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Reiche Mädchen
 
 
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Reiche Mädchen [Gebundene Ausgabe]

Silke Scheuermann
3.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (6 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 162 Seiten
  • Verlag: Schöffling; Auflage: 3 (1. Februar 2005)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3895613703
  • ISBN-13: 978-3895613708
  • Größe und/oder Gewicht: 21 x 13,4 x 2,2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (6 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 591.908 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Mehr über den Autor

Silke Scheuermann
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Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Silke Scheuermann ist eine der bedeutenden Lyrikerinnen der Gegenwart, ihr Umgang mit Sprache ein Leseerlebnis. Mit den Erzählungen "Reiche Mädchen" legt sie ihr erwartetes Prosadebut vor, poetisch und akzentuiert wie ihre Lyrik. Ironisch, lakonisch, amüsant und messerscharf zeichnet sie das Bild einer Generation, die sich nach dem Gewöhnlichen sehnt und doch so viel mehr als das Gewöhnliche will.

Klappentext

"Das Prosa-Debüt ist ein Glücksfall. In sieben schrägen Geschichten untersucht sie, was in Menschen vorgeht, die von Liebe sprechen."
Welt am Sonntag

"Scheuermanns Stil ist angenehm schnörkellos und amüsant, ihr Blick hart und realistisch, aber mit dem verstehenden Mitgefühl einer großen Schwester, einer mütterlichen Freundin, die so genau zuguckt, um alle Fehler zu erkennen und es beim nächsten Mal anders zu machen."
Literatz

"Große Erwartungen und heilsame Enttäuschungen schmiegen sich in diesem Buch eng aneinander. Silke Scheuermann kann mit Wörtern flüstern - und dann wieder recht laut werden. Sie erzählt raffiniert."
Wiener Zeitung -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.


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Kundenrezensionen

Die hilfreichsten Kundenrezensionen
17 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Gespaltene Gefühle 17. Februar 2005
Von H. P. Roentgen TOP 500 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe
Franziska hat es geschafft. Sie hat eine Stelle an der Universität, an der sie auch studiert hat, einen lieben Freund namens Timo und eigentlich findet sie, dass sie allen Grund zum Glücklichsein hat. Leider gibt es da Simon. Der ist verheiratet und ebenfalls an der Universität. Und immer wieder landen beide im Bett, immer wieder stellt sie ihm nach, ihr ganzes Leben stellt sie auf diesen Lover ein, verfolgt Vorträge, nur weil sie ihn dort treffen könnte. Im Bett liegen die beiden Haut an Haut, doch gleichzeitig liegen Lichtjahre zwischen ihnen.

Nicht grade neu, das Thema. Aber Silke Scheuermann versteht es, ihre Geschichte so intensiv zu erzählen, dass sie dem Leser so schnell nicht mehr aus dem Kopf geht. Wir spüren, wie die Ich-Erzählerin ihrem Kollegen verfallen ist, ihr Körper sie treibt, die Sicherungen gesprengt werden und dann zum Schluss ...

Eine faszinierende Erzählung, die ein altes Thema ganz neu beleuchtet, perfekt gemacht, mit eindrücklichen Personen. Auch stilistisch kann diese Erzählung überzeugen, obwohl die Autorin den modernen, unaufgeregten Stil verwendet, der heute als „literarisch" gilt. Aber anders als die anderen Fräulein-Wunder, anders als die vielen Epigonen in Schreibseminaren und Diskussionsrunden beherrscht sie ihn und zeigt, dass auch in der Literatur, nicht anders als in der Medizin die Dosis das Gift macht.

Sechs weitere Erzählungen enthält das Bändchen.

- Von Lisa, die im Frankfurter Rotlichtviertel eine Verabredung, ein blind date hat, davon ihrer Freundin erzählt und diese wiederum lässt diese Erzählung Revue passieren, teilt sie dem Leser mit, macht sich ihre eigenen Gedanken und zum Schluss auch eigene Erfahrungen („Lisa und der himmlische Körper")
- Von einem alten Ehepaar, der Mann längst in Rente und nun ein Blitzforscher, der hofft, dem Geheimnis der Kugelblitze auf die Spur zu kommen („Die Umgebung von Blitzen")
- Von Nette, einem jungen Mädchen, das eine Wohnung bewachen soll („Zickzack oder Die sieben Todsünden").
- Von dem Mann, dessen Frau fort ist und der für die Kinder seiner Schwester ein Puppenhaus baut („Puppenwelt")
- Von der jungen Frau, die die Welt, die Geschichten ihrer Lover aussaugt („Vampire")
- Von der jungen Frau, die eine alte Schulfreundin trifft, die immer mehr Kontakt zu ihr und ihrem Mann sucht. Bald vermutet der Leser eine Dreiecksgeschichte, aber dann ... („die Übergabe")

Aber keine dieser Geschichten hat die Intensität der ersten, hat mich als Leser derart in den Bann geschlagen. Sie sind nicht schlecht geschrieben, nicht langweilig, aber es fehlt die Intensität, die Nähe, die Spannung der ersten und ich kenne jede Menge Erzählungen, die schlechter sind.

