Als ich den Film am Festival in Locarno zum ersten Mal gesehen habe, war ich davon gleichermassen beeindruckt und irritiert. Es geht irgendwie ums Erwachsenwerden und ums Verlieren der kindlichen Unschuld. Das ist jedenfalls meine Interpretation. Die Bilder sind kraftvoll und suggestiv, die Musikuntermalung ebenso, wenn sie auch manchmal zu aufdringlich eingesetzt wurde.
Beim Wiedersehen störten mich allerdings ein paar Dinge; Der Film ist sehr kopflastig und will gleichzeitig den Bauch berühren, was nur zum Teil gelingt. Die Story um eine zerrüttete Familie mit einem dunklen Geheimnis wird von der teils gelungenen, teils aber auch allzu platten Symbolik gleichsam überrollt. Deswegen vermag sie es auch kaum, den Zuschauer zu berühren.
Ein weiteres Problem ist der hoffnungslos überforderte kindliche Hauptdarsteller. Da wäre es wohl ratsam gewesen, jemanden zu casten, der vielleicht weniger niedlich aussieht, dafür aber etwas mehr Ausdruck und schauspielerische Fähigkeiten mitbringt.
Am schlimmsten aber gewichtet m. E. die fehlende Original-Tonspur. Der Film ist nicht nur miserabel synchronisiert, er verliert durch den abhanden gekommenen Südstaaten-Slang viel von seiner Authentizität.
Trotzdem: Ein beachtliches Regie-Debut mit unübersehbaren David-Lynch-Anleihen. Für Fans von "Blue Velvet" oder ähnlich verquast-skurriler Werke ein Must-Have.