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Der "Rede an den kleinen Mann" schrieb Reich 1946 aus seiner bedrängten Situation heraus. Der sinnlose Weltkrieg der letzten Jahre war das genaue Gegenteil der Liebe, die Reich predigte. Durch das ganze Buch wirft er in etwas väterlichem Stil dem "kleinen Mann" vor, sich für bösartige Ziele und Kriege irgend welcher höherer Machthaber beliebig einspannen zu lassen - anstatt sich auf sich selbst, sein Glück, seine Familie und die Liebe zu besinnen. Der "kleine Mann" denke klein und sei sich der Stärke der Masse nicht bewusst. Reich schreibt vielleicht mit einem etwas zu erhobenem Zeigefinger, aber man muss auch seine Verbitterung verstehen.
In Bezug auf die Liebe "versteifte Becken und erkaltete Geschlechtsorgane" sieht es heute wohl etwas besser aus, und gerade in Deutschland wird Naturverbundenheit und Antikriegs-Einstellung erfreulich gelebt. Aber auch heute verbringen große Teile der Bevölkerung ihre Zeit vor irgendwelchen Fernsehern mit Berieselung auf Primitivst-Niveau. Dauer-Werbung und Talkshow-Klatsch machen aus den Menschen eine konsumfixierte dumme Masse, die leicht zu steuern und zu kontrollieren ist. Reich sagt: Freiheit heißt nicht Frechheit, nicht Lustbefriedigung auf Kosten anderer und auch nicht Freiheit von Verantwortlichkeit und Bildung. Er fordert ein entspanntes, gütiges und liebevolles Miteinander, wie man es vielleicht von einigen alten asiatischen Kulturen oder Naturvölkern her kennt. Das Buch würde heute anders formuliert werden, aber es fordert auf, einmal über sich selbst nachzudenken und es ist in seiner Gesamtaussage nach wie vor aktuell.
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