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Reibereien [Gebundene Ausgabe]

Philippe Djian , Uli Wittmann
3.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (8 Kundenrezensionen)

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Kurzbeschreibung

2005
Er sieht gut aus, ist liebenswürdig und charmant, hat Erfolg bei den Frauen und kommt zu Geld. Alles bestens, wie es scheint - wäre da nicht seine Mutter, die immer dann Hilfe braucht, wenn er sie selbst am nötigsten hätte.
-- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 233 Seiten
  • Verlag: Diogenes; Auflage: 1 (2005)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3257064691
  • ISBN-13: 978-3257064698
  • Größe und/oder Gewicht: 18,6 x 12,4 x 2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (8 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 725.637 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Auf dem Ich-Erzähler von Philippe Djians Roman liegt ein Fluch. Das besondere ist, dass er sich selbst mit diesem Fluch belegt hat. Denn als der Vater nach einem Ehekrach das Haus verließ, versprach der damals 11-Jährige seiner Mutter, bis an sein Lebensende bei ihr zu bleiben. Das Versprechen wird er auch einhalten, für immer, also bis zum Schluss des Romans. Er wird auf ein glückliches Leben verzichten, auf Affären mit Frauen, und das, obwohl er mehr als genug Geld dazu verdient. Stattdessen bleibt er der Mutter treu, soviel sie sich auch um den Verstand saufen wird oder sich von einem behaarten Männerarm in den nächsten stürzt. Am Ende drückt er lieber die Zigarette in ihrer Hand aus und legt ihr nach der Begegnung mit Carole und seinem Kind den Kopf in den Schoß. Vielleicht geht er aber doch? „Ich gehe nach Hause und warte auf dich“, sagt jedenfalls Carole. „Und wenn du nicht kommst, habe ich eben Pech gehabt.“

Den Ausgang von Reibereien darf man ruhig verraten, zumindest derart andeutungsweise, denn er ist nicht wichtig für das Buch. Man verrät dem Leser damit nichts, was ihm der -- wieder einmal herrlich untröstliche, teils pathetische, teils selbstironische und humorvolle -- Ton Djians nicht mit jedem Satz ohnehin schon signalisieren würde. Reibereien ist also wieder ein echter Djian geworden, nach eher schwächeren Romanen wie Schwarze Tage, weiße Nächte oder Sirenen wieder ein großes Buch -- eine zauberhafte Parabel über ewige Zuneigung, selbst auf Kosten der großen Liebe. Mit viel Situationskomik und Rastlosigkeit geschrieben, ein Salinger für unsere Tage. --Stefan Kellerer

Über den Autor

Philippe Djian, geboren 1949, lebt in Lausanne. -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

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Kundenrezensionen

3.0 von 5 Sternen
3.0 von 5 Sternen
Die hilfreichsten Kundenrezensionen
17 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Ein Kunde
Format:Gebundene Ausgabe
Tja, manche kritisch Stimme behauptet, Djian ähnele immer mehr seinen Vorbildern - und seine Schreibe würde langsam zum Plagiat. Seltsam, wenn man sich daran erinnert, dass das „enfant terrible" in den 1980er und 90er Jahren noch hemmungslos von allen mit Brautigan, Carver, Kerouac, Fante, ja sogar Miller verglichen und in eine Reihe gestellt wurde. Es sei dahin gestellt, ob sich Djian trotz all seiner Ehrfurcht vor diesen großen Autoren mit einer so leichtfertigen Schubladenkategorisierung glücklich war. Und heute nimmt man ihm das übel, was man ihm damals auf die Stirn zu stempeln versucht hatte. Ganz ehrlich, mir wird dabei ganz schön flau im Magen.

Sicherlich ist „Reibereien" nicht die Neuauflage von „Betty Blue - 37,2° am Morgen" (Originaltitel: „37,2° le matin"). Wer das nach mittlerweile fast zwanzig Jahren immer noch erwartet, der ist hoffnungslos verloren. Der hat nicht begriffen, dass Djian bzw. seine Ich-Protagonisten tatsächlich Kinder sind. Sie werden zwar älter, aber werden wohl niemals in der Lage sein, aus ihren Fehlern zu lernen und ihrem Schatten zu springen. Djian, mittlerweile über fünfzig Jahre alt, braucht sich nichts mehr beweisen - er richtet stattdessen seinen Blick auf die kleinen Details, die große Wirkungen erzielen. Gerade „Reibereien" mit seinen etwas mehr als 200 Seiten ist ein gutes Beispiel dafür. Große Zusammenhänge spielen kaum noch eine Rolle - die episodenhafte Geschichte erzählt lose aus dem Leben eines Mannes. der als Elfjähriger seiner Mutter verspricht: „Ich verlasse dich nie". Aus dieser fürsorglichen Liebe zur Mutter wird Distanz, Hass, Verständnis und am Ende (als der Protagonist etwa im Alter von Djian ist) erneut Liebe - diesmal aus Fürsorge für sich selbst?

