oder
Loggen Sie sich ein, um 1-Click® einzuschalten.
oder
Mit kostenloser Probeteilnahme bei Amazon Prime. Melden Sie sich während des Bestellvorgangs an. Erfahren Sie mehr
Alle Angebote
Möchten Sie verkaufen? Hier verkaufen
Reißt diese Schulen ein!: Wege aus der Bildungskrise
 
 
Den Verlag informieren!
Ich möchte dieses Buch auf dem Kindle lesen.

Sie haben keinen Kindle? Hier kaufen oder eine gratis Kindle Lese-App herunterladen.

Reißt diese Schulen ein!: Wege aus der Bildungskrise [Gebundene Ausgabe]

Roland Seidl
5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
Preis: EUR 17,95 kostenlose Lieferung. Siehe Details.
  Alle Preisangaben inkl. MwSt.
o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o
Auf Lager.
Verkauf und Versand durch Amazon.de. Geschenkverpackung verfügbar.
Nur noch 1 Stück auf Lager - jetzt bestellen.
Lieferung bis Mittwoch, 30. Mai: Wählen Sie an der Kasse Morning-Express. Siehe Details.
‹  Zurück zur Artikelübersicht

Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Die Schule ist tot – es lebe die Schule

Das deutsche Schulsystem hängt am Tropf. Überholte Strukturen verhindern zeitgemäßes Lernen und beeinträchtigen notwendige Reformen. Roland Seidl liefert eine schonungslose Analyse der aktuellen Bildungssituation. Seine vorgeschlagenen Reformen bekämpfen die Misere grundlegend und bringen finanzielle Einsparungen in Milliardenhöhe mit sich.

Über den Autor

Roland Seidl, geb. 1952, ist Lehrer für Mathematik und Physik in der Sekundarstufe I. Er ist seit 1977 im hessischen Schuldienst und arbeitet seit 1998 an einer integrierten Gesamtschule. Zwischenzeitlich war er auch in der Lehrerfortbildung tätig und entwickelte Software für den Unterricht, die in den 1990er-Jahren in vielen deutschen Schulen eingesetzt wurde. Der Autor lebt in Taunusstein.

Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Widersprüchlicher könnte ein Bild kaum sein, als das derzeit von Schulen in Deutschland gebotene. Da gibt es Anstalten, die immer noch Anstalten sind. Wir sehen Lernfabriken, in denen es fabrikmäßiger zugeht als in mancher Fabrik. Da bedrohen uns einstürzende Neubauten, die man wirklich nicht betreten mag, nicht nur wegen der maroden Bausubstanz. Wieso lassen es Eltern zu, dass ihre Kinder täglich dorthin gehen?
Zugleich werden neue Schulen gegründet und bestehende werden umgegründet. Es entstehen ganz anders beschaffene Lernlandschaften. Architekten bauen Schulhäuser, in denen Besucher irritiert fragen, wo geht es hier denn zur Schule? Man staunt über Räume, in denen sich Kinder frei bewegen und nicht groß zum Lernen motiviert werden müssen. Kürzlich filmten wir in einer solchen Schule, der Laborschule Bielefeld. Wir haben beobachtet, wie Fünf- bis Achtjährige gemeinsam spielen und lernen. Nach zwei Tagen sagte der Kameramann: "Ich habe noch kein einziges gelangweiltes Gesicht gesehen."
Diese Schulen beweisen, was die meisten Menschen hierzulande bisher nicht für möglich gehalten haben: Lust und Leistung sind keineswegs wie Feuer und Wasser. Lernen ist keine bittere Medizin, die desto besser wirkt, je schlechter sie schmeckt. Im Gegenteil. Eigentlich weiß das ja auch jeder. Wenn wir von einer Sache begeistert sind, dann leisten wir am meisten. Schulen, die begeistern, sind zwar noch in der Minderheit, aber sie stehen nicht mehr am Rande. Wenn man sich die Liste derer ansieht, die in den vergangenen Jahren mit dem Deutschen Schulpreis ausgezeichnet wurden, dann sind es durchweg Schulen, in denen sich beherzte Pädagogen irgendwann an dem Spruch der Bremer Stadtmusikanten aufgerichtet haben: Etwas Besseres als den Tod finden wir überall. Es sind Schulen, die versuchen, Noten so spät wie möglich zu geben. Es sind Schulen, die Kinder unterschiedlichen Alters in Lerngruppen mischen, weil die Kinder in einer Jahrgangsklasse ohnehin auf verschiedenen Entwicklungsstufen sind. Weil überhaupt alle Menschen verschieden sind und weil es ein Vorteil ist, verschieden zu sein. Verschiedenheit ermöglicht es, voneinander zu lernen. Genau genommen sind Unterschiede die Voraussetzung fürs Lernen überhaupt. Lernen im Gleichschritt, wie es der Unterricht in den üblichen Schulklassen vorsieht, geht eigentlich gar nicht. Das ist kein Lernen, das sind Varianten des Kopierens und des Mitmachens.
Lernen können nur Individuen, und jedes lernt ein wenig anders, aber eben dafür brauchen diese Individuen Gesellschaft. Sie brauchen eine möglichst vielfältige, wohlwollende und herausfordernde Umgebung. In solchen Lernlandschaften lernen Schüler mehr voneinander als von ihren Lehrern. Aber die Lehrerinnen und Lehrer müssen die gut klimatisierte Umgebung mit vielen Herausforderungen und Gelegenheiten schaffen. Solche Lehrer laden ihre Schüler wie Gastgeber ein. Sie drohen nicht mit dem Ernst des sogenannten "späteren Leben", das ja häufig noch wie eine Strafe in Aussicht gestellt wird - und davor die Schule wie eine zur Bewährung ausgesetzte Vorstrafe.
Das große Problem unserer Schulen ist die Angst. Angst vor dem Scheitern. Angst vor Fehlern. Angst davor, nicht dazuzugehören und irgendwann als blinder Passagier entlarvt zu werden. In dieser Atmosphäre verschwindet das Leben. Bald ist es nicht mehr die Angst vor diesem oder jenem, die lähmt. Bald herrscht Angst vor der Angst. Kinder und Jugendliche werden dann zu coolen Bluffern oder geschickten Vermeidern erzogen.
Eine zarte, fein verteilte Angst kann ja durchaus ein intelligentes Wahrnehmungsorgan sein. Man könnte sogar sagen, eine gute Schule wäre eine, in der man Angst haben darf. In der man sie sich leisten kann und sie zugeben darf. Dafür muss die Institution allerdings verschwenderisch Sicherheit und Vertrauen bieten. Nur dann werden Kinder und Jugendliche und auch die Erwachsenen es wagen, sich dem Wagnis aussetzen, sie selbst zu werden, und es nicht mehr vorziehen, geklonte Exemplare zu sein.
In den meisten Schulen soll man immer noch am Anfang schon fertig und irgendwie perfekt sein. Kann man so lernen? Kann man so Neues wagen? Wird man sich in solchen Schulen nicht vor allem darin üben, lieber intelligent zu gucken, als mit angeblich dummen Fragen aufzufallen?
Das traurige Ergebnis dieser Art von Scheinbildung zeigt die jüngste der regelmäßig im Auftrag des Bundesbildungsministeriums erhobenen Konstanzer Studenten-Studie. Ein Ergebnis im Jahr 2009: Immer weniger Studierende glauben, ihre berufliche Karriere und politische Entscheidungen beeinflussen zu können. Diese resignative Einstellung ist bislang nur bei Jugendlichen ohne berufliche Qualifikation so stark verbreitet gewesen. Was bedeutet es, wenn die Überzeugung, ohnmächtig und wirkungslos zu sein, neuerdings auch die Studenten prägt?
Diese Art von Nichtbildung wird uns teuer zu stehen kommen. Sie wird - scheinbar paradox - ausgerechnet von einer Ökonomisierung der Ausbildung forciert. Zensuren und Credit-Points haben sich zu obersten Zielen verselbstständigt. In deren Schatten sind Wissen und Können zweitrangig geworden. Der Lernbetrieb wird in einen angestrengten Leerlauf getrieben. Von Bildung kann dann häufig gar nicht mehr die Rede sein.
In den Lernfabriken schrumpft Zeit. Dabei heißt doch der Kern der europäischen Bildungsidee "Scholae." Das bedeutete in der Antike "Muße", "frei sein von Geschäften". Muße ist auch ökonomisch gesehen produktiver als Bluff.
Aber viele Schüler und Studenten machen da nicht mehr mit. Sie gehen neuerdings wieder auf die Straße. Wenn sie sich nicht länger wie Betriebswirtschaftler ihrer selbst verwerten wollen, brauchen sie Ermutigung und Unterstützung. Es wird Zeit, nicht mehr allgemein und strategisch über Bildungspolitik zu reden, sondern sich um den Umbau einzelner Schulen zu kümmern, um den Kindergarten um die Ecke, vielleicht um die Hochschule, an der man selbst studiert hat. Die Jugendlichen brauchen Paten und Botschafter aus der tätigen Welt. Sie brauchen Gesellschaft. Nicht nur "die Gesellschaft", die als Staat auftritt, sondern Gesellschaft als Umgebung, als Bündnispartner. Sie brauchen Freunde, Leute, die zu ihnen gehen, die etwas mitbringen, vor allem sich selbst.
Wenn die häufig erschlafften Schüler in den oberen Klassen ihr "Bulimielernen" ekelt und sie sich nun fragen, ob ihre Zertifikate im Zweifelsfall so leer sind wie manche Derivate auf den Finanzmärkten, dann brauchen sie Mentoren, die mit ihnen die Bildung neu denken. Bloß zu funktionieren und sich durchzuschlagen, kann kein Bildungsziel sein.
Das Skandalöse und schwer zu Begreifende am derzeitigen Zustand ist ja, dass die Zeit vorbei ist, da es eine gewisse Systemlogik hatte, Schülern beizubringen, "Du bist ein Niemand", um die so Entkernten dann an Marionettenfäden zu legen.

