Im postumen Richard Bachmann Werk, ganz 'offen' als Stephen Kind Pseudonym gehandelt, geht es sehr bunt gemischt einher.
Es treffen Gedankenlesen, Vorsehung, übersinnliche Wahrnehmung, Gespenstererscheinungen, Wesenheit(en), Telephatie, Telekinese, Geistreisen, Seelenwanderung, Parallelwelten und Virtual Reality (nicht alles gleich massiv) auf geradezu einen ganzen Park an Figuren aus Comichelden (Action Heros), Westernbanditen original aus dem Fernsehen und der kompletten Bewohnerschaft eines Straßenzuges einer fast idyllischen amerikanischen Vorstadt. Die Personalspannweite reicht von ganz jung bis alt, von nahezu ägyptischer Uralt-Zeit bis zu futuristischer Zukunft, von lebendiger Vergangenheit bis in sterbende Gegenwart.
Nicht umsonst ist dem Buch eine Skizze zugefügt und damit das wer-wohnt-wo & wo-ist-was verdeutlicht - sehr hilfreich, in der Tat!
In Form gebracht wird dieses Tohuwabohu in einer Mixtur aus unterschiedlichen Briefen, Tagebucheinträgen, Postkarten, Zeitungsausschnitten, Drehbuchauszügen und Zeichnungen, dazu einem permanenten, gar rastlosen, raschen Springen der Erzählperspektive einer Figur zur anderen, von einem Absatz zum nächsten - und das konstant. Da ist man über längere 'Oasen' von Tagebucheinträgen oder Briefen froh, da hier auch mal in einem Rutsch gut durchgelesen werden kann.
Der Inhalt an sich steht den Mitteln und Zutaten in nichts nach. Die Geschichte ist sehr abgedreht, aber sehr fantasievoll, und spitzt sich im Verlauf in immer neuen Drehungen beharrlich zu. Es wird nicht durchweg alles erklärt, daher ist 'anhaftendes' Mitdenken äußerst hilfreich (an der Story 'kleben', denn sie ist sehr schnell); Man muß sich schon konzentrieren, um sowohl den Gesamtfaden als auch die einzelne Handlung im Kleinen im Verständnis zu behalten (s.o.).
Insgesamt ein wahrhaft wildes Potpourri an Eindrücken, Stilmitteln & Figuren, das gerade deswegen vielleicht ein wenig artifiziell wirkt, ich so aber Stephen King überhaupt nicht (mehr) zugetraut hätte; Hier lebt sich jemand richtig aus. Darüber hinaus können eigentlich alle 'alten' Fans dieses Autors hier bedenkenlos zuschlagen, denn es wird wahrlich splatterhaft gemetzelt, viel, sehr blutig, roh und durchweg ohne Rücksicht auf Verluste in gewaltvoller Atmosphäre. Uffz.
Man muß sich mit einem großen Schritt auf die Art des Buches einlassen (sonst wird es zäh, wirr und anstrengend), bei mir hat das zwar bis über die Hälfte hinaus gedauert, aber dann hat einen das Dargebotene fest in der Hand und macht begierig darauf, wie und ob die Geschichte im Parallelband direkt von Stephen King (der meiner vagesten Vermutung nach auch als zweiter entstanden sein müßte) erneut bizzarste Blüten treibt!
Vier dünne, aber helle Sterne.