„Mit der ersten erschließenden Arbeit über das Reichssippenamt und seine Vorgängerinstitutionen wird eine Lücke ... geschlossen", stellt die Verfasserin in ihrem Vorwort sehr zutreffend fest. Die Arbeit enthält eine Fülle wertvoller, hochinteressanter Tatsachen und Zusammenhänge, die bisher unbekannt waren.
Angesichts der Vielgesichtigkeit nationalsozialistischer Herrschaft, greift die Verfasserin in ihrem abschließendem Exkurs zur „Chaostheorie", um dieses Herrschaftsystem begrifflich zu fassen. Damit erfaßt sie durchaus Wesentliches, denn Hitler gab fast jeden seiner Befehle mindestens zweimal an verschiedene Personen. „Einen solchen Befehlsdualismus nannte er eine ‚natürlich Konkurrenz in der Arbeitsleistung'. ... Man muß die Menschen sich reiben lassen, durch Reibung entsteht Wärme, und Wärme ist Energie." Für Themen und Gaue wurden Persönlichkeiten berufen, die es unter sich ausmachten mußten, wo der Wirkungsbereich des einen anfing und des anderen aufhörte. Dieses Unordnungsprinzip setzte sich in den unteren Ebenen fort, in denen - wie in den oberen - Staat, Partei und immer mehr auch die SS um ihre Zuständigkeiten konkurrieren mußten. Auch der Sachverständige für Rasseforschung beim Reichsministerium des Innern Achim Gercke und sein Nachfolger Kurt Mayer unterlagen diesen Zwängen.