Prolog. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Widersprüchlicher könnte ein Bild kaum sein, als das derzeit von Schulen in Deutschland gebotene. Da gibt es Anstalten, die immer noch Anstalten sind. Wir sehen Lernfabriken, in denen es fabrikmäßiger zugeht als in mancher Fabrik. Da bedrohen uns einstürzende Neubauten, die man wirklich nicht betreten mag, nicht nur wegen der maroden Bausubstanz. Wieso lassen es Eltern zu, dass ihre Kinder täglich dorthin gehen?Zugleich werden neue Schulen gegründet und bestehende werden umgegründet. Es entstehen ganz anders beschaffene Lernlandschaften. Architekten bauen Schulhäuser, in denen Besucher irritiert fragen, wo geht es hier denn zur Schule? Man staunt über Räume, in denen sich Kinder frei bewegen und nicht groß zum Lernen motiviert werden müssen. Kürzlich filmten wir in einer solchen Schule, der Laborschule Bielefeld. Wir haben beobachtet, wie Fünf- bis Achtjährige gemeinsam spielen und lernen. Nach zwei Tagen sagte der Kameramann: "Ich habe noch kein einziges gelangweiltes Gesicht gesehen."Diese Schulen beweisen, was die meisten Menschen hierzulande bisher nicht für möglich gehalten haben: Lust und Leistung sind keineswegs wie Feuer und Wasser. Lernen ist keine bittere Medizin, die desto besser wirkt, je schlechter sie schmeckt. Im Gegenteil. Eigentlich weiß das ja auch jeder. Wenn wir von einer Sache begeistert sind, dann leisten wir am meisten. Schulen, die begeistern, sind zwar noch in der Minderheit, aber sie stehen nicht mehr am Rande. Wenn man sich die Liste derer ansieht, die in den vergangenen Jahren mit dem Deutschen Schulpreis ausgezeichnet wurden, dann sind es durchweg Schulen, in denen sich beherzte Pädagogen irgendwann an dem Spruch der Bremer Stadtmusikanten aufgerichtet haben: Etwas Besseres als den Tod finden wir überall. Es sind Schulen, die versuchen, Noten so spät wie möglich zu geben. Es sind Schulen, die Kinder unterschiedlichen Alters in Lerngruppen mischen, weil die Kinder in einer Jahrgangsklasse ohnehin auf verschiedenen Entwicklungsstufen sind. Weil überhaupt alle Menschen verschieden sind und weil es ein Vorteil ist, verschieden zu sein. Verschiedenheit ermöglicht es, voneinander zu lernen. Genau genommen sind Unterschiede die Voraussetzung fürs Lernen überhaupt. Lernen im Gleichschritt, wie es der Unterricht in den üblichen Schulklassen vorsieht, geht eigentlich gar nicht. Das ist kein Lernen, das sind Varianten des Kopierens und des Mitmachens.Lernen können nur Individuen, und jedes lernt ein wenig anders, aber eben dafür brauchen diese Individuen Gesellschaft. Sie brauchen eine möglichst vielfältige, wohlwollende und herausfordernde Umgebung. In solchen Lernlandschaften lernen Schüler mehr voneinander als von ihren Lehrern. Aber die Lehrerinnen und Lehrer müssen die gut klimatisierte Umgebung mit vielen Herausforderungen und Gelegenheiten schaffen. Solche Lehrer laden ihre Schüler wie Gastgeber ein. Sie drohen nicht mit dem Ernst des sogenannten "späteren Leben", das ja häufig noch wie eine Strafe in Aussicht gestellt wird - und davor die Schule wie eine zur Bewährung ausgesetzte Vorstrafe.Das große Problem unserer Schulen ist die Angst. Angst vor dem Scheitern. Angst vor Fehlern. Angst davor, nicht dazuzugehören und irgendwann als blinder Passagier entlarvt zu werden. In dieser Atmosphäre verschwindet das Leben. Bald ist es nicht mehr die Angst vor diesem oder jenem, die lähmt. Bald herrscht Angst vor der Angst. Kinder und Jugendliche