Unter den wichtigsten Vertretern des Neuen Deutschen Films ist Peter Lilienthal sicherlich derjenige, der am deutlichsten vom Klischee des einstigen Jungfilmers absticht. Geboren 1929 in Berlin, ist er rund fünfzehn Jahre älter als jene Kriegs und Nachkriegsgeneration, die in den späten 60er Jahren mit dem Filmen begann. Aus jüdischer Familie stammend, musste er zudem schon als Neunjähriger emigrieren. In den 50er Jahren kehrte er aus Montevideo zurück nach Europa. Er studierte zuerst in Paris, dann in Berlin.
Lilienthal war also einer der wenigen Regisseure des Neuen Deutschen Films, die nicht erst autodidaktisch ihr Handwerk lernen mussten. Ganz im Gegenteil wirkte er sogar von 1966 bis 1968 an der Filmakademie in Berlin als Dozent. Entsprechend seiner Biografie entstanden nur wenige seiner Filme wie etwa David in Deutschland. Alle anderen wurden wie etwa Der Aufstand und Es
herrscht Ruhe im Land in Lateinamerika oder wie Dear Mr. Wonderful in den USA gedreht. Dennoch ist Lilienthal ein sehr deutscher Regisseur und außerdem ein typischer Autorenfilmer: indem er nämlich immer aufs Neue die traumatische Situation seiner Kindheit und die politischen Umstände seiner Herkunft an aktuellen und akuten Gegebenheiten überprüft und reflektiert.