Hermann Hesse wurde 85 Jahre alt. Als Autor hatte er also die Möglichkeit, alle Lebensstufen zu erleben und wiedergeben zu können.
In diesem Band sind Hesses Gedanken, Essays und Gedichte vereint, welche die Themen Altwerden, sich Erinnern, und auch den Tod beinhalten. Der Band über Hesses Erinnerungen setzt ein, als der Autor 43 Jahre alt ist - er beschreibt die Veränderungen in der Natur durch die Jahreszeiten. Hesse selbst stand zu diesem Zeitpunkt in der Mitte seines Lebens, und war sich der Vergänglichkeit der Jugend bewusst. Mit zunehmendem Alter verändern sich Hesses Gedanken, sie fokussieren sich mehr auf den Menschen selbst im Alterungsprozess; so wie die Natur ist auch der Mensch ständig im Wandel, sind doch "alle begabten und differenzierten Menschen bald alt, bald jung, so wie sie bald froh und bald traurig sind". Im Jahre 1919 emigrierte Hesse in die Schweiz und ließ sich in dem kleinen Dorf Montagnola nieder. Er findet dort Ruhe und eine wunderschöne Natur, die ihn zu seinen Aquarellen inspirierte, aber auch zu vielen Gedanken über sein eigenes Leben. Bebildert ist dieser Band mit zahlreichen Fotos, die Hesses Sohn Martin geschossen hat.
Hesse hat in seinem langen Leben viel erlebt, viele Schicksalsschläge erfahren, einen Suizidversuch im Alter von 14 Jahren, er hat den Nationalsozialismus überlebt und ist emigriert. Umso erstaunlicher ist es, dass von der Verbitterung und Trauer, die er empfunden haben muss, nichts auf sein literarisches Schaffen abzufärben scheint. In seiner typisch unaufgeregten Art sinniert er über das Leben, über die Tücken des Alters, aber auch über seine positiven Seiten, über verstorbene Freunde und auch über die vergangene Jugend. Doch man hat als Leser nicht dein Eindruck, einen alten kranken Mann vor sich zu haben, sondern vielmehr einen weisen Menschen, der sich mit sich selbst ausgesöhnt hat.