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Regionalwährungen: Neue Wege zu nachhaltigem Wohlstand
 
 
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Regionalwährungen: Neue Wege zu nachhaltigem Wohlstand [Gebundene Ausgabe]

Margrit Kennedy , Bernard A. Lietaer , Elisabeth Liebl
4.8 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (5 Kundenrezensionen)
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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

„Ein MUSS für Alle, die sich nicht mehr auf die Politik allein verlassen möchten.“ (BODY, MIND & SOUL )

„An sich sind Regionalwährungen für alle interessant, aber für Initiativen, die sich mit der Einführung des Regio befassen, ist es eine absolute Pflichtlektüre.“ (SCHUMACHERGESELLSCHAFT FÜR POLITISCHE ÖKOLOGIE )

Kurzbeschreibung

Das so selbstverständlich gewordene und scheinbar gut funktionierende kapitalistische Wirtschaftssystem gerät ins Stocken. Eine Arbeitslosenquote von über 10 Prozent stellt nicht nur unsere Sozialsysteme vor eine Zerreißprobe, sondern bringt die öffentlichen Haushalte in größte Not. Wenn einerseits immer mehr produziert, andererseits Geld für die überwiegende Mehrheit zunehmend knapp wird, muss nach Erklärungen für diesen scheinbaren Widerspruch gesucht werden. Höchste Zeit, grundsätzliche Fragen zu stellen!

Margrit Kennedy und Bernard Lietaer, die sich beide schon seit zwei Jahrzehnten mit der Thematik unserer Geldqualität auseinander setzen, untersuchen die Chancen und Umsetzungsmöglichkeiten von Regionalwährungen – ein Thema, das in Deutschland bislang kaum bekannt ist. Dabei existiert weltweit neben den offiziellen Landeswährungen bereits eine Vielzahl von Regionalwährungen – über 250 allein in dem seit über 10 Jahren von einer heftigen Rezession betroffenen Japan.

Die Autoren belegen die Problematik des zinsgesteuerten Geldes und zeigen demgegenüber anhand von Beispielen die positiven Effekte von Regionalwährungen. Mit dem System des „Regios“ wird Geld aus der Sphäre des Spekulativen herausgenommen. Es zirkuliert dort, wo es sich produktiv auswirkt: im regionalen Kreislauf. Regionalwährungen, die neben dem existierenden Euro als Zahlungsmittel eingeführt würden, könnten einen wirtschaftlichen Aufschwung herbeiführen.

Anhand aktueller Beispiele zeigen die Geldexperten, wie Regionalwährungen eingeführt werden können, wie sie funktionieren und welche Erfolgsgeschichten sie für sich verbuchen können.



Klappentext

"Ein MUSS für Alle, die sich nicht mehr auf die Politik allein verlassen möchten."
BODY, MIND & SOUL

"An sich sind Regionalwährungen für alle interessant, aber für Initiativen, die sich mit der Einführung des Regio befassen, ist es eine absolute Pflichtlektüre."
SCHUMACHERGESELLSCHAFT FÜR POLITISCHE ÖKOLOGIE

Über den Autor

Margrit Kennedy arbeitete für verschiedene Forschungsprojekte der OECD und UNESCO in 15 Ländern Europas sowie in Nord- und Südamerika. Sie war Professorin für Technischen Ausbau und Ressourcensparendes Bauen an der Universität Hannover und baut zusammen mit einer Gruppe von freiwilligen Helfern ein Netzwerk von Interessenten und Initiativen für die praktische Einführung von Regionalwährungen auf. Margrit Kennedy ist Expertin der internationalen Komplementärwährungs-Bewegung (Tauschringe, Zinsfrei-Banken).

