Hart, brachial, aggressiv, strukturiert, losgelöst, wegweisend. RED.
Keine King Crimson Platte hat bis dahin diese fast durchgehende Härte - die Hippiezeit war nun endgültig vorbei.
Man kann den neuen King Crimson Sound, der sich mit Larks Tongues in Aspic ankündigte, nicht direkt als Heavy Metal oder Hard Rock bezeichnen, dazu stecken zu viele Zwischennuancen und Grauzonen im Gewebe und im Herzen der Songs.
Ich erinnere mich an meine Teenage Jahre und hier war Starless immer schon mein Lieblingsstück, der Rest fiel hierzu immer etwas ab. Vor allem mit Providence habe ich etwas Schwierigkeiten, die Improvisationen waren auf Starless and Bible black einfach besser und wirken hier eher als Füllmaterial.
Für Interessierte: wer diese Art der Impro mag, dem sei The Great Deceiver ans Herz gelegt, eine 4 CD Box voll mit Live Mitschnitten bzw. Improvisionen der 1973-1974er Phase im Stil von Providence.
Ein Riesen Lob an Steven Wilson, er hat sich mächtig ins Zeug gelegt, um hier soundmässig alles rauszuholen. Anders als bei Lizard sind hier überwiegend nur das Trio Gitarre, Bass und Drums am Werk und man hat ständig das Gefühl, die drei vor sich zu haben, und das mit aller Wucht und Bravour.
Kaum hat man einen härteren Bass als den von John Wetton gehört - kaum zu fassen, dass dieser nach Red zu Uriah Heep abgewandert ist, um dort das mit Abstand langweiligste Werk deren Geschichte zu prägen (High and Mighty).
Robert Fripp klingt und wirkt härter als je zuvor- wenn man nicht wüsste, dass er bei den Konzerten immer brav auf seinem Hocker lehnt, sonst könnte man meinen, man hat es hier mit einem Dervish zu tun. Am Schlagzeug ein absoluter Meister Bill Bruford, ständig lernend und wachsend, kein anderer seines Fachs kann mich derart begeistern, Hut ab vor Bill!
Hier endet also das zweite Kapitel von King Crimson. Fripp produziert bald The Roches, Blondie, Daryl Hall, arbeitet mit David Bowie, Peter Gabriel, Talking Heads und Peter Hammill, spielt in Waschsalons Tonbandloops, hört Punk/New Wave Musik. 1980 kommt er mit einer völlig neuen King Crimson Band zurück, um einen neuen Meilenstein zu setzen. Aber das ist eine andere Geschichte.
Absoluter Bonus: die TV Mitschnitte auf DVD und die verschiedenen Versionen und Extras sind allesamt ihr Geld wert. Die Anschaffung ist essentiell, besser wird Red nie wieder.