Schon an der Kinokasse hatte RED PLANET seinerzeit seine liebe Not, gegen Brian DePalmas MISSION TO MARS anzukommen. Das Box-Office-Kräftemessen hat dieser Film um Längen verloren, und auch im Fernsehprogramm wäre RED PLANET vermutlich eher ein Kandidat für VOX, während MISSION TO MARS bei Pro7 gebucht sein dürfte.
In der Tat ist der kostspieliger produzierte Konkurrent visuell besser aufgestellt als diese vom vormaligen Werbefilmer Hoffman in Szene gesetzte, mit einer Reihe guter, aber eben nur Zweite-Reihe-Stars bestückte Mars-Odyssee. Das Script ist nicht unintelligent, allerdings leckt stellenweise ein bisschen das Klischee durch. Die Mitglieder der Mannschaft, bestehend aus 5 Männern und einer Frau, die konfliktpotentialhalber auch noch ausgerechnet das Kommando haben muss, tragen alle ihr eigenes Päckchen an Weltanschauungen und Getriebenheiten mit sich, die natürlich auf der Reise nach und auf dem Mars ausgepackt, reflektiert und intersubjektiviert werden müssen.
Dahingehend allerdings kann man dem Film keinen Vorwurf machen: Jede Odyssee ist ja in erster Linie nicht eine Reise im Raum, sondern zu sich selbst. Der Rüffel besteht schlicht darin, dass man mitunter das Narrations-Gerippe durchscheinen sieht. Auch das Erzählen in wiederholenden oder erweiternden Rückblenden hinterlässt den schalen Beigeschmack einer ungelenken Dramaturgie. Die Schauspieler machen allerdings das Beste daraus, jeder liefert eine überzeugende Leistung ab.
In jedem Fall bietet der Film Spannung auf einem kontinuierlich hohen Niveau, weil er im Viertelstundentakt immer wieder einen neuen Wendepunkt einführt. Was man RED PLANET zugute halten muss, ist die bis zum Ende konsequent "realistische" Erzählhaltung: Anders als MISSION TO MARS schert die Geschichte nicht gegen Ende auf eine SciFi-Fantasy-Schiene ein, indem er das unvermeidliche Gesicht auf dem Mars und irgendwelche Seilschaften zwischen Aliens und der Menschheit als deus-ex-machina-Finale aus dem Hut zieht. Von Anfang bis Ende bleibt Hoffmans Film auf naturwissenschaftlichem Kurs und lässt dem Übernatürlichen nur einen metaphorischen Ansatzpunkt.
Fazit: Wer Science-Fiction-Filme nicht mit dem Physikbuch auf den Knien konsumiert, wird für knappe 7 Euro bei diesem Film gewiss keinen falschen Griff tun ... RED PLANET ist kein Filmmeisterwerk, aber er ist solide Genre-Handwerksarbeit. Und gerade im SciFi-Bereich gibt es wirklich um Lichtjahre Schlechteres.