Wenige Menschen haben in so verschiedener Funktion mit dem Geld- und Finanzsystem zu tun gehabt wie Bernard Lietaer. In den 70er Jahren beriet Dr. Lietaer die peruanische Regierung bei der Optimierung von Währungsgeschäften.Während seiner fünfjährigen Tätigkeit an der belgischen Zentralbank zeichnete er verantwortlich für die Einführung des ECU. Anschließend wurde er Präsident des elektronischen Zahlungssystems in Belgien. Von 1987 bis 1991 fungierte Lietaer u.a. als Geschäftsführer und Währungshändler des erfolgreichsten Hedge Fonds (Gaia Hedge II). Um sich auf das vorliegende Buch zu konzentrieren, ist Bernard Lietaer zur Forschung zurückgekehrt: Er unterrichtet derzeit an der Sonoma State University archetypische Psychologie und am Institute for Sustainable Resources and Agriculture der Universität Berkeley nachhaltiges Wirtschaften.

Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Ein Europa der Regionen
»Globalisierung« - wohl kein anderer Begriff hat in den letzten zehn Jahren Menschen aller Gesellschaftsschichten stärker polarisiert. Dabei ist das Konzept eigentlich schon recht alt. Im Grunde kann das, was die phönizischen Handelsflotten in prähistorischer Zeit praktizierten, bereits als Vorläufer der Globalisierung gelten. Auch die wirtschaftlichen Umwälzungen im Gefolge großer Entdeckungen, wie Vasco da Gama, Kolumbus oder Sheng He sie machten, können als Frühform der Globalisierung gewertet werden. Die Politik von Handelsimperien wie der holländischen Ostindien-Compagnie oder die industrielle Revolution mit all ihren Begleit- und Folgeerscheinungen verursachten bereits ähnliche »Symptome«.
Das Novum an der Globalisierung unserer Tage, die mit dem Fall der Berliner Mauer begann, ist lediglich, dass sie weiter, schneller und tiefer wirkt als alle vergleichbaren wirtschaftlichen Veränderungen zuvor.
Rein technisch könnte man die jüngste Form der Globalisierung definieren als »die Gesamtheit aller Bestrebungen, die darauf abzielen, sämtliche politischen und regulatorischen Hindernisse zu beseitigen, die dem ungehinderten Austausch von Gütern, Dienstleistungen und Kapital über nationale Grenzen hinweg im Weg stehen«. Dabei gilt es zu beachten, worum es hier tatsächlich geht: um Güter, Dienstleistungen und Kapital. Nicht um Menschen. Und schon gar nicht um deren Wohlergehen oder dem anderer Lebensformen auf diesem Planeten.

Gibt es Alternativen?
Der Prozess der aktuellen Globalisierung »ruft ebenso viel Zustimmung wie Widerspruch hervor ... Für die einen bedeutet er Freiheit, die anderen sehen in ihm ein grausames Schicksal, das ihnen aufgezwungen wird«. Mittlerweile ist ein ganzer Industriezweig entstanden, der die öffentliche Meinung mit den Argumenten von Globalisierungsgegnern und -befürwortern beliefert. Die Pro-Seite argumentiert gewöhnlich mit Schlagworten wie Effizienz des freien Marktes, weltweiter Zugang zu Gütern und Dienstleistungen sowie Modernisierung überholter Strukturen und Gepflogenheiten. Die Kontra-Seite führt die Verschärfung der Gegensätze zwischen Arm und Reich, die Konsumorientierung sowie die daraus resultierende Ausbeutung, Missachtung gewachsener Traditionen und Gemeinschaften sowie den Verlust kultureller Identität ins Feld.
Der zentrale Vorwurf an die Adresse der Globalisierungsbefürworter ist der eines ungehemmten »Marktfundamentalismus«, das heißt einer vollkommenen Blindheit gegenüber all jenen menschlichen Bedürfnissen, die nicht im simplizistischen Modell des Homo oeconomicus, der für seine Leistung immer nach dem Maximum an pekuniärer Entlohnung sucht, Platz finden. Den Globalisierungsgegnern hingegen wirft man regelmäßig vor, sie wüssten zwar, was sie nicht wollen, realistische Alternativen aber könnten sie nicht nennen.
Beide Seiten haben Recht: Wie der klassische Ökonom Stewart Mills einst formulierte, hat jede Position Recht mit dem, was sie kritisiert, und nicht mit dem, was sie außer Acht lässt.
Die Ungleichgewichte, die der Markt produziert, sind kein Grund, den Markt als solchen zu verteufeln. Schließlich hat in der Geschichte der Menschheit noch kein anderes System ein ähnliches Potenzial bewiesen, Armut, Unwissenheit, Krankheit und Leid so vieler Menschen zu lindern. Wir werden der Armut kein Ende setzen, wenn wir unser bestes System zur Schaffung von Reichtum zerstören. Kriminalität wird ja auch nicht durch die Abschaffung der Gesetze beseitigt. Dass das System Ungleichgewichte erzeugt, wirft vielmehr die Frage auf, ob die Art und Weise, wie es funktioniert, wirklich die einzig mögliche ist.
Außerdem setzt sich vermehrt die Erkenntnis durch, dass globale Probleme wie Klimawandel, Artensterben und Umgang mit unseren Ressourcen auch globaler Lösungen bedürfen. Die Frage ist schon längst nicht mehr, ob Globalisierung nun gut oder schlecht ist, sondern, ob wir ein Globalisierungsmodell schaffen können, bei dem alle Seiten gewinnen.
Wenn wir uns dieser Herausforderung stellen wollen, müssen wir Lösungsstrategien für folgende Probleme finden:

