Wie es den Nazis gelang, Einfluss auf die eigentlich unabhängige und an die Siegermächte des Ersten Weltkriegs verpfändete Reichsbahn zu gewinnen, schildert das lesenswerte neueste Werk des Berliner Eisenbahnhistorikers Alfred B. Gottwaldt. So war der Generaldirektor Julius Dorpmüller den neuen Machthabern zunächst ein Dorn im Auge und sollte von seinem Posten entfernt werden. Dorpmüller konnte diesem Schicksal entgehen, indem er sich und die Reichsbahn bereits im März 1933 den Forderungen der "nationalen Regierung" bedingungslos unterwarf. 1937 wurde er zum Reichsverkehrsminister ernannt. Gottwaldts Buch behandelt nicht nur die Auswirkungen, die die Machtergreifung der Nazis auf das "jüdische Personal" und "jüdische Reisende" der Reichsbahn hatte, sondern gibt auch einen fundierten Einblick in Struktur und Organisation des Unternehmens während des Dritten Reiches.
Das Buch ist die zweite Doktorarbeit des Verfassers. Sie ist dennoch verständlich geschrieben. Ein Anhang mit Kurzbiografien zahlreicher im Buch genannter Personen rundet das Werk ab.
Unangemessen glamourös ist allerdings der rote Einband mit Silberschrift.