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2013 wurde Peter Sloterdijk mit dem renommierten Ludwig-Börne-Preis ausgezeichnet. In seiner Laudatio lobte Hans Ulrich Gumbrecht Sloterdijk als einen "Denker der explosiven Intuitionen und brillanten Vielfalt" (13). Dabei sei es dem Preisträger immer wieder daran gelegen, seine Leser und Zuhörer in "Wachheitszustände" (23) zu versetzen, um so der Tendenz der Gegenwart entgegenzuwirken, welche "die Wach-Situation der Öffentlichkeit in die Anästhesie einer permanenten Einigkeit verfallen lassen" (26) würde.

In seiner Dankesrede zeigte Sloterdijk dann auch sofort, warum er völlig zu Recht als Meister der Wachheitszustände gelobt worden ist. Seine Rede mit dem Titel "Reflexionen eines nicht mehr Unpolitischen" ist in weiten Teilen eine Abrechnung mit dem hiesigen und globalen Medienbetrieb. Der Philosoph bezieht sich damit zum einen auf die Kontroverse, die er 1999 mit seiner Rede "Regeln für den Menschenpark" ausgelöst hat, im Verlaufe welcher ihm häufig vorgeworfen worden ist, er würde einer genetischen Selektion des Menschen das Wort reden. Zum anderen kritisiert er den sogenannten embedded journalism in den Jahren nach 9/11, bei dem sich weite Teile der Medien zu willfährigen Lakaien eines Regimes gemacht hätten, anstatt dieses kritisch zu hinterfragen. Diese "zeichenbasierten Epidemien" (31) sind wohl genau das, was Gumbrecht vorher als Anästhetikum bezeichnet hat und was für demokratische Staatsformen mittel- und langfristig verheerende Folgen haben könnte.

Auch in der aktuellen Krise Europas wirft Sloterdijk dem Medienbetrieb eine "mediale Organisation von gemeinsamer Unwirklichkeit" (52) vor. An dieser Stelle vergleicht der Autor die Krisensituation in Europa mit der in den USA und stellt einen zentralen Unterschied fest. Europa leide an einer "pathologischen Agentur-Schwäche, die bis zur Unfähigkeit reicht, eine Tagesordnung zu erstellen" (57). An den USA hingegen falle "eine aus dem Gleis geratene Agentur-Stärke ins Auge" (ebd.), die jedoch lediglich auf dem Feld des Militärischen sichtbar werde. Beide Tendenzen seien gleichsam zerstörerisch für die jeweilige Gemeinschaft, weshalb Sloterdijk dafür eintritt, utopisch, wie er selbst zugesteht, allen Europäern zusätzlich das amerikanische und allen Amerikanern auch noch das europäische Bürgerrecht zu verleihen, um somit das Beste die extremen Tendenzen in beiden Kulturen auszutarieren.

Fazit: Sloterdijk zeigt hier, warum er ein würdiger Gewinner des Börne-Preises ist. Er formuliert, er provoziert, er kritisiert und lässt sich auf gewagte Gedankenexperimente ein. Einen bedeutenderen public intellectual als ihn hat Deutschland im Moment nicht zu bieten!.
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am 19. April 2014
Mit der Laudatio von Hans Ulrich Gumbrecht konnte ich wenig anfangen. Dagegen faszinierten die Reflexionen von Peter Sloterdijk zur Medienpolitik heute. Danach besteht die Gefahr, dass kollektive Instabilität und die Vorstellung gemeinschaftlicher Bedrohung medienwirksam ausgebeutet wird und damit gravierende politische Fehlentwicklungen provozieren kann.
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