Die letzten Geschichte („die Übergabe") wäre eigentlich sehr, sehr gut, eine scheinbare „Dreiecksgeschichte", die dann einen ganz eigenen Verlauf nimmt. Aber trotz anfänglicher Spannung fehlt ihr der Kick der ersten, was vermutlich an der gleichmäßigen Distanz liegt, aus der erzählt wird. Als Leser sehe ich quasi die ganze Zeit die Halbtotale, das, was die Erzählerin antreibt, bleibt im dunkel, erschließt sich mir nicht, dem komme ich nie nahe.

Ein ähnliches Problem hat auch die zweite Geschichte („Lisa und der himmlische Körper"), die wir aus der Perspektive einer Freundin erfahren, die das ganze nicht erlebt hat und uns quasi gleich doppelt von dem Geschehen fernhält. Auch hier wäre ein Wechsel der Kameraeinstellung, der Nähe, wohl vorteilhaft gewesen. Denn auch diese Erzählung hat Potenzial, das meiner Meinung nach nicht völlig ausgenutzt wurde. Vielleicht ist sie einfach in den anderen Geschichten dem Irrtum so vieler aufgesessen, Literatur ist, wenn man die Personen aus immer der gleichen Entfernung schildert?

Klingt das etwas enttäuscht? Es ist es und ist es auch nicht. Denn allein die erste Erzählung wäre den Preis des Buches wert. Und auch die anderen sind nicht 08/15 im üblichen Sinne, haben aber handwerkliche Mängel, die dazu führen, das sie auf mich nicht den Zauber ausüben, wie die erste, wie „Krieg oder Frieden", eine Geschichte, die mir lange im Kopf herumgegangen ist. Möglicherweise würde in der Umgebung von „Krieg oder Frieden" auch jede andere Erzählung blass bleiben, einfach, weil diese so gut ist?

Fazit: Silke Scheuermann kann schreiben, gar kein Zweifel. Bleibt zu hoffen, dass sie durch das - sicher bald einsetzende - Lob nicht auf einer Erzählschiene festgehalten wird, nicht immer nur das Gleiche aufs Neue probiert.

(C) Hans Peter Roentgen

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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Sehr schön geschrieben 30. August 2007
Von kfir TOP 500 REZENSENT
Format:Taschenbuch
Ich mag keine Kurzgeschichten, habe sie noch nie richtig gemocht. Kaum fangen sie an, hören sie auch schon wieder auf. Das lohnt doch gar nicht, das ist meine Einstellung seit Schulzeiten. Zeit, dies zu revidieren?

Hier haben wir gleich sieben Kurzgeschichten, in denen die Hauptpersonen junge Frauen spielen, jede mit einem kurzen Ausschnitt aus ihrem Liebesleben. Die beschriebenen Szenen sind thematisch sehr interessant und die Charaktere sehr fein und lebendig gezeichnet. Davon leben diese Kurzgeschichten, von der aussergewöhnlichen Intensität und Gewähltheit der Sprache. Ich war begeistert. Leider gibt die Autorin sich und den Geschichten nicht mehr Platz um sich mehr zu entfalten, ich hätte noch stundenlang weiterlesen können und mögen.

