt er sie im Verhalten der Tiere, vor allem des Königs und seiner Getreuen. Andererseits lässt er den schlauen Fuchs diese Missstände erkennen und ausnutzen, und dieser trägt die Kritik daran in seinen Monologen vor. Die wichtigsten Hauptszenen sind die zwei Gerichtsverhandlungen, wo Reineke sehr viele Missstände anspricht und der König zudem sehr habgierig handelt. Goethe kritisiert den Absolutismus mit seinen Machtstrukturen und Machthabern. Er klagt ihre Habgier und Dummheit an und bemängelt auch ihre egoistische Denkweise. Er kritisiert auch den bestechlichen Filz der Kirche und ihre scheinheiligen Vertreter. Die härteste Kritik aber richtet er an die französischen Revolutionäre. Seiner Meinung nach muss man zum Regieren bestimmt sein. Er kritisiert, dass jeder Dumme denkt, er könne ein Land regieren. Er ist der Überzeugung, dass alles immer etwa gleich bleibt und somit die Welt kontinuierlich ist, was er in seinem abschliessenden Kommentar nochmals klar zum Ausdruck bringt. Diese Stellungnahmen sind Schwachpunkte dieses Buches. Goethe sieht die Möglichkeiten, die die französische Revolution bietet, nicht, sondern bemerkt nur ihre Auswüchse. Er ist zu wenig optimistisch und sehr traditionell eingestellt.
Goethe stellt Reineke sehr positiv dar. Obwohl er eigentlich der Bösewicht der Fabel ist, rückt ihn Goethe in ein positive Licht, da er seine Freveltaten mit Absicht und überlegt vollführt. Seine Weisheit und List ist überwältigend im Vergleich zu seinen Widersachern, nämlich den Mächtigen des Landes, die allesamt tollpatschig und einfältig sind. Ich bekam das Gefühl, dass Reineke sie gerechterweise bestrafe. Goethe vermittelt dem Leser detaillierte Kenntnisse von Reinekes Denkweise und Gefühlsleben. Trotz aller Gemeinheiten und Weisheit hat er doch menschliche Züge, nämlich Ängste und Unsicherheit, und zudem ist er ein sehr treuer Führer seiner Sippschaft. Somit rückt er in ein positives Licht und ich fieberte mit ihm mit und hoffte, dass er sich wieder würde herausreden können.
Abschliessend kann ich sagen, dass mir das Buch ziemlich gut gefallen hat. Am Anfang bereitete mir die Versform ein bisschen Probleme beim Lesen, aber ich gewöhnte mich schnell daran. Die Geschichte an und für sich mit Reinekes Streichen ist sehr amüsant, vor allem die Fallen, die er sich für seine Widersacher ausgedacht hat und in die sie auch äusserst habgierig und tollpatschig hereinfallen. Reinekes Monologe sind teilweise etwas schwerfällig und weit ausschweifend und deshalb meistens sehr langweilig, aber irgendwie trotzdem amüsant, wenn man dann endlich bemerkt, auf was er hinaus will. Denn die Kritik ist für uns heute witzig, da diese Missstände heutzutage behoben sind. Auch das Verhalten des Königs und seiner Barone veranlasste mich einige Male zum schmunzeln. Es ist eine wirklich sehr gute Satire!
Kantonsschule Chur, Stefan Kindler, 7 Cb
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