Angesichts der positiven Rezensionen und des schön gestalteten Titelbildes habe ich der Lektüre dieses Romanes freudig entgegen geblickt.
Die Grundidee hörte sich sehr reizvoll an.
Ich will auch nicht behaupten, dass ich Gott weiß was erwartet hätte, lediglich einen Lesespaß für zwischendurch, und ich bin auch nicht der Typ, der mit Verissen um sich wirft, weil etwas nicht die Qualität eines Nobelpreis-Romanes hat. Auch gute Trivalliteratur lobe ich herzlich gerne.
Ich weiß, dass in jedem Werk viel Herzblut steckt, aber wer veröffentlicht, muss sich auch der Kritik stellen.
Über dieses Buch habe ich mich ernsthaft geärgert.
Die Protagonisten haben die emotionale Reife von Präpubertierenden. Plausibilität ihres Handelns, greifbare Persönlichkeitsstruktur oder gar ein interessanter Charakter - Fehlanzeige. Die Hauptperson ist ein dauerheulender Super-Uke mit einem Stockholm-Syndrom vom Feinsten. Er wird vergewaltigt und kurz danach findet er die Berührungen seines Peinigers schon total erotisch, entdeckt binnen Kurzem gar gute Züge in ihm - das Vergewaltigungsopfer will ich sehen. Und wenn man so eine Wandlung beschreibt, dann bitte auf einem anderen Niveau. Es handelt sich hier auch keinesfalls um einen BDSM-Roman,falls der Eindruck erweckt worden sein sollte, der Sex bewegt sich im Einfallsreichtum auf Teenager-Niveau und steht auch keinesfalls im Zentrum des Geschehens. Der Gegenpart des Protagonisten verbleibt ebenfalls schablonenhaft, trägt Züge des Obermachos - und sonst nichts an nennenswerten Wesenszügen. Die Figur eines charismatischen Mafiabosses könnte reizvoll sein - kommt im Roman aber leider nicht vor, obwohl etwas in der Richtung wohl angestrebt war inklusive schwerster Gewissenkonflikte, die jedoch mangels psychologischen Tiefgangs im Keim ersticken.
Auch die Handlung selbst hat mich gelinde gesagt verwundert. Der Mafiaboss "muss" also heiraten der Familientradition wegen - und zwar irgendeinen Typen, den seine Schergen auf der Straße weggestohlen haben? Und verliebt sich dann in diese ständig 'ich will das aber nicht!' fiepsende Jammergestalt, die dann gerne genau das Gegenteil tut oder sich zumindest nicht ernsthaft wehrt? Will ihn mit sich auf eine Stufe stellen, obwohl er ihn kaum kennt und seine Beute sichtlich ungeeignet ist? Mal abgesehen davon, dass die Familientradition das ja verlangt. Zwangs-Schwulenehe. In Mafiakreisen. Aha.
Zum Guten kann man sagen, dass die Rechtschreibung ordentlich ist - der Stil ist hingegen umgangssprachlich, teils unbeholfen. Wortwiederholungen fallen unangenehm auf, da fehlt es der Autorin schlichtweg an sprachlicher Vielfalt.
Der Roman mag seine Fans finden, mich hat er streckenweise eher entsetzt. Themen wie AIDS, Vergewaltigung oder Gangstermorde werden angeschnitten und auf einem Level verhandelt, das beklemmend ist in seiner Unkenntnis und mangelnden Sensibilität.
Ein Hauch Ironie hätte die Sache vielleicht retten können - aber auf jede Andeutung von Humor wurde gleichfalls verzichtet.
Sicher gibt es deutlich Schlimmeres oder Bedenklicheres auf dem Buchmarkt - aber dieser Roman erreicht nicht mal mittleres Hobby-Autoren-Niveau.
In diesem Genre gibt es viel bessere Bücher, auf dieses kann man getrost verzichten.