Nun dürfen wir Commissario Brunetti also bei seinem 20.Fall über die Schulter sehen - herzlichen Glückwunsch! Nachdem ich alle Fälle gelesen habe, fällt es leicht, Vergleiche zu den anderen Büchern zu ziehen und auch zu bewerten.
Brunetti wird spät abends zu einer Toten gerufen. Die alte Frau Altavilla wurde von der Nachbarin tot in der Wohnung gefunden. Alles deutet auf Herzversagen hin, aber Brunetti, ganz alter Hase, hat ein komisches Gefühl im Bauch. Und dies trügt ihn nicht: Es war Mord ...
Nach all den Jahren merkt man Brunetti die Reife und Abgeklärtheit an. Donna Leon hat ihn nie als Rauhbein oder gerissenen Polizisten dargestellt, eher kommt der leise Witz in den Gesprächen mit Patta hervor, die Wärme im Kreise seiner Familie. Er ist ein Sympath!
Dieser Fall ist, wie auch schon die letzten Bände der Reihe, eher langsam, bedächtig, kaum Wortwitz oder Schlagabtausch, dafür gerne politisch-kritische Anmerkungen, wie eingestreut. Kurz: es plätschert leise-langsam vor sich hin und
trotzdem mag man das Buch nicht aus der Hand legen.
Ich gebe dennoch nicht die volle Sternenzahl, weil mich die detaillierten Beschreibungen teilweise zu sehr anödeten. Jede Kleinigkeit wird erwähnt, jede Körperhaltung, jede Mimik, jedes Detail. Das ist manchmal verwirrend, denn ich als Leser mag bei Krimis miträtseln und denke bei jedem Detail, es wäre wichtig für den Fall. Pustekuchen, es ist schlussendlich nur Zeilenfüllend.
Resümee: Ich habe Brunetti in all den Jahren ins Herz geschlossen und kann mit der etwas erlahmenden Schreibweise von Frau Leon leben. Auch das nächste Buch werde ich lesen.