1. Wie lässt sich weltweit eine nachhaltige Entwicklung erzielen, von der die Menschheit als Ganzes ohne Preisgabe kultureller Identitäten profitiert?
2. Wie lassen sich die im strengen Sinne wirtschaftlichen Dimensionen menschlichen Handelns mit anderen Bedürfnissen in Einklang bringen?
3. Gibt es praktikable Alternativen für die Wirtschaft der Zukunft, die uns in den Genuss der gegenwärtigen Vorteile der Globalisierung kommen lassen, ohne den Preis ihrer Nebenwirkungen zu fordern?

Kurz gesagt: Was bisher fehlt, ist ein glaubwürdiges, in sich schlüssiges Modell, ein Gegenentwurf zur aktuell praktizierten Form der Globalisierung, eine Lösungsstrategie, die den berechtigten Forderungen jener Milliarden von Menschen gerecht wird, die im Moment nur die Schattenseiten zu spüren bekommen. Doch muss uns endlich klar werden, dass hier mehr auf dem Spiel steht als unsere wirtschaftliche Entwicklung. Louis Brandeis, Richter am obersten Gerichtshof der USA, war es, der den denkwürdigen Satz prägte, wir könnten entweder eine demokratische Gesellschaft haben oder eine Menge Reichtum in den Händen einiger weniger Menschen, beides zusammen gehe nicht.
Ein erster sinnvoller Ansatz wäre daher, dem Begriff »Globalisierung« eine neue Bedeutung zu geben, welche die zuvor genannte Definition ablösen könnte. Wir möchten dazu Folgendes vorschlagen:

Globalisierung bedeutet, dass wir ein dichteres Netz zum Austausch zwischen den Volkswirtschaften, Gesellschaften und Kulturen der ganzen Welt schaffen, um die Lebensbedingungen und Entwicklungsmöglichkeiten aller Menschen zu verbessern, während wir gleichzeitig ihre kulturelle Verschiedenheit akzeptieren und für das Lebensrecht aller Wesen eintreten, mit denen wir diesen Planeten teilen.

