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Zwei Verträge werden unterzeichnet. Einer in einem Bankgebäude, der andere in einer Anwaltskanzlei. Dan, 51, nimmt die zweite Hypothek auf sein Haus auf, denn seine Tochter studiert an einer teuren Privatuni und seine Frau erwartet ihr drittes Kind. Carter, 26, lässt sich von seiner Frau scheiden, die ihn nach fünf Monaten Ehe verlassen hat.
Nur eine scheinbar beiläufige Montagesequenz aus „Reine Chefsache“ von Paul Weitz und doch exemplarisch für die Thematik, der man sich hier widmet: Veränderungen und wie der Mensch mit ihnen umgeht. Bereits zuvor befasste sich der Regisseur in „American Pie“ und der Nick-Hornby-Adaption „About a Boy“ mit dem, was wir „Erwachsen werden“ nennen, und ließ stets die Altersunabhängigkeit des Prozesses am Ende als Quintessenz stehen.
Nach der Angst vor sozialer Bindung („About a Boy“) und der Angst vor frühzeitigem Samenerguss („American Pie“) durchleben die Akteure in „Reine Chefsache“ die Ängste vor beruflichem und elterlichem Versagen. Schauplatz sind die Büros des fiktiven Fachblattes „Sports America“, wo der alteingesessene Anzeigenleiter Dan Foreman (Dennis Quaid) und der junge Karrierist Carter Duryea (Topher Grace) aufeinandertreffen. Nach Firmenübernahme und Umstrukturierung muss der alte Hase den Chefsessel für den solariumgebräunten Senkrechtstarter räumen. „Mann! Mein Dad ist jünger als sie“, wird richtigerweise festgestellt. Kurze Zeit später sieht sich Dan nicht nur mit seinem fortschreitenden Alter und einem neuen Boss, sondern auch mit der Tatsache konfrontiert, das seine 18-jährige Tochter Alex (Scarlett Johansson) sich in den smarten Yuppie verliebt.
Was bis jetzt eher nach dem lauwarmen Aufguss einer Billy-Wilder-Story klingt, macht zur Freude des Zuschauers jedoch schon bald Schritte in die richtige Richtung. Weitz vermeidet nämlich bemühte Situationskomik, und konzentriert sich ausschließlich auf die charakterliche Entwicklung seiner Protagonisten. So lernt man Carter zwar als zielbewussten Schlipsträger ohne Ecken und Kanten kennen, darf aber schon bald hinter die Fassade blicken, wo sich Versagensängste, Einsamkeit und innerliche Leere verbergen. Als wohlüberlegte Besetzung erweist sich hier Topher Grace („Die wilden Siebziger“), der dank seines jungenhaften Charmes die erforderliche Unsicherheit transportiert, die zur Glaubwürdigkeit der Rolle benötigt wird. Auf die Frage, ob er denn glaube, seinem neuen Job überhaupt gewachsen zu sein, erwidert er früh im Film: „Handys verkaufen, Anzeigen verkaufen. Alles derselbe Mist! Ist ja eh nur ein Sprungbrett.“ Den Worten – geschrieben naiv und vermessen klingend – lässt Grace im Bild einen fast schon schuldbewussten Blick Richtung Boden folgen, als erkenne er bereits die wenig humanistische Attitüde dieser Gleichung aus dem Marketing-Lehrbuch. Momente wie dieser stellen klar: Im Prinzip ist Carter ein netter Kerl, der seinen Weg im Leben noch nicht gefunden hat.
Zwar nimmt der Rest der Geschichte einen konventionellen Verlauf – Dan wird für Carter zum Mentor in Sachen Lebensmaxime, während er selbst das Heranwachsen seiner Tochter zur Frau akzeptieren muss – doch was nach „Reine Chefsache“ im Gedächtnis bleibt, sind weniger Happy-End und das Werk als Ganzes, sondern eine handvoll intelligent geschriebener und ausgezeichnet gespielter Szenen, die sich als genaue Studie zwischenmenschlichen Handelns angesichts veränderter Arbeitssituationen entpuppen.
Im Fokus ist hier nicht, wie sich der entlassene Mitarbeiter von seinen Kollegen verabschiedet, sondern wie man jemand anderes verabschiedet, wenn man weiß, dass man selbst der Nächste sein kann. Aus „Sie sind gefeuert!“ wird „Es tut mir leid aber ich muss sie gehen lassen.“. Keine beschönigenden Worte, sondern ernstgemeintes Bedauern.