Wer träumt nicht davon, seinen Lebenstraum zu realisieren? Ute Nerge hat dies geschafft und ihren Traum verwirklicht, eine Oase der Würde und der Lebensqualität für schwerstkranke Kinder und ihre Angehörigen zu schaffen. Wie es dazu kam, erfährt man in diesem bewegenden Buch.
Ihre erste Begegnung mit Tod und Sterben prägte sie für ihr ganzes Leben. Als Schwesternschülerin musste sie ein todes Baby in den Leichenkeller bringen - allein. Es ist nur zu verständlich, dass sie mit der Situation überfordert war. Das Baby sollte nicht frieren und nackt dort liegen, obwohl genau das vorgeschrieben war. Als sie ihm das Hemdchen ausziehen musste, konnte sie nur noch weinen.
Auch in den Jahren danach erlebte sie immer wieder Leidensgeschichten von todkranken Kindern, die ihr zu Herzen gingen. Und sie versuchte zu helfen, wo sie konnte. So verwandelte sie etwa das Krankenzimmer eines dem Tode geweihten Kindes mit Hilfe von selbst mitgebrachten Lampen in eine halbwegs menschenwürdige Oase. Und sie holte auch noch Betten aus dem Keller, damit die Eltern neben dem Kind schlafen konnten. Als diese sie dankbar anlächelten, war sie einfach nur glücklich. Und so reifte die Idee in ihr, ein ganzes Haus zu schaffen, wo so ein würdevoller Umgang mit Sterbenden möglich war.
Den letzten Anstoss für die Sternenbrücke gab dann die Geschichte der kleinen Jenny. Diese ist so rührend, dass sie ein eigenes Buch wert ist. Bei einem kleinen Eingriff sollte eigentlich nur bei ihr eine Luftgewehrkugel entfernt werden. Doch dann dauerte die OP 11 Stunden - man hatte während des Eingriffs einen lebensgefährlichen Tumor an der Wirbelsäule entdeckt. Was folgte, war eine monatelange Leidenszeit für die kleine Jenny. Die Zuwendung, die sie brauchte, war auf einer Kinderstation nicht mehr zu leisten. Und es gab außer Jennys Großmutter niemanden, der sie hätte pflegen können. Und so drängte sich die Idee eines Kinderhospizes auf, von denen es damals noch so gut wie keines gab.
Deshalb betrat Frau Nerge Neuland und musste viele Widerstände und Schwierigkeiten überwinden - sei es die Suche nach Geldgebern oder die Gestaltung der Einrichtung. Aber wenn man eine Vision hat, ist keine Hürde zu hoch. Wie gut, wie würdevoll und wie anders als normale Kinderstationen ihr Haus geworden ist, davon kann man sich anhand der schönen Fotos überzeugen. Man sieht bunte, helle Räume, Kinder die lachen und spielen. Und so wirkt die Sternenbrücke nicht wie ein Ort des Sterbens, sondern wie ein Ort des Lebens, der Freude. Man kann Frau Nerge nur beglückwünschen zu dem, was sie geschaffen hat.