Dieses Buch wird anhand einiger praktischer Vorschläge aufzeigen, wie sich ein solches Ziel erreichen lässt. Es geht uns nicht darum, den gegenwärtigen Prozess der Globalisierung umzukehren, was wohl ohnehin nicht möglich wäre. Stattdessen schlagen wir vor, seine Energie im Sinne einer ganzheitlichen Entwicklung umzulenken. Wir meinen, der gangbarste Weg dorthin ist es, den aktuellen Globalisierungsprozess durch einen simultanen Regionalisierungsprozess auszugleichen, der die einzelnen Regionen der Welt neu belebt. So ließe sich wohl auch recht effektiv der Ökonomisierung menschlicher Beziehungen entgegenwirken und unserer kulturellen Verschiedenheit Rechnung tragen. Der Zusammenstoß der Kulturen, den so viele Menschen mittlerweile als unvermeidlich betrachten, würde auf diese Weise definitiv vermieden. Und das Beste daran ist, dass wir das Modell hier und jetzt realisieren können, in einem »Europa der Regionen«.

Weshalb ein Europa der Regionen?
Europa ist wohl jener Fleck auf unserem Globus, auf dem sich eine entsprechende Strategie am besten erproben und verwirklichen lässt. Wir treten hier für ein Europa der Regionen ein - in klarem Gegensatz zum Europa der Nationen, in dem der französische Präsident de Gaulle die europäische Zukunft sah. Für einen solchen Standpunkt sprechen unter anderem folgende Punkte, die wir anschließend im Einzelnen erläutern werden:

1. Ein Europa der Regionen würde den historisch gewachsenen Reichtum an kulturellen, religiösen und ökologischen Unterschieden erhalten. Es würde die regionale Entwicklungspolitik fortsetzen, welche die Europäische Union in den letzten Jahrzehnten vertreten hat.
2. Ein Europa der Regionen ist das Modell, das den Problemen des 21. Jahrhunderts am besten begegnen könnte.
3. Neben diesem Modell stehen den Politikern der Europäischen Union nicht viele Alternativen zur Wahl.
4. Ein Europa der Regionen wäre ein Wachstumsmodell, von dem nicht nur Europa profitiert, sondern auch für Milliarden Nichteuropäer eine hochinteressante...

Auszug aus Regionalwährungen von Margrit Kennedy, Bernard A. Lietaer. Copyright © 2004. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Ein Europa der Regionen
»Globalisierung« - wohl kein anderer Begriff hat in den letzten zehn Jahren Menschen aller Gesellschaftsschichten stärker polarisiert. Dabei ist das Konzept eigentlich schon recht alt. Im Grunde kann das, was die phönizischen Handelsflotten in prähistorischer Zeit praktizierten, bereits als Vorläufer der Globalisierung gelten. Auch die wirtschaftlichen Umwälzungen im Gefolge großer Entdeckungen, wie Vasco da Gama, Kolumbus oder Sheng He sie machten, können als Frühform der Globalisierung gewertet werden. Die Politik von Handelsimperien wie der holländischen Ostindien-Compagnie oder die industrielle Revolution mit all ihren Begleit- und Folgeerscheinungen verursachten bereits ähnliche »Symptome«.
Das Novum an der Globalisierung unserer Tage, die mit dem Fall der Berliner Mauer begann, ist lediglich, dass sie weiter, schneller und tiefer wirkt als alle vergleichbaren wirtschaftlichen Veränderungen zuvor.
Rein technisch könnte man die jüngste Form der Globalisierung definieren als »die Gesamtheit aller Bestrebungen, die darauf abzielen, sämtliche politischen und regulatorischen Hindernisse zu beseitigen, die dem ungehinderten Austausch von Gütern, Dienstleistungen und Kapital über nationale Grenzen hinweg im Weg stehen«. Dabei gilt es zu beachten, worum es hier tatsächlich geht: um Güter, Dienstleistungen und Kapital. Nicht um Menschen. Und schon gar nicht um deren Wohlergehen oder dem anderer Lebensformen auf diesem Planeten.

