Endlich habe ich mir diesen Fantasy-trash-Film aus meinen Kindertagen gekauft, und ich bin genauso begeistert wie früher.
Das waren Zeiten: die 80er Jahre. Frisuren: auffällig, Make-Up: auffällig, Lebenswandel: auffällig. Dicke Autos, viel Haarspray, Dauerwellen, Schweissbänder und Bodyworking. Pink, Türkis, Zebralook, Chrom und Leder.
Arnold Schwarzenegger und Brigitte Nielsen parodieren diese Zeit und waren damals absolut en vogue.
Arnie machte als CONAN große Karriere, und Brigitte durfte dann in der gleichnamigen Comicverfilmung als RED SONJA das weibliche Pendant zum Muskelmann darstellen.
Arnold selbst begnügt sich mit der "ersten" Nebenrolle des Lord Kalidor, und Sandahl Bergmann, die wir aus CONAN schon kennen, schlüpft in die Rolle der bösen Königin Gedren.
Gibt es eine Handlung? Im groben Sinne, ja. Die böse Königin raubt den "Talisman", um die Welt zu beherrschen. Lord Kalidor kanns nicht verhindern, aber man hat die Rechnung nicht ohne Red Sonja gemacht. Die sollte früher in die Dienste der bereits erwähnten Königin treten, sie weigerte sich, und als Bestrafung wurde ihre gesamte Familie abgeschlachtet und Sonja vergewaltigt. Das erklärt auch ihre generelle Abneigung gegen Männer i.A.....
Mit Kalidor macht sich die inzwischen zur harten Kämpferin ausgebildete Sonja auf den Weg ins "Land der ewigen Nacht", um den Talisman zu zerstören. Und bei Gelegenheit will sie Rache üben für den Mord an ihrer Family.
Begleitet wird sie vom hochnäsigen Prinzen Tarn ( so waren die Kids der 80er wirklich...) und seinem Attaché Falkon, die mit Königin Gedren auch noch eine Rechnung offen haben. Also ganz großes Drama ;-)
Da wir 1985 schreiben, gibt es keine Computereffekte. Kein HD, keinen Ultra-dolbysorround-mega-Sound, keinen modischen Schnickschnack. Kulissen wurden gebaut oder gemalt, die Schwerter sind echt, und in einigen Szenen erkennt man sogar "wahre Schauspielkunst" in Form von Mimik und Gestik.
Ausserdem ist Red Sonja einer der wenigen Filme, in dem die Schwerter, mit denen gekämpft und ermordet wird, tatsächlich blutig sind.
Die restliche Ausstattung des Films sprüht vor Ideen: riesige Skelette als Brücken, Maschinen-Monster, halbgotische Szenenbauten, Gold und Lametta, Totenköpfe usw.
Aber auch wenn Arnie und Biggi sich abmühen und duellieren, stöhnen und sich Wortgefechte liefern: die beste Darstellung liefert Sandahl Bergmann als Königin ab. Die hautengen Dresscodes, Golduniformen und Krönchen machen sie ausserdem zum absoluten Blickfang des Films, und neben ihrer "hübschen" Erscheinung wirkt Biggie ein wenig wie ein Bauerntrampel....
Interessant ist ausserdem, dass Hollywood damals einen skandalösen lesbischen Touch im Film unterbringen konnte, den kaum jemand bemerkt hat.
Aber wenn es schon am Anfang heisst, Gedren wollte Sonja "besitzen", und wenn man später sieht, dass die Königin eine jüngere weibliche Begleitung hat, die sogar neben ihr reiten und sitzen darf und sie Sonja vor dem finalen Kampf vorwirft, sie hätten "beide die Welt regieren können", dann ist eigentlich klar, was dem Publikum gesagt werden soll...
Gekrönt wird der Film mit einer wunderbaren Filmmusik von Ennio Morricone. Eine der besten Arbeiten, die er jemals abgeliefert hat. Wer den Film nicht kennt oder blöde findet, dürfte trotzdem an dieser tollen Musik seine wahre Freude haben.
5 Sterne :-)