"Sie wollen Wirtschaftsethik studieren?"
"Dann studieren Sie entweder das eine oder das andere"
Karl Kraus
Die Regierungen der Welt haben hunderte von Milliarden Steuergelder für die Rettung von Banken ausgeben, hunderte Milliarden die nie für die Rettung von Hungernden eingesammelt, höchstens einmal auf einem Weltwirtschaftsgipfel versprochen wurden...(S.12) Wenn man dies liest, dann weiß man es läuft auf der Welt irgendetwas nicht richtig und Wickert geleitet den Leser wieder zu handfesten Werten!
Wickert erklärt in dem Kapitel, "Markt und Moral", wie die einstige Todsünde >>Habgier<< als Profitmaximierung zur Tugend erhoben wurde.(S.19) In dem Kapitel "Habgier und Macht" zitiert er zunächst einen Gedanken von dem Griechen Plutarch: "Getränk löscht das Begehren nach Getränk, Nahrung stillt das Verlangen nach Nahrung. Den Drang nach Geld aber stillt weder Silber noch Gold, und das Mehrhabenwollen hört mit dem Mehrerwerb nicht auf."(S.31)
Er zeigt dieses Laster scheint bei Männern besonders ausgeprägt zu sein. Inhaltlich folgt dann das verwerfliche Handeln der Pharmagroßhändler, gegen die seit Februar 2011 von der Staatsanwaltschaft ermittelt wird. Wickert wendet den Blick auch auf die Luxusindustrie und geht über zu den enormen Bilanzfälschungen und zeigt wie eine infektiöse Gier in der Wirtschaft viele erfasst hat.
In dem Kapitel: "Kavaliersdelikt: Bestechung" geht es um "Abschreibungsmodelle"- Steuersparmodelle; Bestechung von Politikern; das eigenartige Geschehen bei dem Bau des Olympiastadions, wo nur die Hälfte des Betons bei der Baustelle abgeliefert wurde; oder wie Saudi-Arabien zwei Schnellbooten bei einer deutschen Werft kaufte und erstaunlicher Weise dann 10% des Kaufpreises auf die Schweizerkonten von Mitarbeitern des saudischen Verteidigungsministeriums liefen; genannt wird die Firma Siemens, die eine eigene Schmiergeldbank in der Schweiz gründete und natürlich andere namhafte Unternehmen die dann ins Visier der Fahnder gerieten. Wickert zeigt wie "krank" unser Gesundheitssystem ist, wo nach Schätzungen ein Schaden von jährlich 20 Milliarden Euro entsteht durch Betrug und Korruption. Wickert geht dabei aber auch die Schwächen in der Gesetzgebung ein, denn es gibt dort zu wenig Straftatbestände, die das eigenartige Handeln der Konzerne reglementieren!
Dann geht es weiter mit "Schmiergeld international". Was Wickert dort an gängiger Praxis umschreibt ist lesenswert und bestätigt was man schon immer irgendwie geahnt hat.
Es geht dann weiter in die "Parallelwelt der Banker". In der Parallelwelt der Finanzwelt kennt man den Begriff "Vorspiegelung falscher Tatsachen" nicht, sondern nennt dies häufig >Beratung< schreibt Wickert (S.75)
Er greift das Beispiel "Deutsche Kreditbank" auf, die jahrelang Schrottimmobilien finanzierte und dabei ohne Rücksicht auf die Kreditwürdigkeit des Kunden Geld verlieh, damit die Bank einen Darlehensvertrag und der Vermittler seine Provision erhielt.
Im Kapitel "Geldwäsche" geht es dann auch um den Agenten Bob Mazur, der zur Verhaftung von achtzig Drogenhändlern beitrug und der zeigte wie stark die Banken in den Geldwaschprozeß eingebunden waren. Wickert schildert wie eine amerikanische Großbank selber 14 Milliarden(!) in kleinen Scheinen per Lastwagen über die Grenze gefahren hat. Wickert zeigt so auch warum die Regeln zur Kontrolle der Finanzmärkte eigentlich nur ein stumpfes Schwert sind.
Worauf es in Zukunft ankommt, ist der Mensch mit Moral! Also auch der Mitarbeiter, der zeigt, Kavaliersdelikte wie Steuerbetrug oder Bestechung werden nicht mehr geduldet! (S.89)
Das Buch beschäftigt sich dann mit Wirtschaft und Ethik; Gleichheit, Gerechtigkeit, Solidarität (beschrieben wird der Widerstand gegen die Versenkung der Ölplattform Brent Spar und der Einfluss kollektiven Denkens; für die Solidarität geht er auf die Organspende ein). Es folgen die Kapitel: Freiheit und Erfolg; Verantwortung und Vertrauen; Eigentum verpflichtet; Lohn und Leistung; Profit und Würde des Menschen; Gemeinsinn statt Eigennutz.
Fazit: Ein sehr gutes Buch über unsere heutige Welt des Geldes. Das Buch regt aber auch zum Umdenken an:
"Frag nicht, was dein Land für dich tun kann, frag, was du für dein Land tun kannst" Zitat von Kennedy (S.24)