Gibt es Alternativen?
Der Prozess der aktuellen Globalisierung »ruft ebenso viel Zustimmung wie Widerspruch hervor ... Für die einen bedeutet er Freiheit, die anderen sehen in ihm ein grausames Schicksal, das ihnen aufgezwungen wird«. Mittlerweile ist ein ganzer Industriezweig entstanden, der die öffentliche Meinung mit den Argumenten von Globalisierungsgegnern und -befürwortern beliefert. Die Pro-Seite argumentiert gewöhnlich mit Schlagworten wie Effizienz des freien Marktes, weltweiter Zugang zu Gütern und Dienstleistungen sowie Modernisierung überholter Strukturen und Gepflogenheiten. Die Kontra-Seite führt die Verschärfung der Gegensätze zwischen Arm und Reich, die Konsumorientierung sowie die daraus resultierende Ausbeutung, Missachtung gewachsener Traditionen und Gemeinschaften sowie den Verlust kultureller Identität ins Feld.
Der zentrale Vorwurf an die Adresse der Globalisierungsbefürworter ist der eines ungehemmten »Marktfundamentalismus«, das heißt einer vollkommenen Blindheit gegenüber all jenen menschlichen Bedürfnissen, die nicht im simplizistischen Modell des Homo oeconomicus, der für seine Leistung immer nach dem Maximum an pekuniärer Entlohnung sucht, Platz finden. Den Globalisierungsgegnern hingegen wirft man regelmäßig vor, sie wüssten zwar, was sie nicht wollen, realistische Alternativen aber könnten sie nicht nennen.
Beide Seiten haben Recht: Wie der klassische Ökonom Stewart Mills einst formulierte, hat jede Position Recht mit dem, was sie kritisiert, und nicht mit dem, was sie außer Acht lässt.
Die Ungleichgewichte, die der Markt produziert, sind kein Grund, den Markt als solchen zu verteufeln. Schließlich hat in der Geschichte der Menschheit noch kein anderes System ein ähnliches Potenzial bewiesen, Armut, Unwissenheit, Krankheit und Leid so vieler Menschen zu lindern. Wir werden der Armut kein Ende setzen, wenn wir unser bestes System zur Schaffung von Reichtum zerstören. Kriminalität wird ja auch nicht durch die Abschaffung der Gesetze beseitigt. Dass das System Ungleichgewichte erzeugt, wirft vielmehr die Frage auf, ob die Art und Weise, wie es funktioniert, wirklich die einzig mögliche ist.
Außerdem setzt sich vermehrt die Erkenntnis durch, dass globale Probleme wie Klimawandel, Artensterben und Umgang mit unseren Ressourcen auch globaler Lösungen bedürfen. Die Frage ist schon längst nicht mehr, ob Globalisierung nun gut oder schlecht ist, sondern, ob wir ein Globalisierungsmodell schaffen können, bei dem alle Seiten gewinnen.
Wenn wir uns dieser Herausforderung stellen wollen, müssen wir Lösungsstrategien für folgende Probleme finden:

1. Wie lässt sich weltweit eine nachhaltige Entwicklung erzielen, von der die Menschheit als Ganzes ohne Preisgabe kultureller Identitäten profitiert?
2. Wie lassen sich die im strengen Sinne wirtschaftlichen Dimensionen menschlichen Handelns mit anderen Bedürfnissen in Einklang bringen?
3. Gibt es praktikable Alternativen für die Wirtschaft der Zukunft, die uns in den Genuss der gegenwärtigen Vorteile der Globalisierung kommen lassen, ohne den Preis ihrer Nebenwirkungen zu fordern?

