Keinem Album habe ich in diesem Jahr sooo entgegengefiebert, wie dem neuen Longplayer des irischen Meister-Quintetts PRIMORDIAL. Diese hohen Erwartungen kommen nicht von ungefähr...schließlich waren die beiden Vorgänger "The gathering wilderness" und "To the nameless dead" tadellose Meilensteine des packenden Pagan-Sounds, die - gewürzt mit einer feinen Portion Black Metal - wohl mit zum allerbesten gehören, was es in den letzten Jahren in diesem Genre zu bestaunen gab. Kurz auf den Punkt gebracht: Das Quintett von der grünen Insel ist wohl das perfekte Bindeglied zwischen BATHORY und IMMORTAL...und trotz des zunehmenden Erfolgs stets mit beiden Füßen fest im Szene-Underground verankert.
Auch auf dem taufrischen Nachfolger "Redemption at the puritan's hand" gehen PRIMORDIAL ihren Weg unbeirrt fort, wenn gleich man sagen muss, dass die kompakte, intensive Genialität der Alt-Werke nicht ganz erreicht wird. So haben sich bei den 8 Songs auch einige Stücke eingeschlichen, die musikalisch eher gehobener Durchschnitt sind, und den Vergleich zu Klassikern wie "The coffin ships" , "Gods of the godless" oder "No nation on this earth" nicht standhalten können. Allen voran muss hier der Song "Gods old snake" genannt werden, der sich selbst nach dem x-ten Durchlauf nicht als echtes Highlight im Langzeitgedächtnis des Hörers einnisten möchte. Das pechschwarze "The black hundred" ist anfangs ebenso eher unauffällig, mausert sich aber mit viel Geduld zu einem typischen PRIMORDIAL-Banger, der vor allem gegen Ende mächtig Fahrt aufnimmt.
Stillstand bedeutet Rückschritt - eine vielzitierte Floskel, für die an allen Stammtischen der Republik sofort 3 Euro fällig werden. Aber auch PRIMORDIAL verweilen nicht im "Hier" und "Jetzt" , sondern führen die musikalischen Zutaten ihres Sounds teilweise zu neuen Ufern. So klingt "Redemption at the puritan"s hand" zeitweise, als hätte sich die Band gleichzeitig in mehrere Richtungen entwickelt, ohne ihren wahren Stil dabei auch nur ansatzweise aufzugeben. Die melodischen Parts klingen noch melodischer...die fiesen Knüppel-Parts dafür noch rasender. Als bester Beweis hierfür stehen dem Hörer u.a. die sehnsüchtige Halbballade "The mouth of judas" und der mit irren Kreisch-Vocals garnierte Doublebass-Opener "No grave deep enough" gegenüber, deren musikalische Ausrichtung unterschiedlicher nicht sein könnte. Alle PRIMORDIAL-Fans werden dabei natürlich keinesfalls (!!!) enttäuscht, benötigen aber insgesamt wohl einige Durchläufe zusätzlich. Gut' Ding will schließlich Weile haben. Dagegen hat die Band mit "Bloodied yet unbowed" , dem Quasi-Titelsong "The puritan's hand" sowie dem megageilen Doppel "Death of the gods" und "Lain with the wolf" (jetzt schon unsterblich!) auch diesmal wieder einige der großartigsten Pagan/Black-Metal-Momente überhaupt parat, an denen sich in diesem Jahr alle Bands messen müssen, die in diesem Genre unterwegs sind. Die schmetternden Gitarrenwände entfalten beinahe schon hypnotische Wirkung und fordern jeden Metaller dieser Welt dennoch zum exzessiven Ganzkörper-Banging. Die Melodien nehmen dich ohne Vorwarnung gefangen. Atmosphärisch, brachial, eingängig ohne Ende...perfekter Düster-Sound zum Niederknien.
Doch wahrscheinlich wäre all dies nur die Hälfte wert, wenn PRIMORDIAL mit Alan Nemtheanga nicht einen der geilsten Metal-Sänger der gesamten Szene in ihren Reihen hätten. Denn auch auf "Redemption at the puritan's hand" zieht die charismatische Frontglatze wieder alle Register seines Könnens, um den 8 Songs meisterhaften Glanz einzuhauchen. Flehend, beschwörend, ketzerisch , bedrückend , hysterisch und einfach nur unsagbar intensiv sorgt der PRIMORDIAL-Sänger ein ums andere mal für offenstehende Münder, wobei textlich erneut allen Bösartigkeiten dieser ungerechten Welt als Inspiration dienen. Musikgewordene Tragik, die gesanglich nicht besser interpretiert werden kann! Und wenn der gute Mann im Refrain von "Death of the gods" das entgültige Ende der Republik besiegelt ("Heretics, I call to you. And partisans, stand as one. And rebels, raise your voices. If not then, all is lost!"), dann werden selbst in allen Wohnzimmern dieser Welt die geballten Fäuste in die Höhe gereckt. Wehe dem, der hier nicht automatisch in den Bann gezogen wird.
Fazit: Mit "Redemption at the puritan's hand" ist PRIMORDIAL erneut ein beeindruckender Longplayer geglückt, der seine Qualitäten jedoch erst nach einigen Durchläufen offenbart. Im direkten Vergleich war "To the nameless dead" eventuell einige Nuancen packenden bzw. zwingender. Dennoch ist diese Scheibe unbestritten ein Fortschritt, und somit ein weiteres Juwel der bisherigen Bandhistorie. PRIMORDIAL sind und bleiben eine der wichtigsten Metal-Bands unserer Zeit!