Zunächst einmal vorweg: Brian de Palma musste seine Filmhandlung fiktiv nennen. Das hatte vor allem rechtliche Gründe. Der Film ist stark angelehnt an ein tatsächlich begangenes Verbrechen im Irak. Verübt von US-Soldaten. Jetzt de Palmas Film sozusagen als "Märchen" hinstellen zu wollen, ist nicht nur falsch, sondern mehr oder weniger unverantwortlich.
US-Soldat Salazar will seinen Irak-Aufenthalt in einer Art Video-Tagebuch festhalten. So hat er die Kamera ständig im Einsatz, wenn seine Gruppe Dienst schiebt. Ihre primäre Aufgabe ist es, einen Kontrollpunkt zu betreiben. Bei einer Razzia werden die Soldaten Flake und Reno auf ein 15jähriges Mädchen aufmerksam. Eines Abends, betrunken und vielleicht auch high, beschließen sie, dem Haus des Mädchens noch einen Besuch abzustatten. Sie haben von vornherein den Plan, das Mädchen zu vergewaltigen. Ihr Gruppenführer McCoy begleitet sie, weil er verhindern will, dass etwas passiert. Aber dann gerät die Situation außer Kontrolle. Es gibt jede Menge Tote und anschließend setzen Flake und Reno die anderen Soldaten unter Druck, um das Verbrechen zu verschleiern. Damit kann McCoy nicht leben. Aber wer wird ihm glauben?
Brian De Palma ist ein Fuchs hinter der Kamera. Unberechenbar, hochkreativ und immer für eine Überraschung gut. Redacted ist in keiner Art und Weise als De Palma Film erkennbar. In einer Art Videospecial lässt De Palma verschiedene Sequenzen ablaufen, die Salazar aufgenommen hat. Sozusagen Schlaglichter des Krieges. Dabei verliert er nicht den roten Faden und hält die Kamera schonungslos auf das gesamte Drama. Mit Flake und Reno zeigt er uns den größten Ausbund an Abschaum in Uniform, den wir uns vorstellen können. Genau in diesem Punkt liegt, meiner Meinung nach, die einzige kleine Schwäche in De Palmas Film. Man muss den US-Truppen gewiss kein Loblied singen, aber De Palma ist in seinen Bildern gnadenlos mit der Army. Wenn der Einsatz im Irak und das Verhalten der Soldaten auch nur annähernd realistisch dargestellt ist, dann ist es unvorstellbar. So glaube ich persönlich, dass es ganz sicher zu menschlichen Verfehlungen der schlimmsten Art kommt, aber ein pauschales moralisches Gesamturteil über alle Soldaten würde ich nicht fällen. De Palma schrammt an so einem Urteil denkbar knapp vorbei.
Redacted ist ein guter und ein wichtiger Film. De Palma zweifelsohne ein Meister seines Fachs. Sind die Bilder teilweise auch nur schwer zu verdauen, sie scheinen nötig zu sein, um Augen zu öffnen. Ein Urteil über den Sinn und Unsinn dieses Krieges sollten wir uns allerdings nicht nur aus Filmen ziehen. Ein paar weitere Informationsquellen abzuchecken halte ich da für besonders sinnvoll. Redacted wird nicht jedermanns Geschmack sein. Ich ziehe in jedem Fall den Hut vor De Palmas Kamerakunst und seinem Mut für eine klare Position. Sie sollten sich ihr Urteil selbst bilden.