Kurz gesagt: Was bisher fehlt, ist ein glaubwürdiges, in sich schlüssiges Modell, ein Gegenentwurf zur aktuell praktizierten Form der Globalisierung, eine Lösungsstrategie, die den berechtigten Forderungen jener Milliarden von Menschen gerecht wird, die im Moment nur die Schattenseiten zu spüren bekommen. Doch muss uns endlich klar werden, dass hier mehr auf dem Spiel steht als unsere wirtschaftliche Entwicklung. Louis Brandeis, Richter am obersten Gerichtshof der USA, war es, der den denkwürdigen Satz prägte, wir könnten entweder eine demokratische Gesellschaft haben oder eine Menge Reichtum in den Händen einiger weniger Menschen, beides zusammen gehe nicht.
Ein erster sinnvoller Ansatz wäre daher, dem Begriff »Globalisierung« eine neue Bedeutung zu geben, welche die zuvor genannte Definition ablösen könnte. Wir möchten dazu Folgendes vorschlagen:

Globalisierung bedeutet, dass wir ein dichteres Netz zum Austausch zwischen den Volkswirtschaften, Gesellschaften und Kulturen der ganzen Welt schaffen, um die Lebensbedingungen und Entwicklungsmöglichkeiten aller Menschen zu verbessern, während wir gleichzeitig ihre kulturelle Verschiedenheit akzeptieren und für das Lebensrecht aller Wesen eintreten, mit denen wir diesen Planeten teilen.

Dieses Buch wird anhand einiger praktischer Vorschläge aufzeigen, wie sich ein solches Ziel erreichen lässt. Es geht uns nicht darum, den gegenwärtigen Prozess der Globalisierung umzukehren, was wohl ohnehin nicht möglich wäre. Stattdessen schlagen wir vor, seine Energie im Sinne einer ganzheitlichen Entwicklung umzulenken. Wir meinen, der gangbarste Weg dorthin ist es, den aktuellen Globalisierungsprozess durch einen simultanen Regionalisierungsprozess auszugleichen, der die einzelnen Regionen der Welt neu belebt. So ließe sich wohl auch recht effektiv der Ökonomisierung menschlicher Beziehungen entgegenwirken und unserer kulturellen Verschiedenheit Rechnung tragen. Der Zusammenstoß der Kulturen, den so viele Menschen mittlerweile als unvermeidlich betrachten, würde auf diese Weise definitiv vermieden. Und das Beste daran ist, dass wir das Modell hier und jetzt realisieren können, in einem »Europa der Regionen«.

Weshalb ein Europa der Regionen?
Europa ist wohl jener Fleck auf unserem Globus, auf dem sich eine entsprechende Strategie am besten erproben und verwirklichen lässt. Wir treten hier für ein Europa der Regionen ein - in klarem Gegensatz zum Europa der Nationen, in dem der französische Präsident de Gaulle die europäische Zukunft sah. Für einen solchen Standpunkt sprechen unter anderem folgende Punkte, die wir anschließend im Einzelnen erläutern werden:

1. Ein Europa der Regionen würde den historisch gewachsenen Reichtum an kulturellen, religiösen und ökologischen Unterschieden erhalten. Es würde die regionale Entwicklungspolitik fortsetzen, welche die Europäische Union in den letzten Jahrzehnten vertreten hat.
2. Ein Europa der Regionen ist das Modell, das den Problemen des 21. Jahrhunderts am besten begegnen könnte.
3. Neben diesem Modell stehen den Politikern der Europäischen Union nicht viele Alternativen zur Wahl.
4. Ein Europa der Regionen wäre ein Wachstumsmodell, von dem nicht nur Europa profitiert, sondern auch für Milliarden Nichteuropäer eine hochinteressante Option.