Sicherlich ist es verdächtig, dass sich manche Motive und Bilder in Djians Büchern wiederholen. Da wird mal ein Hund erschlagen, der Protagonist landet in diversen Betten (in den letzten Büchern gern auch mit verheirateten Frauen) und auch der Vater-Tochter-Konflikt klingt wie schon-mal-gelesen. Zu seiner Verteidigung muss ich aber sagen: Djian hat sich nie als Erzähler mit einer unendlichen Bandbreite profiliert, sondern als ein Erzähler mit einem Skalpell: Er zieht den Ereignissen mit feinen Schnitten die einzelnen Schichten ab, legt sie skrupellos offen, dass es schon schmerzt, und analysiert auf seine typische Art und Weise das Ergebnis - um provokante Schlüsse zu ziehen. Er lässt seine Protagonisten in offene Messer laufen und hält uns als Leser den Blick auf das „gesetzmäßig Unvermeidbare" frei, zieht den Vorhang beiseite. Djian ist vielleicht ein Zeremonienmeister, ein Meister des kristallklaren Wortes, des genauen Satzes (Zur Erinnerung: Er ist der Jäger des Semikolons!), nicht mehr, aber auch nicht weniger!

„Reibereien" ist nicht unbedingt das Buch, dass ich jemanden empfehlen würde, der vorher noch kein Wort von Djian gelesen hat. Es ist randvoll mit Anspielungen, für die ich dem Leser einige Djian-Grundkenntnisse empfehle (dafür eignet sich nach wie vor die Trilogie aus „Betty Blue", „Erogene Zone" und „Verraten und verkauft"). Meine Empfehlung soll jedoch kein Verbot sein, denn an sich wimmelt es in allen anderen Büchern Djians ebenfalls von Anspielungen, die sich einem in der Regel erst nach wiederholtem/mehrmaligem Lesen erschließen.

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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Tom Ripley x Sallinger = Dijan's "Reibereien" 2. Juni 2005
Format:Gebundene Ausgabe|Von Amazon bestätigter Kauf
Dijan beschriebt als Ich-Erzähler in fünf Episoden im 10-Jahres Abstand die Geschichte eines jungen Mannes, der seiner Mutter verspricht, sie niemals zu verlassen, als die Ehe der Eltern zerbricht. Die Ausgangssituation und dieser Ablauf sind eigentlich nebensächlich. Herrlich ist die "abgedrehte" Handlung und die kaputten Protagonisten. Was nicht wirklich erklärt sondern nur vage angedeutet wird, ist, dass der Vater eigentlich ein Verbrecher, vermutlich Bankräuber, ist. Haufenweise bringt er das Geld in Plastiksäcken nach Hause. Ebenso im Laufe der Handlung der Herr Sohn, der Ich-Erzähler. Nie wird direkt darauf Bezug genommen, nur einmal wird er, in einem Nebensatz, beim Einbrechen fast erwischt, als er eine Alarmanlage auslöst. Herrlich, wie sich der Ich-Erzähler Tom Ripley-artig durch eine verrückte Welt, die Sallinger erfunden haben könnte, bewegt und immer irgendiwe durchkommt. Wird die schwangere Ehefrau, der man überdrüssig geworden ist und die man gerade vor ihren Augen betrogen hat, lästig - flugs wird man durch eine tödliche Explosion von ihr befreit. Herrlich morbide, kranke, unmoralische und skurile Geschichte in der man sich doch immer wieder ein bißchen wiedererkennt, z. B. dann, wenn die eigene Tochter an den falschen Mann gerät.
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6 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Fünf Abschnitte im Leben eines Mannes. 26. März 2005
Von Pepe4711
Format:Gebundene Ausgabe
Der 11-jährige Knabe leidet unter der Abwesenheit des Vaters, als 22-jähriger geniesst er das Leben als Unterhosen-Präsentator und verflucht den Beinahe-Ehemann seiner Mutter, als 32-jähriger ist er mit einer Frau verheiratet, die ihm mächtig auf den Wecker geht, die ein Kind von ihm erwartet und ihn mit einer anderen Frau erwischt, als 40-jähriger kümmert er sich kaum um seine 8-jährige Tocher und sorgt dafür, dass sich der aktuelle Freund seiner Mutter zu Tode säuft, und mit seinen 53 Jahren liebt seine Tochter einen Mann um die Sechzig und heiratet schliesslich einen jungen Möchtegern-Künstler.

Der Vater des Protagonisten war ein Krimineller, und vermutlich ist der Protagnost selbst auch einer (Djian deutet nur an), jedenfalls scheint er nie unter Geldknappheit zu leiden, und auch bei den Frauen kommt er gut an (sein Bett ist selten leer) -- ein Buch von Djian eben.

Die ersten drei Episoden sind sehr feinfühlig und knapp geschrieben (= ausgezeichnet, hervorragend), bei den letzten beiden Episoden wird Djian etwas schlampig, langatmig, langweilig, und auch das Selbstmitleid kommt (mal wieder) nicht zu kurz. -- In den letzten Jahren hat Djian für mich nur noch unbedeutende, langweilige, ärgerliche Bücher geschrieben, mit "Reibereien" scheint Djian auf dem Weg zur Besserung ...

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