Reiki. Das große Praxisbuch" ist reich bebildert, schön anzusehen, es macht Spaß, darin zu blättern. Von außen denkt man, es ist ein weiteres dieser belanglosen Wellness-Bücher, die früher oder später im Discounter verramscht werden und, schick auf dem Kaffeetisch dekoriert, für netten, esoterisch angehauchten Gesprächsstoff sorgen.
Inhaltlich betrachtet sieht das Ganze jedoch ganz anders aus. Tanmaya Honervogt lässt kaum ein Thema unberücksichtigt, sie setzt Reiki in einen größeren spirituellen Zusammenhang, streift die Aura, die Chakren, die Meridiane, gibt Anleitungen zu den verschiedenen Reiki-Graden, den Handpositionen, Behandlungsmöglichkeiten verschiedenster Symptomatiken, alles mit Fotos und Zeichnungen illustriert.
Insofern hat dieses noch ein Reiki-Buch" durchaus seine Berechtigung. In ihm ist alles zusammengefasst, was man braucht, um Reiki auszuüben, wenn man die Einstimmungen erhalten hat.
Was also stört mich so daran? Ich habe es von vorn bis hinten gelesen, habe mich an der schönen Aufmachung erfreut, fand einige Anregungen, die ich sicher nutzen werde, und habe mich doch immer wieder geärgert. Mich nervt die dauernde Hervorhebung der reinen Linie" bis zurück zu Usui Sensei - doch werden auch Systeme wie Lightarian Reiki zumindest vorgestellt (wie gesagt, das Buch ist recht umfassend), das von einer Amerikanerin gechannelt worden ist, also nichts mit Usui Reiki zu tun hat. Außerdem erachte ich Stammbäume nicht mal bei Hunden als wichtig.
Ich möchte auch nicht einen Altar mit dem Bild von Usui in meinem Behandlungsraum. Mir persönlich behagt dieser Personenkult, auch um Frau Takata, nicht, ich achte Usui Sensei für seine Wiederentdeckung der Reiki-Energie und deren Verbreitung, aber meine Verehrung gilt nicht der Person, sondern der Energie selbst.
Die Betonung, genau die Art, Reiki zu vermitteln, auszuüben und zu leben, die Tanmaya Honvervogt hier vorstellt, sei die einzige, scheint mir auch arg dogmatisch. Einerseits schreibt sie, genau die abgebildeten Handpositionen seien die allein richtigen, andererseits jedoch erwähnt auch sie, dass Reiki dahin fließt, wo es benötigt wird - die Konsequenz aus dieser Information ist wohl klar. Damit will ich nicht gesagt haben, die Handpositionen etc. hätten keine Berechtigung - es geht mir eher um die Untertöne, die Art der Darstellung, die kaum Raum für Intuition und eigene Entwicklung bietet.
In diesem Buch begegnet mir Starre und Enge, wo Reiki doch fließend und harmonisch ist, das passt für mich nicht zusammen. Dieses muß man, jenes darf man nicht - ächz! Reiki ist doch Leben, Liebe, Licht, mit Reiki stelle ich mich dem Großen Ganzen, dem Universum, dem Allumfassenden, Gott, wie auch immer ich es nennen will, zur Verfügung und es ist wunderbar und schön in seiner Einfachheit. Genau das ist es, was mir bei diesem Buch fehlt. Es ist mir zu dogmatisch, verliert sich in Einzelheiten, statt der LeserIn Anregung und behutsame Anleitung zu sein. Wäre ich unsichere Reiki-Anfängerin, hätte ich nach der Lektüre eher Angst, etwas falsch zu machen, als Freude, mit Reiki umgehen zu dürfen.
Es gibt so viele Reiki-Bücher, viele schlechte, viele gute, einige sehr gute. Noch ein Reiki-Buch also? Ich denke, es kommt auf den Inhalt und das Gefühl an und nicht auf die noch so schöne Verpackung, bei Büchern wie beim Reiki, wie bei allen Dingen.