Politische Kontinuität
Die Europäische Union hat jahrzehntelang die regionale Entwicklung besonders gefördert. Einer ihrer höchst innovativen und sakrosankten Grundsätze ist ja seit jeher das »Subsidiaritätsprinzip«. Diese Wortneuschöpfung - der Begriff tauchte zum ersten Mal zu Beginn des 20. Jahrhunderts, und zwar in christlichen Enzyklopädien auf - bedeutet, dass alle politischen Aufgaben auf der niedrigstmöglichen Organisationsebene gelöst werden. Für die Europäische Union heißt dies, dass sie sich nur jener Probleme annimmt, die wirklich staatenübergreifend geregelt werden müssen. Alle übrigen Entscheidungen werden auf einzelstaatlicher Ebene geregelt. Es bedeutet aber auch, dass der Nationalstaat alle lokalen Probleme in die Zuständigkeit der Länder, Regionen und Gemeinden verweist. Was also nicht länderweit geregelt werden muss, wird auf der Ebene der Städte und Kommunen entschieden.
Einige der erfolgreichsten Maßnahmen der EU verdanken sich diesem Prinzip, da die schwächeren Regionen der Union immer europaweit finanziert und gefördert wurden.
Die Schaffung eines speziellen Ausschusses der Regionen (gegründet 1991) als unabhängige Versammlung der Vertretung der regionalen und lokalen Gebietskörperschaften innerhalb der EU und zur Berücksichtigung ihrer Interessen bei der Festlegung der Gemeinschaftspolitik ist ebenfalls ein Ausdruck dieser Bemühungen.
Ein Europa der Regionen wäre also nur eine logische Fortsetzung bzw. Erweiterung dessen, was ohnehin schon EU-Prinzip ist. Würde dies letztlich nicht auch einen vielfältigeren und demokratischeren Austausch zwischen den Staaten ermöglichen? Würden nicht Schottland, die Bretagne und Galizien in direktem Umgang mehr voneinander lernen, als London, Paris und Madrid in ihrem Namen vermitteln können?

Die Probleme des 21. Jahrhunderts
Im 21. Jahrhundert werden wir uns mit Problemen konfrontiert sehen, deren Komplexität und Dringlichkeit bisher ungekannte Dimensionen erreichen werden. Hier sind der Klimawandel zu nennen, die Umweltzerstörung, die Arbeitslosigkeit, die mit dem Ende des Industriezeitalters einhergeht, aber auch eine bislang nicht gekannte Alterung der Bevölkerung. Wir stehen einer epochalen Sinnkrise gegenüber und müssen uns mit potenziellen Konflikten zwischen den Kulturen auseinander setzen. Und bis dato ist unsere einzige Handhabe eine Institution, die schon mehrere Jahrhunderte alt ist: der Nationalstaat. Sogar auf globaler Ebene agieren wir immer noch mit dem Instrument des Staates: in den Vereinten Nationen nämlich.
Wir vertreten jedoch den Standpunkt, dass Probleme wie die eben aufgezählten zwar momentan noch einzelstaatlich entschieden werden, so aber nicht mehr gelöst werden können. Sie müssen auf globaler Ebene behandelt werden. Doch diese Probleme sind nicht Gegenstand dieses Buches. Unser Thema ist in erster Linie, dass viele der sozialen Aufgaben, wie die Betreuung von Kindern oder älteren Menschen, die Beseitigung der Arbeitslosigkeit oder die Bereitstellung sinnvoller Angebote in der Jugendarbeit von Organisationen, die mit den regionalen Erfordernissen vertraut sind, wesentlich besser erledigt werden können. Solche Lösungsansätze müssten jene Strategien ergänzen, die von der europäischen bzw. nationalstaatlichen Ebene ausgehen. Wir fordern hier nicht, dass die EU bzw. ihre Mitgliedsstaaten sich aus diesen Gebieten zurückziehen. Unserer Auffassung nach müssten die europaweiten und nationalen Initiativen auf regionaler Ebene durch zusätzliche Maßnahmen unterstützt werden. Auch diese Idee ist keineswegs neu. Neu ist nur das Mittel, das wir zur Erreichung dieser Ziele vorschlagen, nämlich die Einführung von Regionalwährungen, mit deren Hilfe die Regionen in die Lage versetzt würden, ihre Probleme weitgehend selbst zu lösen, und zwar ohne den Steuerzahler auf Bundes- oder Landesebene auch nur im Geringsten zu belasten.

