Endlich gibt es diesen Western in Deutschland auf DVD! M.E. das erste mal, sieht man von den Importveröffentlichungen ab.
Dies ist einer meiner Lieblingsfilme überhaupt. Er hätte auf jeder "all-time-favourite"-Liste einen der ersten 5 Plätze. John Wayne, über den man denken mag, was man will, liefert hier seine erste (und vielleicht einzige - was Ethan Edwards in "Der schwarze Falke" angeht kann man geteilter Meinung sein) große Charakterrolle ab. Und das macht er auch noch wirklich gut. Hawks hat später gern die Geschichte erzählt, wie er Wayne überreden musste, einen "Unsympathen" zu spielen und dies tat, indem er ihn auf sein Alter hinwies und daß es schwieiger werden würde, angemessene Rollen zu finden.
"Red River" erzählt von einem der ersten großen Rindertriebe. Der Rancher Tom Dunson, der 15 Jahre zuvor einen Treck und damit auch seine Braut verließ, um in Texas gutes Weideland zu finden, will nun seine 10.000 Tiere umfassende Herde in eine der großen Verladestädte weiter nördlich treiben. Dabei stehen ihm v.a. sein alter Kumpel Grood und sein Ziehsohn Matt zur Seite. Letzterer lief Dunson und Grood zu, als der Treck, den die beiden verlassen hatten, den Indianern zum Opfer fiel. Dabei starb auch Dunson Verlobte. Nun brechen die Cowboys auf und Dunson, eh schon ein "harter Hund", entwickelt sich im Verlauf der Reise zu einer Art Diktator, dessen Methoden zur Disziplinierung der Männer immer brutaler und auch unangemessener werden. Schließlich meutern die Cowboys unter Anleitung von Matt und setzen Dunson praktisch in der Prärie aus. Während die Herde weiterzieht, jetzt mit einem neuen, wohl realistischeren Ziel, sinnt Dunson auf Rache. Es kommt zum Showdown, der von einer Dame beendet wird, die Matt liebt und Dunson an seine tote Braut denken läßt.
Man könnte Seiten über Seiten füllen zu diesem Film. Nur soviel: Für Hollywoodmaßstäbe hat man es hier mit einer Art "Moby Dick" des Films zu tun. Dunsons Besessenheit, sein Zorn auf sich und die Welt, seine unbedingter Wille, allen Widrigkeiten zu trotzen und seinen Traum eines Trails von Texas in die Viehstädte zu realisieren, die Weite des Landes als sein Wal, der zu bezwingen ist - all das erfüllt schon die Bedingungen einer großen Tragödie. Fast klassisch.
Zugleich kann man diesem Film aber auch nahezu dokumentarischen Charakter attestieren. Es ist ein working-class-movie. Warum? Zum einen erzählt der Film von Arbeit. Er zeigt die Vorgänge einer Rinderzucht, eines Viehauftriebs, einer Ranch. Er läßt sich Zeit (allein die Exposition, bis wir in der eigentlich erzählten Zeit des Films ankommen dauert schon nahezu 30 Minuten) diese Dinge zu beobachten. Die Bilder der Wagen, die die Herde begleiten, des Staubes, den sie aufwirbeln, der Räder, die sich schlammige Uferböschungen hinaufwinden usw - Hawks ist nahezu verliebt in diese scheinbar nebensächlichen Details. Doch kann man diesen Film auch deshalb dokumentarisch nennen, weil er wirklich zeigt, wie diese Dinge passieren. Hawks ließ 5000 Rinder treiben, die Cowboys, die im Film zu sehen sind, sind eben genau das - Cowboys, keine professionellen Darsteller. Der Film erzählt also nicht nur von Arbeit, er ZEIGT auch Arbeit, er zeigt, wie gearbeitet wird. In Zeiten wie unseren, in denen Filme meist in Blue-Boxes entstehen und nur noch seltenst Massenszenen auch Massen zeigen, sondern meist computergenerierte Simulationen, ist es eben ein Dokument, wirklich zu sehen, wie eine Rinderherde getrieben wird. Das macht "Red River" u.a. außergewöhnlich.
Und filmhistorisch? Ich weiß, ich mache mich damit unbeliebt, aber ich sage auch hier, was ich privat nicht müde werde zu erklären: Meiner Meinung nach findet in "Red River" eine der aufregendsten und technisch versiertesten Kameraeinstellungen/schwenks statt, die die Filmgeschichte zu bieten hat:
An dem Morgen, an dem der Treck aufbrechen soll, sehen wir Wayne auf die Kamera zureiten, er kommt neben Matt zum Stehen und läßt dann den Blick langsam über die Herde schweifen. Die Einstellung wechselt nach einigen Frames, so daß wir die Bewegung seines Kopfes in diesem Blick über "sein Lebenswerk" noch wahrnehmen, bevor wir scheinbar seinen subjektiv schwenkenden Blick sehen, doch als die 180 Grad vollendet sind kommt wer ins Bild? Wayne! Unmerklich hat sich während dieses scheinbar subjektiven Schusses die gesamte Perspektive verschoben und nun scheint es Matts subjektiver Blick zu sein, den wir eingenommen hatten. Subtiler kann man Entfremdung und Perspektivwechsel zwischen Figuren kaum darstellen im Film. Und dann? Dann kommt diese von mir sooo geliebte Einzeiler: "Take 'em to Missouri, Matt!" und Montgomery Clift, der Matt spielt in seiner ersten großen Rolle, geht aus dem Sattel und stößt einen Schrei aus, der sich von Mann zu Mann fortsetzt, wir bekommen einmal von allen im Film wesentlichen Protagonisten eine Großaufnahme bevor dann Dimitri Tiomkins Musik einsetzt und - hochpathetisch - Chöre den Aufbruch besingen, während mehrere Totalen uns die Herde, die Cowboys und die Planwagen zeigen, die sich in Bewegung setzen.
Meine alte VHS ist an dieser Stelle derart abgenudelt, daß sie nicht mehr einsehbar ist. Einer DER Momente der Filmgeschichte, wie ich finde...
Allen, die den Film noch nicht kennen: VIEL SPASS!
Allen andern: Wie immer VIEL SPASS!!