Wer das Saatgut kontrolliert, regiert den Menschen.
Dieser Ausspruch ist in den letzten Jahrzehnten bittere Realität geworden. Wenige große Konzerne verkaufen ihr teures Saatgut an immer ärmer werdende Bauern, zwingen sie zur Abnahme von manipulierten Samen und hochgiftigen Pflanzen'schutz'mitteln. Der Boden laugt aus, ganze Ernten gehen kaputt - ein Strudel, der unaufhaltsam scheint.
Jedoch, es regt sich Widerstand. Geringfügig erst, aber spürbar.
Denn nicht nur Lebensmittelskandale, Bio-Trend oder die finanzielle Notwendigkeit der Selbstversorgung veranlassen viele Menschen, ihr Gemüse wieder im eigenen Garten anzubauen. Es ist auch der Wunsch und das Bedürfnis, etwas Wertvolles zu erhalten ' nämlich die Sorten unserer Familien, die seit vielen Generationen angebaut und weiterentwickelt wurden.
Das Autorenteam Ute Klaphake, Karin Lüdemann und Dierk Jensen engagiert sich aktiv für Nachhaltigkeit in Landwirtschaft und Ernährung und bringt seine jahrelangen Erfahrungen, Erlebnisse und Erkenntnisse auf diesem Gebiet in das Buch ein. Sie sparen dabei nicht an deutlichen Worten, um die vorherrschende Situation aufzuzeigen.
Das Buch bietet natürlich mehr als harte Fakten zur Gefährdung der Biodiversität.
Alte, fast vergessene Gemüsearten wie Guter Heinrich oder Haferwurzel werden ausführlich beschrieben, aber auch bei Tomaten, Bohnen und Kohl lassen sich Sorten jenseits des Einheitsgemüses entdecken.
Zu jedem Gemüse gibt es eine kurze Einführung über die Herkunft, wertvolle Tipps für den Anbau, die Vermehrung und die Ernte und nicht zuletzt Hinweise für die Verarbeitung in der Küche. Abgerundet wird jedes Portrait mit einem großformatigen Bild der Pflanze beziehungsweise des zu verarbeitenden Pflanzenteils. Diese Bilder sind sehr hochwertig und gut gelungen, sie machen Appetit auf mehr. Natürlich gibt es auch die entsprechenden Ratschläge zur Saatgutgewinnung und 'aufbewahrung.
Doch nicht nur Pflanzen stehen im Mittelpunkt, auch auf die Menschen, die diese Sorten züchten und erhalten, wird der Fokus gerichtet.
In zwölf Portraits werden die Personen vorgestellt, die sich mit Herzblut und Sachverstand der Erhaltung alter Nutzpflanzensorten verschrieben haben.
Auch auf die Arbeit von Vereinen mit diesen Zielen wird detailliert eingegangen, der Leser wird animiert, sich selbst mit einzubringen und zur Vielfalt beizutragen.
Wie wichtig den Autoren das Anliegen biologische Vielfalt ist, zeigt auch die Darstellung der Geschichte des Saatbaus auf vier Seiten. Spätestens hier wird jedem Leser erschreckend bewußt, wie wenige große Konzerne das Saatgut und somit den Menschen kontrollieren.
Als zusätzlichen Service bietet das Buch weiterführende Literatur sowie nützliche Adressen und Internetlinks.
Fazit
Das Buch will wachrütteln, aufzeigen dass es fünf vor zwölf ist. Die Autoren polarisieren und beziehen Stellung.
Jeder kann sich aktiv beteiligen, sei es als kritischer Verbraucher oder kreativer Gärtner. Wir alle tragen Verantwortung für unsere Natur und das, was wir essen!
Die wunderschönen Fotos und ausführlichen Beschreibungen der bedrohten Gemüsesorten machen das Buch zu einem wertvollen Nachschlagewerk.