Als im April 1984 dieses Album das Licht der Welt erblickt, war es schon Glückssache, dass es überhaupt so weit kam: Da die Gründungsmitglieder Hillel Slovak (Guitars, 1988 an Überdosis Heroin gestorben) und Jack Irons (Drums, 1988 ausgestiegen) zur selben Zeit noch bei einem anderen Label unter Vertrag standen, griffen sich Anthony Kiedis und Michael Balzary (Flea) kurzerhand zwei Ersatzleute (Jack Sherman, Guitars und Cliff Martinez, Drums) um mit ihnen die Platte einzuspielen [Anm. z. vorherigen Rez.: Vom heutigen Drummer Chad Smith konnte damals noch keine Rede sein] Auch der vom damaligen RHCP-Label EMI bestimmte Produzent Andy Gill fügte sich nicht so richtig ins Kollektiv und den Ideen Tony Kiedis und Fleas ein. Heraus kom trotzdem ein für mich bahnbrechender Erstling: Der Sound klingt noch um einiges funkiger als er heute ist, kommt aber etwas roh und unausgereift rüber, wie oftmals auf einem Debut. Auch Tony Kiedis Stimme ist nicht mit heute vergleichbar. An keiner Stelle singt er wirklich, sondern rappt in reinstem Crossover-Stil ungehalten und manchmal auch schief drauf los. Erwähnt seien an dieser Stelle der Opener "True Men Don't Kill Koyotes" und "Out in L.A." als beste Teile der Platte. Der Qualität des Albums schadet die unprofessionelle Umsetzung jedoch mehr, als sie ihr nützt. Die Songs sind zwar unbestreitbar gut und keineswegs angestaubt, aber allesamt ungeschliffene Rohdiamanten einer noch jungen Band ohne Reputation und Erfahrung.
Ihrer Zeit waren die Chili Peppers jedenfalls um Lichtjahre voraus, weshalb ihnen jeglicher kommerzieller Erfolg bis 1989 mit "Mother's Milk" auch versagt blieb. Glücklicherweise hielt sie das und weitere Schicksalsschläge nicht vom Weitermachen ab und so sind sie bis heute eine in ihrer Musik und ihrer Art unverwechselbare und einzigartige Band - eben die Red Hot Chili Peppers. Fazit: Geniale und musikalisch revolutionäre Platte. Ein Muss für jeden echten RHCP-Fan und solche, die es werden wollen. Einsteigern empfehle ich eher das absolut eingängige "Californication" oder das für mich beste Album "Blood Sugar Sex Magik". Stay Tuned!