FAZ, 19. Juni 2006, S. 44.
Das Buch der Rechtswissenschaftler Andreas Fischer-Lescano und Gunther Teubner, hervorgegangen aus einem vor zwei Jahren im "Michigan Journal of International Law" veröffentlichten vieldiskutierten Aufsatz, bündelt Beobachtungen und Analysen globaler Ausdifferenzierungen des Rechts. [...] Scharf gehen die Autoren darum mit diversen Spielarten "völkerrechtlichen Einheitsdenkens" ins Gericht, und auch die von Anne-Marie Slaughter vertretene juristische Netzwerktheorie wird, begründet, mit dekonstruktivistischer Verve abgeurteilt. Einem Primat des Politischen im Geiste der New Haven School wollen die Autoren indessen gleichfalls nicht das Wort reden. Die "Eigenlogik des Rechts" werde schließlich noch gebraucht, wenn auch nur zur Schadensbegrenzung. [...] sei die Lektüre dieser zum Weiterdenken anregenden fragmentarischen Studie empfohlen.
Kurzbeschreibung
Im Weltrecht ist eine explosionsartige Vervielfältigung unabhängiger, global agierender Gerichte zu beobachten. Untersuchungen kommen auf die beeindruckende Zahl von 125 internationalen Gerichtsinstitutionen, die Letztentscheidung über globale Konflikte beanspruchen. In sozialtheoretischer und internationalrechtlicher Perspektive gehen die Autoren der Frage nach, wie die Regime-Kollisionen, die durch das chaotische Nebeneinander von globalen Normkomplexen und Konfliktlösungsinstanzen ausgelöst werden, zu erklären sind und wie in Politik und Recht mit ihnen umzugehen ist.