Mangel an Alternativen
Alles deutet darauf hin, dass Europa sich in eine Situation manövriert hat, in der ein gesunder wirtschaftlicher Aufschwung der Regionen der einzig gangbare Weg zu sein scheint. Der Stabilitätspakt, den vor allem Deutschland mit der Einführung des Euros verknüpft hat, war eigentlich dazu gedacht, die Inflation in Grenzen zu halten. Nun aber erweist er sich als Mühlstein um den Hals derer, die ihn geschaffen haben, denn das neue Risiko heißt: Deflation. Darauf zu warten, dass die Regierungen der EU-Mitgliedsstaaten endlich die Wirtschaft ihrer Länder ankurbeln, heißt heute »Warten auf Godot«. Welche anderen Möglichkeiten gibt es also? Hier kommt der dezentrale Ansatz wieder ins Blickfeld. Was wir vorschlagen, ist ein keynesianisches Modell im regionalen Bereich, das jedoch weder auf zentraler noch auf regionaler Ebene zu neuen Defiziten im Staatssäckel führt.
Wie wichtig eine solche Perspektive in der Politik ist, wird klar, wenn wir die Natur der gegenwärtigen Wirtschaftskrise betrachten. Hierbei handelt es sich nämlich keineswegs um einen simplen Abschwung im Wirtschaftszyklus. Was wir erleben, ist der Übergang von einem Entwicklungsmodell zum nächsten. Wir sind nicht nur Zeugen des viel beschworenen »Anbrechens des Informationszeitalters« und der damit verbundenen »Wissensgesellschaft«, sondern spüren auch die Auswirkungen dessen, was wir als »Ende des Industriezeitalters« bezeichnen möchten. Was dabei in den Vordergrund rückt, ist einzig eine Frage der Perspektive ...
Der letzte Paradigmenwechsel, den die westliche Welt erlebte, war das Ende des Agrarzeitalters und das Heraufziehen der industriellen Epoche. Solche Übergänge verlaufen alles andere als schmerzlos. Denken Sie nur daran, was mit den Landarbeitern und Bauern geschah, als das Agrarzeitalter zu Ende ging. Auch die Grundbesitzer, die vorher zur Elite des Landes gehörten, mussten zusehen, wie ihre Werte, ihre Macht und ihre Traditionen zur Gänze verschwanden.
Wenn man sich dieses Übergangsmodell vor Augen hält, ist vollkommen klar, weshalb die europäischen Versuche, die eigene Wirtschaft wieder in Gang zu bringen, über ein Jahrzehnt lang scheiterten: Die Arbeitslosenzahlen blieben in den letzten Jahren nahezu unverändert auf dem höchsten Stand seit Kriegsende. Das bisher angewandte Rezept war einfach, ein bisschen mehr dem Modell der USA zu folgen, in der Hoffnung, damit würde sich schon alles wieder einrenken. Doch seit selbst die USA hilflos dem Platzen der Hightech-Blase zusehen mussten und nun einen Abschwung erleben, der in der Geschichte seinesgleichen sucht, schwinden auch die europäischen Hoffnungen mehr und mehr dahin. Langsam machen die Europäer sich klar, dass das, was in Japan geschehen ist, durchaus auch in Deutschland möglich wäre. Das Gespenst der Deflation - ein eindeutiges Indiz für vorhandene Überkapazitäten in allen Wirtschaftszweigen - wird zum ersten Mal als real mögliche Bedrohung wahrgenommen. Japan war 1990 das erste Land, das vom Syndrom des »ausgehenden Industriezeitalters« betroffen wurde. Faszinierend dabei ist, dass Japan - nachdem es alle traditionellen Methoden zur Wirtschaftsförderung ohne Erfolg ausgeschöpft hat - sich nun systematisch der Erprobung von Komplementär- und Regionalwährungen zuwendet (mehr dazu in Kapitel VII). Kurz gesagt: Japan ist zu einem gewaltigen Experimentallabor geworden, in dem verschiedene Modelle der Komplementär- bzw. Regionalwährungen auf dem Prüfstand stehen. Kann Europa sich wirklich leisten, aus den japanischen Erfahrungen nicht zu lernen?

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