werden dann zu coolen Bluffern oder geschickten Vermeidern erzogen.Eine zarte, fein verteilte Angst kann ja durchaus ein intelligentes Wahrnehmungsorgan sein. Man könnte sogar sagen, eine gute Schule wäre eine, in der man Angst haben darf. In der man sie sich leisten kann und sie zugeben darf. Dafür muss die Institution allerdings verschwenderisch Sicherheit und Vertrauen bieten. Nur dann werden Kinder und Jugendliche und auch die Erwachsenen es wagen, sich dem Wagnis aussetzen, sie selbst zu werden, und es nicht mehr vorziehen, geklonte Exemplare zu sein.In den meisten Schulen soll man immer noch am Anfang schon fertig und irgendwie perfekt sein. Kann man so lernen? Kann man so Neues wagen? Wird man sich in solchen Schulen nicht vor allem darin üben, lieber intelligent zu gucken, als mit angeblich dummen Fragen aufzufallen?Das traurige Ergebnis dieser Art von Scheinbildung zeigt die jüngste der regelmäßig im Auftrag des Bundesbildungsministeriums erhobenen Konstanzer Studenten-Studie. Ein Ergebnis im Jahr 2009: Immer weniger Studierende glauben, ihre berufliche Karriere und politische Entscheidungen beeinflussen zu können. Diese resignative Einstellung ist bislang nur bei Jugendlichen ohne berufliche Qualifikation so stark verbreitet gewesen. Was bedeutet es, wenn die Überzeugung, ohnmächtig und wirkungslos zu sein, neuerdings auch die Studenten prägt?Diese Art von Nichtbildung wird uns teuer zu stehen kommen. Sie wird - scheinbar paradox - ausgerechnet von einer Ökonomisierung der Ausbildung forciert. Zensuren und Credit-Points haben sich zu obersten Zielen verselbstständigt. In deren Schatten sind Wissen und Können zweitrangig geworden. Der Lernbetrieb wird in einen angestrengten Leerlauf getrieben. Von Bildung kann dann häufig gar nicht mehr die Rede sein.In den Lernfabriken schrumpft Zeit. Dabei heißt doch der Kern der europäischen Bildungsidee "Scholae." Das bedeutete in der Antike "Muße", "frei sein von Geschäften". Muße ist auch ökonomisch gesehen produktiver als Bluff.Aber viele Schüler und Studenten machen da nicht mehr mit. Sie gehen neuerdings wieder auf die Straße. Wenn sie sich nicht länger wie Betriebswirtschaftler ihrer selbst verwerten wollen, brauchen sie Ermutigung und Unterstützung. Es wird Zeit, nicht mehr allgemein und strategisch über Bildungspolitik zu reden, sondern sich um den Umbau einzelner Schulen zu kümmern, um den Kindergarten um die Ecke, vielleicht um die Hochschule, an der man selbst studiert hat. Die Jugendlichen brauchen Paten und Botschafter aus der tätigen Welt. Sie brauchen Gesellschaft. Nicht nur "die Gesellschaft", die als Staat auftritt, sondern Gesellschaft als Umgebung, als Bündnispartner. Sie brauchen Freunde, Leute, die zu ihnen gehen, die etwas mitbringen, vor allem sich selbst.Wenn die häufig erschlafften Schüler in den oberen Klassen ihr "Bulimielernen" ekelt und sie sich nun fragen, ob ihre Zertifikate im Zweifelsfall so leer sind wie manche Derivate auf den Finanzmärkten, dann brauchen sie Mentoren, die mit ihnen die Bildung neu denken. Bloß zu funktionieren und sich durchzuschlagen, kann kein Bildungsziel sein.Das Skandalöse und schwer zu Begreifende am derzeitigen Zustand ist ja, dass die Zeit vorbei ist, da es eine gewisse Systemlogik hatte, Schülern beizubringen, "Du bist ein Niemand", um die so Entkernten dann an Marionettenfäden zu legen.
‹  Zurück zur Artikelübersicht

Datenschutzerklärung von Amazon.de Versandbedingungen von Amazon.de Umtausch- & Rücknahme bei Amazon.de