Ich mochte noch nie Kurzgeschichten, und jetzt mag ich sie irgendwie noch weniger. Kaum fangen sie an, hören sie auch schon wieder auf. Trotzdem schön, diese hier gelesen zu haben.
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5 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von K. Kopp
Format:Gebundene Ausgabe
Ein Mann – ein Auftrag – ein Puppenhaus. Sägen, Feilen, Kleben, Messen für Fülle und Perfektion. Jakob bastelt an der Miniaturwelt für seine kleine Nichte die ganzen Winterferien lang. Er lenkt sich damit ab, denn eigentlich sollte er mit seiner Freundin im Urlaub sein, wäre Mona nicht gegangen und hätte ihn mit Suff und Langeweile zurückgelassen. Er versucht – dem Kinde erzählend – „sich neu zu formieren“, und während seine Launen Krieg und Frieden mit der Beziehung spielen, steckt er allen Enthusiasmus in die kleine Scheinwelt. „Fülle und Perfektion waren das eine. Das andere aber war das Leben, das das Haus atmete, die Puppen darin sahen so lebendig aus wie Menschen.“
Jakob bezieht mitsamt seiner Puppenstube ein Zimmer in einer literarischen Neuerscheinung, die aus weiteren sechs Kleingeschichten besteht. Das Buch heißt Reiche Mädchen. Es ist der erste Erzählband der jungen Autorin Silke Scheuermann und hat die Architektur eines Hauses mit Refugien für handelnde Personen. Es ist gebaut aus Erinnerungen und Imaginationen, permanenter Abdrift erzählter Gedanken, einer seltsam unkontrollierbaren Flucht aus dem Außen. Und für die gibt es im Leben allerlei Anlässe.
So wohnt ganz vorn eine namenlose Akademikerin, gelangweilt vom Kollegenplausch an der Universität, die ein Problem mit Männern hat. Ihre Seitensprünge mit Simon verbirgt sie vor Timo trotz einer langjährigen Beziehung. Das ist zwar schwierig – aber prickelnd; die Gedanken sind frei. „Ich wachse auf der Stelle in dieser Position fest, in meinem Kopf beginnt Kino ab achtzehn. Was stehen wir eigentlich noch hier herum.“ Wohl wissend, „wie merkwürdig das Leben doch ist“, entledigt das Schicksal (und eine andere Frau) sie unverhofft und glücklicherweise aller Plagen. Simon geht. Timo bleibt. Punkt. So merkwürdig einfach ist das.
Die Menschen mit ihren inwändig erzählten Charakteren und Macken wehen in Silke Scheuermanns Geschichtenhaus von draußen herein, denn ihre Umwelt ist kalt und unwirtlich. Dort ist der Himmel verhangen und gewittrig. Dort warten die verflossenen Geliebten oder solche, die Geliebte werden wollen. Die Flüchtlinge arrangieren sich in opulenten Zimmern, die die Erzähler mit Detailbesessenheit proppevoll und abwechslungsreich für sie hergerichtet haben: In einem Loch von Wohnung und in Latexbekleidung verliert das Landei Lisa seine Unschuld, die Teenagerin Nette badet ganz platonisch mit einem Freund in einem plüschigen Haus, Carl geht vom Hotelbalkon aus auf die Pirsch nach Kugelblitzen mit seiner uninteressierten Frau Sophie. „Und hast du diesen Bettüberzug gesehen? Ist er nicht hübsch?“ Auf dem hübschen Überzug werden sie sich lieben. Ein Blitz ist Carl metaphorisch ins Glied gefahren und wirkt sich dort potenzsteigernd aus.
Man sieht, die Wände sind durchlässig. Motive und Themen durchschreiten sie, gehen in den sieben Erzählungen spazieren und legen sich in Lebensweisheiten schlafen. Das Leben sei eine Fotokiste. Menschen würden entwickelt wie Bilder. „Die ganze Welt war ein Lampenschirm, und er war das Licht“. Das ist der Sinnkeller, und oft wirkt er wie der Versuch einer Selbsttherapie von Figuren und Erzählern, die mit sich nicht zurecht kommen – auch nicht mit dem Buchtitel. Keiner ist reich und nicht alle sind Mädchen. Dieses Rätsel bleibt.
Tröstlich ist für den Leser, dass in diesem Irrenhaus ganz alltäglicher Begebenheiten die Insassen recht geschwätzig sind und keinerlei Pardon auch vor intimen Details kennen. Sex sells Reiche Mädchen? Angesichts solch’ brisanter Inhalte erscheint die Sprache der Texte soft, unbrutal und unbildlich. Hingegen hat sich ein rein formaler Verdacht bei der Lektüre nicht bestätigt: Silke Scheuermann steht nicht in der Tradition der „Fräuleinwunder“ Judith Hermann oder Kathrin Röggla, die sich fragwürdig verdient darum gemacht haben, Belangloses belanglos zu erzählen. Sie bedient sich nicht an einem Kasten aus Textbausteinen, sondern komponiert rhythmisch raffiniert und mit Sentiment mal Satzkolonnen, mal spartanisch knapp.
Die Geschichten reizen mit der unbedingten Nichtigkeit von Ereignissen und deren Sinngehalt, obwohl die Figuren bei sich auf der Suche nach geläufigen Lebensmustern (meist aus dem Fernsehen) sind. „Doch ich darf nicht daran denken, ich habe die Treffen zwischen uns tausendmal auf eine Entwicklung hin abgeklopft, auf eine Geschichte, aber es gibt keine.“ Dem Leser von Reiche Mädchen ergeht es ebenso. Es ist ein kurzweiliges Buch, das man nicht in einem Zug konsumieren muss und das blitzartig einschlägt, Erkenntnisse verkauft. Umsonst wetterte ein Feuilletonist der Frankfurter Rundschau, es mangele Silke Scheuermann an epischem Material. Offenkundig hat sie diesen Anspruch nicht. Reiche Mädchen – ein unanstrengender Erzählband für die Badewanne, derweil es draußen regnet.

(C) Kristian Kopp

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