Die erste Reimbibel nach dem Mittelalter liest sich fast, als hätte Wilhelm Busch sie verfasst und klärt in heiter-satirischer Weise über den christlichen Aberglauben auf. Das Alte Testament in Reimform und unterhaltsam-satirisch aufzuarbeiten, war sicher eine "Heidenarbeit", schließlich beschreibt es in weiten Strecken nur ein ständiges Abschlachten und Bekriegen verschiedener Wüstenvölker, in dem Gott für ein Volk Partei ergreift.
Als Auszug die Kapitelüberschriften zum 1.Buch Samuel:
Gott schenkt Hanna 6 Kinder
Gott kündigt einen Doppelmord an
Gott erschlägt 50.000 Menschen
Gott befiehlt König David, die Amalekiter zu ermorden
Gott hilft König David, den Goliath zu töten
König David erbeutet 200 feindliche Vorhäute
König David liebt einen Mann
Gott rät König David zum Angriffskrieg, usw, usw...
Die in Reimform gegossene Handlung der Bibel wird immer wieder durch Anmerkungen des Autors (oft auch in Reimform), durch interessante Zitate (von Goethe, Luther, Ratzinger, Hitchens, Papst Pius XII, Heine, Thomas von Aquin, Hitler, Lüdemann, Deschner, Einstein, Schmidt-Salomon, Friedrich der Große und anderen), durch Statistiken, Umfrageergebnisse, Buchzitate und weiterführende Hyperlinks bereichert.
Richtig zu Hochform läuft der Autor aus meiner Sicht im Neuen Testament auf und gegen Ende der Reimbibel, bei den "Briefen des Wolfgang an Gott und die Christen". In äußerst vergnüglicher Form entlarvt er insbesondere im Neuen Testament Absurditäten, Widersprüche, Intoleranz, Grausamkeit und viele andere Widerlichkeiten.
Für gläubige Menschen vermutlich eine schwer verdauliche Kost. Als Nebenwirkung könnte es zu einem "großen Heulen und Zähneklappern" kommen. Man wird sehen, wie die Kirchen auf dieses Buch reagieren.